Romantik im Dienstbotenzimmer
Von Peter Angerer
Innsbruck – Durch die Darstellung von Fabrice Luchini sieht Jean-Louis Joubert anfangs wie eine Variation des Schirmfabrikanten Pujol in François Ozons „Das Schmuckstück“ aus. Aber der Vermögensverwalter der Reichen und Schönen von Paris ist ein guter Mensch. Obwohl in diesem Stadtpalais geboren, sucht er als Eigentümer und aus reiner Neugier den sechsten Stock des Hauses auf und wird zu Tode erschreckt. 1961 leben die spanischen Dienstmädchen noch immer wie zu der Zeit, als dieses Haus errichtet wurde. Es gibt in den Dienstbotenzimmern weder Wasser noch Heizung und was den Vertreter der Bourgeoisie besonders die Nase rümpfen lässt: Es stinkt aus dem Abort. Der Installateur will nur für doppelten Lohn das Malheur beheben.
Aber auch die Köchinnen, Büglerinnen und Serviererinnen halten sich die Nasen zu, denn „Kapitalisten sind Banditen“. Die kommunistische Partei hat noch einen guten Ruf, wenn auch die klassenkämpferischen Versuchungen beim spanischen Pfarrer gebeichtet werden. Gesühnt wird ohnehin auf der Dienstbotentreppe, denn die Frauen dürfen nicht einmal mit schweren Lasten den der Herrschaft vorbehaltenen Lift benützen. Aber das ist eine persönliche Marotte von Madame Triboulet, der allmächtigen Concierge, die kriecherisch und ganz im Sinn von Madame Joubert (Sandrine Kiberlain) handelt. Die Provinzschönheit von einst kultiviert ihre sozialen Vorurteile bei Empfängen und übersieht dabei die Dienerin Maria (Natalia Verbeke), die seit ihrer Kindheit in einer Tabakfabrik gearbeitet hat, und den bourgeoisen Verführungskünsten eines Unternehmers bereits ein Kind verdankt. Maria ist also gewarnt, als Monsieur Joubert ein Zimmer im sechsten Stock bezieht, um sich der Romantik des ärmlichen Lebens wie in einem Roman von Emile Zola hingeben zu können.
Philippe Le Guays „Nur für Personal!“ (im Original: „Les femmes du 6ème étage“) huldigt dem Komödienstil des französischen Kinos der Sechzigerjahre, während er die sozialen Probleme der Zeit nur mit einem Augenzwinkern streift. Seine spanischen Dienstbotinnen Teresa, Carmen, Dolores und Concepción setzt er als allegorische Figuren für Frömmelei, Aberglauben oder politischen Aktivismus ein, interessiert sich aber nur für den schnellen, leicht erringbaren Kinogag.



