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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 21.03.2012

Kellner serviert besten Firn

Die Skitour auf den „Kellner“, wie die Schwazer ihren Hausberg nennen, ist bei den jetzigen Verhältnissen optimal. Der Anstieg erfolgt vom Hochpillberg über die Naunzalm.

Von Kurt Pokos

Hochpillberg – Die Skitourengeher überbieten sich momentan im Schwärmen über ihre Unternehmungen. Ganz gleich wo, überall im ganzen Land waren in den letzten Tagen perfekte Firnverhältnisse anzutreffen, in den Schattenhängen sogar noch Pulverschnee, der dann nahtlos in den Firn überging. Dazu noch die selten so niedrige Lawinenwarnstufe. Diese erlaubt es auch, uns in steileres Tourengelände zu wagen. So ein perfekter Firnhang, der den Innsbruckern beim Blick nach Osten den ganzen Winter über ins Auge sticht, ist der vom Kellerjoch auf den Pillberg herunterziehende Hang über die Naunzalm. Nicht übermäßig steil, schön gewellt, problemloses, traumhaft schönes Skigelände.

Doch wie bei allen Firntouren muss man hier genau die günstigste Abfahrtszeit einhalten und darf sich nicht zu lange Zeit lassen. Früh genug aufbrechen ist die Devise und für die Abfahrt sollte man am besten noch in den Vormittagsstunden in die Bindung steigen. Und – müßig zu sagen – Sinn macht diese Tour nur nach einer klaren Nacht mit kühlen Temperaturen. Harscheisen nicht vergessen.

So kommt man hin: Auffahrt auf den Hochpillberg nach Grafenast entweder direkt von Pill oder von Schwaz (beim Schwimmbad) über den Arzberg. Großer Parkplatz oberhalb der Abzweigung der Straße zum Loassattel (gebührenpflichtig, 2,50 Euro). Man könnte auch noch circa einen Kilometer bis zum direkten Ausgangspunkt beim Riesenhang der Naunzalm weiterfahren. Allerdings gibt es dort nur ganz beschränkte Parkmöglichkeit. Darum empfiehlt es sich auf alle Fälle, das Auto beim großen Parkplatz stehen zu lassen und die 15–20 Minuten bis zum Startpunkt mit eigener Kraft zurückzulegen. Am besten nimmt man den „Weg der Sinne“ (wenige Schritte nach dem Mautautomaten) und steigt in einer kleinen Schneise auf den oberhalb verlaufenden Hoferweg, der in gerader Linie ins Naunzalmgelände führt.

Wo der Hoferweg mit der Fahrstraße zur Loas zusammentrifft, beginnt der riesige Firnhang. Man steigt anfangs im mittelsteilen und schön kupierten Hang gerade empor zu den Hütten des Niederlegers, wendet sich dann allmählich nach rechts zu den von den Lawinen unberührten Hängen.

Wo ein gut ausgeprägter Fahrweg einen Steilhang durchschneidet, folgt man diesem am besten bis zur Kehre, welche das Steilgelände umgeht und wiederum ins etwas flachere Gelände zur noch tief im Schnee steckenden Hütte des Hochlegers führt. Oberhalb, leicht rechts, erblickt man ein paar einzeln stehende Bäumchen, welche nun die Richtung anzeigen. Nach rechts zum obersten Baum, hinter dem man in einer großen Mulde den zur Grathöhe führenden Hang betritt. Auf dem vom Arbeser­ herkommenden Gratrücken zur bereits sichtbaren Kellerjochhütte (im Winter geschlossen). Die verbleibenden 100 Höhenmeter hinauf zur Kapelle am Kreuzjoch, dem nördlichen der beiden Kellerjochgipfel, stapft man am besten zu Fuß.

Für die Abfahrt benützt man entweder die Aufstiegsroute, kann aber auch ab dem Hochleger nach links über traumhaft schönes Gelände hinunterschwingen bis zur Loas-Straße, welche man weiter talein erreicht, muss dann allerdings die Skier für ein Stück schultern und zum Ausgangspunkt zu Fuß zurückmarschieren.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass der Lift von Grafenast auf den Arbeser noch bis Ostern verkehrt. Von der Bergstation zum Arbeserkogel ist es dann nur ein Katzensprung und die Kellerjochhütte ist auch bald erreicht. Allerdings hat man einen längeren Rückmarsch zum Autoparkplatz beim Lift.