Der teure Notfall im Urlaub
Helfer für Krankheitsfälle und medizinische Notfälle im Ausland
ÖAMTC: Der Schutzbrief (Jahreskosten z. B. für Pkw-Halter: 38,60 Euro) deckt persönliche Leistungen nach Unfall bzw. Erkrankungen in Europa und den Mittelmeeranrainerstaaten ab: Arzt-, Spitalskosten und verordnete Medikamente bis 75.000 €, Bergekosten bis 10.000 €, Rückholkosten zur Gänze. Der Weltreiseschutz (48,80 €) umfasst Arzt- und Krankenhauskosten bis 224.000 €, Bergekosten bis 10.000 € und die vom ÖAMTC organisierte Rückholung.
Europ. Reiseversicherung: Ein Standardpaket für Europa und die Mittelmeernachbarn kostet z. B. 30 € für 17 Tage, Komplettpakete mit Stornoschutz etwa das Doppelte. Versicherbar sind Reisen weltweit. Standardleistungen: ambulante Kosten und Rückholungen zu 100 Prozent, stationäre Behandlungen bis 500.000 €, Such-/Bergekosten bis 40.000 €, Privathaftpflichtversicherung bis 750.000 €.
Kreditkarten bieten ebenfalls diverse Versicherungsleistungen, Umfang und Bedingungen können aber je nach Unternehmen stark variieren. Deshalb sollte man vorher genau abklären, ob der Schutz für die geplante Reise greift.
Auch gewisse Mitgliedschaften wie z. B. beim Alpenverein inkludieren Versicherungsleistungen (Bergung, Rückholung, Spitalskosten).
Von Elke Ruß
Innsbruck – Ein Linzer erleidet in Mombasa einen Darmdurchbruch, ein Ambulanzjet holt ihn heim – Kosten: 95.000 Euro. So dramatisch muss es gar nicht sein, damit es teuer wird: Eine Griechenland-Urlauberin brauchte nach einem Knöchelbruch eine OP und lag acht Tage im Spital. Das kostete sie 14.553 Euro, die Sozialversicherung übernahm davon 2798 Euro. Eine Zypern-Urlauberin zahlte für die Spitalswoche nach einem Herzinfarkt 20.810 Euro. Sie bekam 1290 Euro zurück.
Ein Grund für die hohen Rechnungen: Unterschiedliche Länderbestimmungen und Umsetzungsprobleme führen dazu, dass die E-Card oft nicht akzeptiert wird, meldeten jüngst der Verein für Konsumenteninformation (VKI) und die Europäische Reiseversicherung. Außerdem gilt sie selbst im EU-Raum nur für staatliche Vertragskrankenhäuser und -ambulanzen. Viele würden z. B. meinen, dass die E-Card in der Türkei gilt, berichtet Christian Wildfeuer, Prokurist der Europäischen Reiseversicherung. „15 Prozent der Österreicher glauben sogar, mit der E-Card weltweit versichert zu sein!“
Selbst im EU-Ausland heißt es oft zahlen: In Frankreich und Italien müssen Österreicher – wie Einheimische – Arztkosten vorfinanzieren. In Griechenland ist zumindest die ambulante Behandlung im öffentlichen Spital bei Vorlage der E-Card gratis. Auch beim Vertragsarzt sollte man nichts zahlen müssen.
Wann immer der Patient zur Kasse gebeten wird: Wichtig sei es für Rückerstattungen, eine detaillierte Rechnung zu verlangen, rät der VKI.
Die Kosten sind meist auch deshalb so hoch, weil Ausländer in der Regel in ein Privatspital gebracht werden, wo die medizinischen Standards und Verständigungsmöglichkeiten besser sind. Von den Kosten – 1000 Euro oder mehr pro Spitalstag – erstatten die Sozialversicherungsträger aber maximal 160 Euro zurück, weiß man bei der Europäischen Reiseversicherung.
Dort empfiehlt man als Ausweg eine eigene Versicherung. Laut Wildfeuer ist man z. B. für Reisen in Europa und den angrenzenden Mittelmeerstaaten bis 17 Tage (ohne Stornoversicherung) mit 30 Euro dabei. Die Angebote reichen bis zu Komplettpaketen weltweit. Sobald der Patient im Spital sei, helfe man über eine Notfallnummer bei Sprachproblemen, gebe eine Kostengarantie, kläre mit den Ärzten vor Ort die nötige Behandlung ab und organisiere allenfalls den Rücktransport, erklärt Wildfeuer.
ÖAMTC-Mitglieder mit einem Schutzbrief sind ganzjährig nicht nur bei Pannen, sondern auch bei medizinischen Notfällen in Europa und den Mittelmeernachbarländern versichert. Kosten für einen Pkw-Besitzer: 38,60 Euro. Für Reisen weiter weg wird der Weltreiseschutz (48,80 Euro/Jahr) angeboten.
Allerdings gibt es auch bei Schutzbrief-Leistungen falsche Vorstellungen: Ein Anruf von der Autobahn in Italien, weil das Kind hoch fiebert und sich ständig übergibt, reicht nicht für eine Rückholung, erklärt Martin Eder, Leiter des Mitglieder- und Reiseservice in Tirol. „Unsere Vertrauensärzte müssen mit dem Spital bzw. Arzt vor Ort die Transportfähigkeit abklären. Wir hatten Leute, die auf Revers aus dem Krankenhaus gegangen sind: Dieses Risiko geht keine Versicherung ein!“, mahnt Eder, dass die Kostenübernahme dann ausfällt.
Auch Kreditkarten inkludieren Versicherungsleistungen – Umfang und Bedingungen differieren aber je nach Anbieter. Selbst wenn die Reise mit der Karte bezahlt wurde, sollte man sich vor Antritt deshalb genau erkundigen, in welchem Umfang – und für wen – ein Schutz gegeben ist.





