Nazis auf der dunklen Seite des Mondes
Innsbruck – Zwei der größten Filme der Kinogeschichte sind Satiren über die Nazis. 1940 veröffentlichte Charlie Chaplin seinen „großen Diktator“, der beinahe von der US-Zensur verboten worden wäre, da diplomatische Probleme befürchtet wurden. 1942 wurde „To Be Or Not To Be“ von Ernst Lubitsch im ersten Anlauf ein kommerzielles Desaster. Amerika befand sich nun im Krieg und die Groteske über das Warschauer Theaterpaar Tura war zu schrill.
In Timo Vuorensolas „Iron Sky“ konnten sich die Nazis auf die dunkle Seite des Mondes retten, in düsteren Momenten erfreuen sie sich an einem Filmschnipsel aus Chaplins „großem Diktator“. Es ist genau jene Szene, in der sich der Führer tänzelnd dem Globus und damit der Weltherrschaft nähert. Das Sagen hat nun Führer Kortzfleisch (Udo Kier), der von seinen Mond-Ariern die aktualisierte Grußformel „Heil Kortzfleisch“ fordert, woraus der einzige Running Gag des Films entsteht. Jedenfalls steht der Traum von der Weltherrschaft 2018 mit der Geheimwaffe „Götterdämmerung“ vor der Verwirklichung, denn die Besatzung eines US-Raumschiffs liefert mit einem Handy die fehlende Rechenkapazität. Aber James Washington (Christopher Kirby) ist nicht nur kein richtiger Astronaut, er hat auch die falsche Hautfarbe. Der Farbige ist nur Darsteller eines Propagandaunternehmens für die neue US-Präsidentin (Stephanie Paul), die wie Sarah Palin aussieht. Mit dem „albinisierten“ und vorgeblich zum Nazi mutierten Washington landet der ehrgeizige Klaus Adler (Götz Otto) in Amerika, wo es für die arischen Eroberungspläne offene Ohren gibt.
Zum Kulturschock liefert Timo Vuorensola auch originelle Ideen. Auf der Straße bittet Washington seine farbigen Brüder um Hilfe, doch die bedrohlich wirkende Gang sieht keinen Bruder sondern nur einen lächerlichen Weißen. Im Weltsicherheitsrat versucht der nordkoreanische Vertreter die Naziinvasion für sein Land zu reklamieren und landet damit einen Lacherfolg. Aber Satire benötigt mehr, sollte über die Imitation hinausgehen. Den Darstellern ist die gute Laune ins Gesicht geschrieben, dass darüber die Komik verloren geht. Möglicherweise ist Timo Vuorensola mit „Iron Sky“ eine ähnliche Wirkung wie bei Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ vorgeschwebt. Es ist ein Film für Liebhaber des Trash-Kinos geworden, die den Film via Internet auch finanziert haben. (p. a.)





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