Durst nach sauberem Wasser
Von Nicole Unger
Innsbruck – Wasserhahn aufdrehen, Glas darunterhalten und genießen. Die Tiroler sind es gewohnt, dass einwandfreies und schmackhaftes Trinkwasser aus der Leitung sprudelt. Wasserknappheit spielt in unseren Breiten keine Rolle. Der kostbare Schatz, der sogar als Champagner Tirols bezeichnet wird, ist in ausreichender Menge vorhanden. Fast 90 Prozent des jährlichen Bedarfs an Trink- und Nutzwasser in Tirol kann aus den mehr als 10.000 Quellen auf heimischem Boden abgedeckt werden.
Dass es nicht selbstverständlich ist, dass das „kühle Nass“ täglich frisch und sauber nachhause geliefert wird, daran soll der heutige Weltwassertag erinnern.
Sieben wichtige Fakten rund um das flüssige Gold:
1Wasser ist in Städten Mangelware: Jedes Jahr steht der Tag des Wassers unter einem Motto, das in diesem Jahr lautet: „Wasser für die Städte“. Derzeit lebt die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten, in 20 Jahren werden es fast 60 Prozent sein. Die größte Herausforderung sei jene der Wasserversorgung, und die dringendste, betonte die UNO am Montag. 95 Prozent des urbanen Wachstums wird sich nämlich in Entwicklungsländern abspielen, wo schon jetzt jeder vierte Stadtbewohner keinen Zugang zu Leitungswasser hat.
Die Folgen: Verunreinigtes Trinkwasser verursacht (tödliche) Cholera- und Diarrhöe-Epidemien und eine Häufung von Malaria-Fällen. „Jeden Tag sterben 4000 Kinder unter fünf Jahren an Krankheiten, die durch einen Mangel an sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen verursacht werden“, sagt Wolfgang Kopetzky, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes.
Aktuell landen zwei Millionen Tonnen Müll täglich im Wasserkreislauf. Und durch Lecks in Leitungen versickern in manchen Städten bis zu 50 Prozent des Wassers im Boden. Trotzdem: „Die Probleme der Städte in Zusammenhang mit Wasser sind lösbar“, unterstreicht die UNO. „Das notwendige Wissen, Erfahrung und Technologien sind größtenteils schon verfügbar.“
2Wasser in Innsbruck: Die modernen Technologien, die sauberes, schmackhaftes Trinkwasser garantieren, sind in unseren Breiten Realität. „Wasser für die Städte“ gibt es bei uns zuhauf. Während Menschen das Wasser aufgrund der schlechten Qualität in Flaschen zukaufen müssen, wird beispielsweise in unserer Landeshauptstadt der Wasserbedarf zu 100 Prozent aus Quellwasser abgedeckt. „Die bedeutendste Quellenanlage ist dabei die Mühlauer Quelle“, erklärt Claudia Schmid von der IKB. Das Trinkwasser werde außerdem ständigen Qualitätskontrollen durch das Hygieneinstitut der Universität Innsbruck unterzogen.
3 Wasser in den Gemeinden: In ganz Tirol gibt es mehrere tausend Wasserversorgungsanlagen, erklärt Hubert Steiner, Vorstand der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes Tirol. Wer mehr über die Qualität, Herkunft oder den Härtegrad des genutzten Wassers wissen möchte, der sollte sich am besten an die jeweilige Gemeinde wenden, rät Steiner. Diese sei verpflichtet, Auskunft zu geben. Die wichtigsten Anforderungen: Das Trinkwasser sollte klar und farblos sein, neutral riechen und keine Trübungen oder Bodensätze aufweisen.
4 Wasser, ein Härtefall: Die Wasserhärte ist abhängig von der Konzentration der Kalzium- und Magnesiumionen im Wasser. Je höher die Konzentration, desto härter das Wasser. Und je härter das Wasser, desto eher kann es zu Kalkablagerungen bei Haushaltsgeräten kommen. Praktische Tipps, wie man beispielsweise Wasserkocher oder Kaffeemaschine kalkfrei bekommt, liefert die Homepage der Berliner Wasserwerke www.bwb.de.
