Schwedenthriller made in Hollywood - David Finchers „Verblendung“
Berlin - Gerade einmal zwei Jahre ist es her, dass Noomi Rapace als Hackerin Lisbeth Salander erstmals die deutschen Kinogänger begeisterte. Die schwedische Verfilmung von Stieg Larssons Millennium-Trilogie heizte den Hype um die Thriller an, der unausweichlich auch Hollywood erfasste. Das Filmstudio Sony Pictures ließ sich nicht lumpen: Als Regisseur wurde nach dem Erfolg des Facebook-Thrillers „The Social Network“ David Fincher verpflichtet, Bond-Darsteller Daniel Craig wurde Mikael Blomkvist.
Um die entscheidende Rolle der Lisbeth hingegen entspannt sich ein Nervenkrieg. Alles steht und fällt mit der Figur der gepiercten und auch seelisch keineswegs unversehrten jungen Frau, die dem investigativen Journalisten Blomkvist bei der Aufklärung eines 40 Jahre zurückliegenden Vermisstenfall hilft und dabei ein Schlangennest von frauenhassenden Alt-Nazis aufdeckt.
Rooney Mara triumphiert als Salander
Die Wahl der bis dato recht unbekannten Jungschauspielerin Rooney Mara - zuvor vor allem durch die Nebenrolle als Ex-Freundin von Mark Zuckerberg in „The Social Network“ aufgefallen - ist der größte Pluspunkt dieses US-Remakes. Mit ihrer extrem zarten Statur und dem dank gebleichter Augenbrauen leicht außerirdischem Gesicht erfüllt die 26-Jährige perfekt die Beschreibung Lisbeths durch ihren Schöpfer. Zu Recht ist Mara für einen Golden Globe als beste Schauspielerin in einem Drama nominiert.
Es lässt sich darüber streiten, ob im englischsprachigen Original Maras schwedischer Akzent nötig gewesen wäre. Für Fincher stand es auf jeden Fall außer Frage, dass seine Version ebenfalls in Schweden spielen musste. „Ich glaube nicht, dass die Geschichte irgendwo sonst handeln kann“, sagte der Regisseur im dapd-Gespräch.
Kompromisslose Gewalt
Keine Kompromisse ging Fincher auch bei der Darstellung von Gewalt ein. Salanders Vergewaltigung durch ihren Vormund war schon in der schwedischen Verfilmung schwer zu ertragen, Fincher treibt nun viele Zuschauer an ihre Grenzen. Ein Grund, warum „Verblendung“ in den USA die zweithöchste Altersfreigabe erhalten hat. Auch deshalb kann die laut Schätzungen umgerechnet 70 Millionen Euro teure Produktion bislang erst ein Einspielergebnis von 49 Millionen Euro vorweisen.
Während die Hauptdarsteller bereits für die Fortsetzungen der Trilogie verpflichtet sind, ist sich Fincher noch unsicher. „Zu diesem Zeitpunkt weiß ich es nicht. Ich bin wirklich erschöpft“, sagte er. Außerdem müssten die beiden Bücher „Verdammnis“ und „Vergebung“ seiner Ansicht nach zusammen verfilmt werden. „Und ich werde mich momentan nicht für zwei Filme verpflichten.“
(„Verblendung“, Thriller, USA 2011, 158 Minuten, Verleih: Sony Pictures, FSK: 16, Regie: David Fincher, Darsteller: Daniel Craig, Rooney Mara, Christopher Plummer, Stellan Skarsgard, Robin Wright u.a.)
Kinostart: 12. Jänner 2012 (dapd)
aktualisiert: Sa, 07.01.2012 10:33





