02.08.2010
Tiere

Könige der Berge gezählt

Der Bezirk Landeck hat das größte Steinwildvorkommen in Tirol. Zum ersten Mal seit der Wiederansiedlung der majestätischen Tiere wurden die Bestände an einem Tag gezählt.

Von Matthias Reichle

Landeck – Ausgerechnet an jenem Tag, an dem Tiroler Jäger zur Steinbockjagd abkommandiert worden sind, hatten die majestätischen Hornträger nichts zu befürchten. Kein einziger wurde geschossen. Die sonst so treffsicheren Waidmänner waren nämlich ausnahmsweise ohne ihre Büchsen unterwegs und nur mit Block und Bleistift bewaffnet in die Berge gezogen. Zum ersten Mal, seit die stolzen Tiere nach dem Krieg in Tirol wiedereingebürgert worden sind, wurde ihr Bestand Anfang Juli systematisch erhoben. Gleichzeitig haben auch die Nachbarregionen ihre Tiere erfasst.

Mitte des vergangenen Jahrhunderts waren Steinböcke in Tirol praktisch ausgestorben. Im Tiroler Oberland gedeihen die Tiere inzwischen wieder besonders gut. Landeck ist mit 1522 Stück der steinwildreichste Bezirk Tirols, gefolgt von Imst mit 796 und Reutte mit 625 Tieren.

Die größte Steinwildgemeinschaft ist im Pitztal und Kaunertal daheim. Danach kommt das Verwall mit 419 Exemplaren. Auch die Altersstruktur und das Geschlechterverhältnis seien überraschend gut, berichtet der Stein­- wildbeauftragte des Tiroler Jägerverbandes, Ernst Rudigier.

Insgesamt konnten in heimischen Bergwänden und Wäldern insgesamt 4176 Tiere gezählt werden: 1573 Böcke, 1789 Geißen und 766 Kitze und ein kleiner Rest von 48 Jungtieren, denen kein Geschlecht zugordnet werden konnte, liefen den Zählorganen vor die Linsen ihrer Feldstecher.

Die kleinste Kolonie befindet sich derzeit in Kitzbühel. Dort leben 63 Stück Steinwild. Nicht überall fühlen sich die Böcke, die zu den beliebtesten und wertvollsten Jagdtrophäen gehören, gleich wohl, weiß der leidenschaftliche Kappler Jäger.

In jenen Kolonien, in denen langfristig nicht mehr als 100 Exemplare überleben, ist der Bestand in Gefahr. Entlang der Nordkette ist das der Fall, so Rudigier. Dort gibt es weder Gipfel, die höher als 3000 Meter sind, noch ausreichend Winterlebensraum. Trotzdem werden in der Kolonie immer wieder neue Tiere aus Zoos angesiedelt, erklärt der Jäger.

Ein sinnloses Unterfangen, das dem Steinwildfreund den „Hals hebt“: „Das ist nahe an Tierquälerei“ – Steinböcke dort anzusiedeln, wo sie sich nicht wohl fühlen. Er fordert gleichzeitig mehr Ruhezonen für die Tiere, deren Lebensraum vor allem im Winter sehr beengt ist und die immer wieder von Schneesportlern gestört werden.

Noch heuer will Rudigier deshalb eine Initiative starten, die Alpenvereine, Touristiker und Gemeindevertreter an einen Tisch holt. Es geht um eine Information für richtiges Verhalten im Wald und am Berg.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mo, 02.08.2010
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