5Wasser und Gesundheit: Der menschliche Körper besteht zu ca. 60 bis 70 Prozent aus Wasser. Ein Flüssigkeitsmangel kann zu gravierenden gesundheitlichen Problemen führen. Das Wasser, das über Atmung, Schweiß, Urin und Stuhl ausgeschieden wird, muss daher wieder ausgeglichen werden. „Die empfohlene Trinkmenge bei einem gesunden Menschen liegt bei 1,5 bis zwei Litern täglich“, betont Monika Lechleitner, Ärztliche Direktorin am Landeskrankenhaus Hochzirl. Bei Hitze und Sport sollte das Pensum auf zwei bis drei Liter erhöht werden.
Die Getränkeindustrie bietet eine riesige Auswahl an Durstlöschern. Aufgrund der oftmals hohen Zuckerzufuhr sind aber nicht alle Säfte oder Wellnessdrinks mit Geschmack empfehlenswert. Am besten sollte man daher zu Trinkwasser greifen. „Unser Leitungswasser ist sauber, hochqualitativ und infektiologisch gesehen völlig unbedenklich. Es ist auch gar nicht nötig, zu Mineralwasser zu greifen“, weiß Lechleitner. Die Kohlensäure würde zudem Aufstoßen oder Blähungen oftmals begünstigen. Lechleitner rät dazu, nicht zu schnell zu trinken. Da Wasser den Magen rasch füllt, sollten übergewichtige Menschen vor dem Essen trinken, Untergewichtige begleitend dazu.
6Wasser und Gastronomie: Das Gesundheitsbewusstsein der Menschen ist gestiegen. „Es fällt zunehmend auf, dass Eltern mit gutem Beispiel vorausgehen und für sich und ihre Kinder auch im Restaurant nur Wasser bestellen“, weiß Monika Lechleitner. Über die Frage, ob Leitungswasser in der Gaststätte kostenlos angeboten werden soll, scheiden sich allerdings die Geister. Gäste sehen es oft nicht ein, für Leitungswasser zu zahlen. Andererseits hat der Wirt auch einen Arbeitsaufwand, denn das Wasser muss serviert und die Gläser und Karaffen gespült werden. Eine gesetzliche Regelung, ob für Wasser bezahlt werden muss, gibt es keine, weiß Thomas Geiger von der Wirtschaftskammer Tirol. „Es ist aber durchaus üblich und eine schöne österreichische Tradition, dass im Rahmen eines Weinservice oder zum Kaffee kostenlos Wasser ausgeschenkt wird.“ Allerdings sind die Wirte dazu nicht verpflichtet. Sollte das Trinkwasser extra verrechnet werden, muss dies auf der Karte angeführt werden.
7Trinkwasser und seine Verwendung: Der durchschnittliche Verbrauch (ohne Einbezug von Gewerbe, Industrie oder Großverbrauchern) liegt in Österreich bei etwa 135 Litern pro Tag und Person. „In Tirol werden 3000 Liter Wasser pro Sekunde für die gesamte Trinkwasserversorgung benötigt“, ergänzt Hubert Steiner vom Land Tirol.
Sämtliche Verwendungen im Haushalt werden in Österreich mit Trinkwasser durchgeführt, heißt es auf der Internetseite des Lebensministeriums. Trinken und Kochen machen dabei nur einen kleinen Teil aus (3 %). Der größte Teil (34 %) wird für Duschen und Baden verwendet, gefolgt von Toilettenspülung (22 %), Wäschewaschen (17 Prozent), persönliche Hygiene (7 %), Geschirrspülen (6 %) und Putzen (5 %).
Infos: www.tirol.gv.at/themen/umwelt/wasser/ www.wasserwerk.at/ www.ikb.at



