Die Katze auf dem stillen Örtchen
Von Nicole Unger
Innsbruck – Es war der Film „Meine Braut, ihr Vater und ich“, der die eine oder andere Katze nicht nur aus dem, sondern auf das Häuschen brachte. Der Einfall, Katzen mit Hilfsmitteln an die „normale“ Toilette zu gewöhnen, geht nämlich auf diese Hollywoodkomödie zurück. In dem Streifen mit Ben Stiller benutzt der Kater Mr. Jinx die Familientoilette und drückt die Spülung.
Der Film inspirierte im Jahr 2005 ein Ehepaar aus Sydney, ein Set für das Toilettentraining von Katzen zu entwickeln. Mittlerweile tummeln sich im Internet zahlreiche Angebote für Trainingssets, bei denen der Toilettensitz zunächst mit Plastikringen verkleinert wird, um zu verhindern, dass das Tier bei den ersten Versuchen vom Thron fällt. Die Löcher in den Ringen werden mit der Zeit immer größer, bis die Katze die Balance auf dem Toilettensitz halten kann. Katzenbesitzer berichten im Netz von ihren Erfolgen: Sie müssen keine Katzenstreu mehr kaufen und das ständige Säubern des Katzenklos fällt weg.
Seine Katze an das stille Örtchen zu gewöhnen, klingt für den Wiener Verhaltensbiologen Kurt Kotrschal nicht abwegig. „Katzen sind schlau, man kann ihnen vieles antrainieren“, ist er überzeugt.
Wenig Sinn in der gemeinsamen Toilettenbenützung sieht Tierarzt Marcus Egger aus Innsbruck. „Katzen haben ein angeborenes Bedürfnis, ihr kleines und großes Geschäft zu verscharren“, erklärt der Veterinärmediziner. Ohne Katzenstreu fällt das Verbuddeln flach. Es kann auch passieren, dass das Tier stattdessen die Toilettenschüssel oder eine Wand zerkratzt. Außerdem sei eine gemeinsame Toilettenbenützung alles andere als hygienisch. Doch sei es nun der Toilettensitz oder ein Katzenkisterl – manchmal kann auch etwas danebengehen und Katzen wählen andere Orte für ihr Geschäft: Markierungen auf Möbeln, Pflanzen, Schränken oder Teppichen lassen Katzenbesitzer verzweifeln.
Auch Tierarzt Egger wird häufig mit der Frage konfrontiert, wie man seinen Stubentiger stubenrein bekommt. „Katzen sind sehr reinliche Tiere und normalerweise von Haus aus stubenrein. Wird die Katze unsauber, ist dies immer ein Ausdruck, dass ihr irgendetwas nicht passt. Das können kleine Dinge sein, wie ein neues grobkörniges Katzenstreu oder ein Möbelstück, das umgestellt wurde oder auch größere Veränderungen wie ein Umzug, eine zweite Katze oder ein neuer Partner“, schildert Egger. Einige sensible Katzen kommen nur schwer mit Veränderungen ihrer täglichen Routine zurecht. In manchen Fällen könne es sogar zu einer Psychose kommen.
Ein schwieriges Thema, sagt Egger. Ein Kasten lasse sich wieder zurückstellen, einen Partner kann man nicht wegen seiner Katze verlassen. Der Experte rät, zunächst einmal die Raumgestaltung zu verändern, z. B. ein zweites Kisterl mit neuem Katzenstreu aufstellen. Vielleicht liegt es ja am Klo, das nicht passt. Nützt dies nichts, gibt es mittlerweile schon Bachblüten oder Futtersorten für ausgeglichenere Katzen, weiß Egger. Doch Patentrezept gebe es keines. Auch keine speziellen Duftstoffe oder Kräuter, die Katzen davon abhalten, abseits des Katzenklos ihre Toilette zu verrichten. Katzen haben eben ihren eigenen Kopf. Den hatte übrigens auch Filmkater Mr. Jinx. Wie sich herausstellte, beherrschte die Katze den Klotrick nicht, sondern verwendete nur ein Requisit, das wie eine Toilette aussah. Ein mieses Geschäft, sozusagen.



