Gewaltiger Schatz im Brenner-Archiv
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In seiner Obhut befinden sich über 200 Vor- und Nachlässe: Institutsleiter Johann Holzner. Foto: Daum
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Brenner-Archiv
Der Name geht zurück auf die Kulturzeitschrift Der Brenner, die 1910 von Ludwig von Ficker in Innsbruck gegründet wurde. Die Zeitschrift erschien bis 1954.
Die Gründung fand im Jahre 1964 statt. Grundlage dafür bildete ein Vertrag zwischen der Republik Österreich und Ludwig von Ficker. 1979 wurde das Tiroler Literaturarchiv als Forschungsinstitut der Universität Innsbruck etabliert.
Umfang: 220 Nachlässe, Vorlässe und Sammlungen sowie 30.000 Buchexemplare, 300 Zeitschriften und mehrere tausend Fotos. Bekannte Tiroler, deren Werk sich (in unterschiedlicher Vollständigkeit) im Archiv befindet: Felix Mitterer, Adolf Pichler, Albin Egger-Lienz, Franz Kranewitter.
Von Denise Daum
Innsbruck – Lichtdurchflutete Räume, ein heller Gang mit großformatigen Bildern von Tiroler Künstlern, einladende, verglaste Türen und die Aussicht auf die Nordkette – das Innsbrucker Forschungsinstitut Brenner-Archiv ist der diametrale Gegensatz zu einem dunklen, unzugänglichen Archiv. Im 10. Stock des Gebäudes in der Josef-Hirn-Straße 5 befinden sich über 200 Sammlungen von Schriftstellern, Philosophen und Künstlern. Hüter des Bestandes ist Johann Holzner, der das Institut seit über zehn Jahren leitet.
Zentrale Aufgabe des Forschungsinstituts ist es, den umfangreichen Archivbestand zugänglich zu machen und zu erweitern, um das kulturelle Gedächtnis zu bewahren. Unter den Vorlässen und Nachlässen finden sich klingende Autorennamen wie Felix Mitterer, Georg Trakl oder Otto Grünmandl, dessen Nachlass erst kürzlich in den Besitz des Brenner-Archivs übergegangen ist.
Doch wie gelangt das Archiv an sein Material? „In der Regel sind es die Autorinnen und Autoren selbst bzw. deren Nachkommen, die dem Archiv ihr Werk übergeben“, erklärt Holzner. Die rechtliche Grundlage dafür bilden meist Schenkungsverträge. Es komme jedoch auch vor, dass das Archiv Nachlässe ankauft. So war es auch bei dem Autor Joseph Zoderer, dessen Nachlass vom Land Südtirol erworben wurde. „Der literarische Betrieb ist geprägt von einer intensiven Verbundenheit zwischen Nord- und Südtirol“, erklärt Holzner. Die Zusammenarbeit mit der Kulturabteilung des Landes Südtirol funktioniere sehr gut.
Neben der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Bestände ist es Holzner ein großes Anliegen, auch die nicht-akademische Öffentlichkeit für literaturhistorische Zusammenhänge zu interessieren. Dies gelingt dem Institut vor allem über das Literaturhaus am Inn, das ins Forschungsinstitut eingebunden ist und regelmäßig Lesungen oder Vorträge organisiert. Abgesehen davon ist das Brenner-Archiv für jedermann innerhalb der Öffnungszeiten frei zugänglich. Hauptsächlich sind es freilich Wissenschafter und Studierende, die das Archiv frequentieren. Holzner kann jedoch auch von „Laufkundschaft“ berichten, die nach Schriften von Verwandten sucht oder neugierig die Bestände durchstöbert.
So erzählt er von einer „Delegation aus Nassereith, die in regelmäßigen Abständen das Archiv aufsuchte und merkwürdige Fragen stellte“. Die aktiven Mitglieder der Dorfbühne interessierten sich für den Nachlass des Dramatikers Franz Kranewitter – ein gebürtiger Nassereither. Nachdem sie ein unvollendetes Wörterbuch Kranewitters entdeckten, beschlossen sie, es gemeinsam mit älteren Dorfbewohnern zu vervollständigen. Monatelang wurde im Wirtshaus über Bedeutungen gezankt, lebhaft über Dialektwörter diskutiert. Herausgekommen ist das „Wörterbuch der Nassereither Mundart“, das mit Unterstützung des Brenner-Archivs publiziert wurde. Holzner übernahm die Präsentation des Werkes im Nassereither Festsaal. „Diese Aktion hat sich sehr positiv auf die Dorfgemeinschaft ausgewirkt“, erinnert er sich.
Eines der ersten Projekte, das der Institutsleiter in Angriff nahm und an dem bis heute gearbeitet wird, ist die Digitalisierung der Bestände. Einerseits, um die Texte leichter zugänglich zu machen, und andererseits, um sie in Sicherheit zu wissen, falls es einmal zu einem Brand oder einer anderen Katastrophe kommen sollte. „Passiert ist Gott sei Dank bislang noch nie was“, berichtet Holzner. Fehlalarme hingegen würden auf der Tagesordnung stehen. Das sei vor allem auf die zahlreichen Sicherheitsvorkehrungen zurückzuführen, besonders die Brandschutzbestimmungen sind rigoros: „Wenn in der Mensaküche im ersten Stock die Milch übergeht, schrillt bei uns im zehnten Stock schon der Feueralarm.“
Auf die Frage nach seinem persönlichen Lieblingsautor überlegt Holzner lang, um sich dann auf Friederike Mayröcker und Peter Waterhouse festzulegen. Früher habe er alles gelesen, was ihm in die Hände gekommen ist. Davon ist er mit den Jahren abgekommen, der Markt sei überschwemmt mit schlechten Texten. „Das Leben ist nicht nur zu kurz, um schlechten Wein zu trinken, sondern auch, um schlechte Bücher zu lesen.“






