16.01.2012
Kino News

Nur noch kurz die Welt retten

Heute vor 50 Jahren begannen auf Jamaika die Dreharbeiten zum ersten Kinoabenteuer von James Bond. Ein halbes Jahrhundert später zieht Agent 007 noch immer die Massen in die Kinos – und die Girls ins Bett.
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Die sechs Gesichter des 007: James Bond im Laufe der Kinogeschichte

Sean Connery gab James Bond 1962 ein Gesicht. Der Schotte gilt bis heute als der Parade-007.

George Lazenby war 1969 im Dienste Ihrer Majestät aktiv. Der Australier blieb eine Bond-Eintagsfliege.

Roger Moore wurde 1973 zum Geheimagenten, der Brite schlüpfte sieben Mal in die Bond-Rolle.

London – Es sind die immer gleichen Zutaten, die James Bond zu einem der größten Erfolge der Filmgeschichte gemacht haben. Der blendend aussehende und scheinbar unfehlbare Agent 007 im Geheimdienst Ihrer Majestät füllt auch 50 Jahre nach seinem Hollywood-Drehstart noch immer die Kinos. Am 16. Jänner 1962 begannen auf Jamaika die Kameras für den ersten „Bond“ mit dem Titel „Dr. No“ zu surren – der Auftakt zu einem atemberaubenden Kapitel der Kinogeschichte.

50 Jahre später hat der Agent, Weltretter und Frauenheld nichts von seiner Attraktivität eingebüßt. Mit Daniel Craig hat inzwischen der sechste Hauptdarsteller nach Sean Connery, George Lazenby, Roger Moore, Timothy Dalton und Pierce Brosnan die „Lizenz zum Töten“ erhalten. „Geschüttelt, nicht gerührt“, mochte Bond seinen Wodka Martini, die Flirts mit Sekretärin Moneypenny sind schon legendär, ebenso wie die Affären mit den Bond-Girls, die Technik-Spielereien aus der Werkstatt von Bastler „Q“ – und natürlich der Sieg des Guten zum Schluss: Fast alles hat über ein halbes Jahrhundert dem Zeitgeist in der Filmindustrie getrotzt.

Dabei war der Erfolg des Agententhrillers keineswegs programmiert, als die Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman sich endlich über die Filmrechte am Romanstoff von James-Bond-Schöpfer Ian Fleming geeinigt hatten. „Viel zu britisch“, hieß es aus Hollywood. Selbst die Suche nach geeignetem Personal vor und hinter der Kamera hatte sich schwierig gestaltet.

Weder Hauptdarsteller Sean Connery noch sein Widerpart Joseph Wiseman als „Dr. No“ waren damals erste Wahl. Broccoli und Saltzman holten sich auch bei der Regie erst einmal vier Absagen, ehe Terence Young einschlug. Die zur Legende gewordene Filmmusik soll Komponist Monty Norman angeblich in nur zwei Minuten geschrieben haben. John Barry arrangierte schließlich die Komposition, was zum jahrelangen Streit der beiden Musiker führte.

Regisseur Young war es auch, der die Idee hatte, ein paar Witzeleien in die Handlung einzubauen. Begründung: Sonst besteht die Gefahr, dass die Sex- und Gewaltszenen nicht durch die Zensur kommen. Für den Schauspieler Richard Johnson, der die schließlich an Connery vergebene Bond-Rolle ablehnte, ist das eines der Erfolgsgeheimnisse: „Sean machte die Sache witzig, das kurbelte den Erfolg an.“

Inwieweit auch weibliche Reize zum Erfolgskonzept beitrugen, bleibt Spekulation. Der Auftritt der Schweizer Schauspielerin Ursula Andress als Muschelfischerin Honey Rider im Bikini mit Messergurt schrieb jedenfalls Filmgeschichte. Kein Wunder, dass Halle Berry 40 Jahre später im Bond-Streifen „Stirb an einem anderen Tag“ die Szene nachspielte. Zu Ikonen wurden auch die Bond-Autos. Das National Motor Museum von Großbritannien in Beaulieu bei Southampton zeigt gerade eine Auswahl von 50 Fahrzeugen, die in den Filmen eine wichtige Rolle spielten. Das Budget der Filmgesellschaft United Artists war vergleichsweise bescheiden: eine Million US-Dollar. Es reichte nicht einmal für echtes Leder an der schallsicheren Tür des Geheimdienstchefs „M“. Und seine Bilder an der Wand waren aus Pappkarton. „Ich habe über das Wochenende noch schnell einen Goya gemalt“, erinnerte sich Ken Adams, der für die Spezialeffekte zuständig war, jüngst im Guardian. Die britische United-Artists-Tochter musste sogar noch 100.000 Dollar extra lockermachen, damit Dr. Nos jamaikanische Privatinsel am Ende effektvoll in die Luft fliegen konnte.

Heute haben die Kinder von Albert R. Broccoli – Stiefsohn Robert G. Wilson und Tochter Barbara – das Ruder im Bond-Produzententeam übernommen. Wilson spielte in elf Bond-Filmen als Statist, ehe er Produzent wurde, seine Stiefschwester arbeitete als Regie- und Produktionsassistentin. Kontinuität scheint garantiert. „Mein Name ist Bond, James Bond ...“ wird man wohl noch viele Jahre hören. (dpa, TT)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mo, 16.01.2012
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