Aus Vetternschaft wird Nachbarschaft
Von Vanessa Grill
Mils – Wenn Familienmitglieder eng beisammen wohnen, kann das auf der einen Seite eine Bereicherung für den Alltag sein. Handelt es sich doch um Nachbarn, denen man vertraut, die man auch gerne zum Grillabend einlädt und die man bittet, auf die Kinder aufzupassen. Auf der anderen Seite birgt diese Wohnsituation möglicherweise auch Konfliktpotenzial. Dieses wollten zwei Cousins erst gar nicht aufkommen lassen, nachdem sie von ihren Eltern ein Zweifamilienhaus übernommen hatten. Also entschieden sie sich, das Gebäude aus den 60er-Jahren abreißen zu lassen. Stattdessen planten ihnen Andreas und Elvira Wendlinger ein Doppelhaus, das genügend Privatsphäre und Abstand voneinander garantiert.
Im Neubau findet sich Platz für zwei jeweils 149 Quadratmeter große Wohnungen, die sich über zwei Geschoße erstrecken. „Die beiden Haushälften sind komplett voneinander getrennt. Es gibt keine Verbindung, sondern getrennte Garagen, separate Eingänge. Eine durchgehende Fuge zwischen den Wohnungen vermindert sogar die Schallübertragung in die Wände“, erklärt der Baumeister, der gemeinsam mit seiner Frau das Planungsbüro Wendlinger führt. „Das Doppelhaus wurde so konzipiert, dass die beiden Familien nichts voneinander mitbekommen, wenn sie nicht wollen“, so Wendlinger.
Was den Schutz der Privatsphäre angeht, waren sich die Cousins einig. Bei der Ausführung der beiden Wohnungen zeichnen sich dann aber Unterschiede ab. Auch wenn der klassische Stil ohne viel Schnickschnack von beiden bevorzugt wird, so waren die Anforderungen durch die momentane Lebenssituation doch andere. Auf der Westseite des Hauses lebt die Familie mit zwei Kindern im Alter von eins und drei. „Deshalb wollten wir alle Räume durch Schiebetüren abtrennen können“, erklärt die Bauherrin. Zentrum des Erdgeschoßes ist ein großzügiger Ofen mit Sitznische, um den herum Garderobe, der offene Ess- und Kochbereich und das Wohnzimmer angeordnet sind. Weiß ist die dominierende Farbe. Die Familie entschied sich für einen Eichenholzboden, eine Sichtbetonwand im Essbereich und Steinfliesen in den Badezimmern. Raumhohe Verglasung und Fensterbänder bieten Ausblicke in den Garten und die Terrasse im Westen. Kinder-, Schlaf- und Badezimmer befinden sich im Obergeschoß.
Diese Aufteilung findet sich auch bei Verwandtschaft wieder. Allerdings haben die 16-jährige Tochter und die Eltern in der zweiten Doppelhaushälfte die Nassbereiche direkt im Schlafbereich integriert. Generell ist das Wohnen hier offener. Das gesamte Erdgeschoß besteht aus einem großen Raum, in dem sich Kochen, Essen und Wohnen abspielt. Die Terrasse nach Osten lässt keine Sichtbeziehungen zu den Nachbarn zu. „Aber Kontakt haben wir natürlich trotz dieser Maßnahmen gerne und die Kinder laufen sowieso zwischen den Gärten hin und her“, erklärt einer der Cousins.






