Böse Broker gegen das Kollektiv
Innsbruck – In J. C. Chandors Wall-Street-Thriller „Der große Crash“ verschieben Broker Millionen, bis alle Beteiligten in die Krise schlittern. Der französische Regisseur Cédric Klapisch („L‘Auberge espagnole“) bevorzugt auch für die Wirtschaftskrise eher das entspannte Erzählen.
In Dünkirchen haben skrupellose Spekulanten eine Firma in den Konkurs getrieben. Den Gewinn bezahlen die Arbeiter durch den Verlust ihrer Arbeitsplätze. France (Karin Viard) ist eine der neuen Arbeitslosen und sucht während der Geburtstagsparty für ihre Tochter mit Schlaftabletten den Fluchtweg aus dem Leben. Nach der Genesung wählt sie den Weg der Hyperaktivität. Die alleinerziehende Mutter bringt die drei Mädchen zu ihrer Schwester, um in Paris einen Kurs als Putzfrau zu absolvieren.
Stéphane (Gilles Lellouche) hat bisher als Steve und Broker bei einer Londoner Bank gearbeitet. Er soll, sofern er das Böse in sich spürt, in Paris eine Filiale eröffnen und bei Bewährung das gesamten Unternehmen führen. Stéphane fühlt sich sogar „sehr böse“. In seinem Pariser Luxusapartment hat er bereits drei Putzfrauen gefeuert, France ist also gewarnt. Während der Broker bei seinen romantischen Ausflügen (etwa nach Venedig) für sein Geld schnell zur Sache kommen will, führt er France mit Geduld in das Mysterium des Geldmachens ein. Wenn beispielsweise US-Präsident Obama im Fernsehen eine optimistische Rede hält, kann davon ausgegangen werden, dass am Ende der Rede der Dollar um einen Prozentpunkt steigt. Der Spekulant drückt daher rechtzeitig auf „Kaufen“ und schon hat sich auf dem Konto etwas bewegt. France macht große Augen und sauber. Traurige Augen macht France nach einem kurzen Ausflug in die Welt des Luxus und einer gemeinsamen Nacht mit dem Herzensbrecher, der sich nicht nur als zynischer Vernichter ihres Arbeitsplatzes, sondern auch als infantiler Schwätzer entpuppt, der einem Freund „lustige Details über die Nacht mit der Putzfrau“ erzählen will.
Damit konnte Cédric Klapisch gerade noch die Kurve vor einem rührseligen Aschenputtelfinale kratzen. Die aus der Glitzerwelt vertriebene Geliebte kann den vor nichts zurückschreckenden Stéphane noch in das heimelige Dünkirchen locken, wo einerseits ein wütendes Kollektiv auf den Kapitalisten wartet, sich im Hintergrund aber auch eine Hundertschaft der Polizei aufstellt. Der Ausgang des Klassenkampfs bleibt dem Empörungsgrad in der Fantasie der Betrachter überlassen. (p. a.)



