23.12.2011
Kino-Kritik

Die Kunst, als Detektiv unsichtbar zu werden

Guy Ritchie demonstriert in „Sherlock Holmes 2: Spiel im Schatten“ die neuesten Tricks aus der Spezialeffekte-Abteilung des Kinos.
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Von Peter Angerer

Innsbruck – Arthur Canon Doyles Sherlock Holmes war bisher jener Detektiv, der jedes Verbrechen als logisches Problem betrachtet und nach dem Abschreiten einiger Sackgassen auch gelöst hat. Bei Guy Ritchie ist er vor zwei Jahren zum Taschenspieler geworden, der sich der Neuro­wissenschaft bedient hat. Das Gehirn nimmt in jeder Sekunde Millionen Details auf, kann aber nur fünf oder sechs Eindrücke verarbeiten. Durch Ablenkungen lässt sich die Festplatte manipulieren und Trickdiebe wie Zauberkünstler haben leichtes Spiel.

Dieser Erkenntnis folgend funktioniert auch „Sherlock Holmes 2: Spiel im Schatten“. Sherlock Holmes (Robert Downey jr.) arbeitet daran, unsichtbar zu werden, was im Kino mit all seinen Tricks ja keine große Kunst ist. Das ermüdet bisweilen, da nachträglich jedes Bild erklärt wird, um den Trick als solchen erkennbar zu machen.

1891 ist das Jahr der Anarchisten und bekanntlich auch das Todesjahr des großen Detektivs. Dr. Watson (Jude Law) schreibt an der Biografie seines Freundes, den er eigentlich nicht gekannt hat, da er das Offensichtliche übersehen hat. Der große Detektiv liebt seinen Assistenten, dessen Ankündigung, heiraten zu wollen, die Ereignisse durcheinanderwirbelt.

Der geniale Professor Moriarty­ (Jared Harris) strebt nach der Weltherrschaft. Zur Erreichung dieses Ziels hat er die Familien bekannter Anarchisten entführt, die seither nach seiner Pfeife tanzen und sich manches Mal mit einer Flasche Bordeaux von 1789, „ein schlechter Jahrgang“, sagt Holmes, trösten. Aber auch der Detektiv hat Familie. Der exzentrische Bruder Mycroft (Stephen Fry) ist ein Anhänger der langsam in Mode kommenden Freikörperkultur, verfügt als Berater auch über Kontakte zur britischen Regierung. Aber wem ist in dunklen Zeiten noch zu trauen? Holmes wirft sich in einen lächerlichen Fummel und in einer Mischung aus Fürsorge und Eifersucht Watsons­ Ehefrau aus dem Zug, während Moriarty das Regierungspersonal mit Hilfe der plastischen Chirurgie ausgetauscht hat. Unter einer dieser Masken verbirgt sich der Bruder einer Zigeunerin (Noomi Rapace, die Lisbeth Salander in der „Millennium“-Trilogie), die das Schicksal nicht vorhersagen­ konnte. Der Showdown findet auf einer verschneiten Terrasse in den Schweizer Bergen statt. Holmes­ und Moriarty spielen im Kopf eine Partie Schach und wälzen nebenbei die Probleme der sich ankündigenden Apokalypse. Den Weltkrieg wird es demnächst ohnehin geben, also warum nicht sofort? Darauf weiß der Detektiv keine Antwort, sagt aber: „Schachmatt.“

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Fr, 23.12.2011
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