09.10.2011
Wohnen

Mehr als nur ein Wohlfühlfaktor

Die Kachelofenbranche ist mit modernster Technologie für die Zukunft gerüstet. Österreichweit gibt es rund 450.000 Kachelöfen. Jährlich werden 12.000 Anlagen neu gebaut. Das Design der Öfen ist vielfältig.

Von Ursula Philadelphy

Der Kachelofen als Wohlfühlfaktor in der kalten Jahreszeit oder als Heizung in den paar Wochen des Übergangs im Herbst und im Frühling. So wird er in vielen Häusern und Wohnungen eingeplant. Nicht selten stellt sich dann allerdings heraus, dass er mehr ist als nur Zusatzheizung, denn die Kapazitäten dazu hätte er fraglos. Es bedarf dazu aber auch einer detaillierten und vor allem individuellen Planung.

Laut Österreichischem Kachelofenverband (KOV), der Hafner, zuliefernde Industrie und Großhandel unter einem Dach vereint, „ist der Kachelofen das beliebteste Heizgerät Österreichs“. Kein Wunder, gibt es doch in diesem Land rund 450.000 Kachelöfen, 600 Hafner und allein 130 davon in Tirol. In 14 % der österreichischen Haushalte steht ein Kachelofen und es werden jährlich zirka 12.000 Anlagen neu gebaut. Die Mehrheit wird mit Holzscheiten befeuert, eine zunehmende Alternative sind aber auch Pellets.

Inzwischen gibt es sogar Modelle, die man wechselweise befeuern kann. Der Vorteil eines Kachelofens gegenüber einfachen Kaminöfen oder den auch sehr beliebten Schwedenöfen ist, dass ein Kachelofen die Wärme speichert und sukzessive abgibt, man ihn also nur einmal pro Tag, maximal vielleicht zweimal, bedienen muss, während die anderen Öfen nur dann Wärme abgeben, wenn das Feuer brennt.

Ein Kachelofen kann sogar als Ganzhausheizung eingebaut werden – was sich vor allem für ein Niedrigenergiehaus empfiehlt. In so einem Fall wird der Ofen mit einer elektronischen Steuerung versehen, bei der die Zufuhr von Pellets oder Scheitholz in den Brennraum, aber auch die Luftzufuhr komplett automatisch geregelt wird. Die Wärmequelle ist in so einem Fall auch nicht mehr nur ein einziger Kachelofen in einem zentralen Raum, wie dies früher der Fall war, sondern die gewonnene Wärme wird zum Beispiel über Wandflächenheizkörper im gesamten Haus verteilt.

Das Faszinierende am Kachelofen ist auch, dass es ihn in derartig vielen formalen Varianten gibt. Für jeden Geschmack ist etwas dabei – vom traditionellen Landhausstil bis zu modernen Exemplaren in klaren Formen oder verspielten, aber auch bunten Versionen.

Erich Moser, Tiroler Innungsmeister der Hafner, und Thomas Schiffert, Leiter der Versuchs- und Forschungsanstalt der Hafner, werden sogar zunehmend mit dem durchaus umsetzbaren Wunsch konfrontiert, ein Haus mit einer Kombination aus Kachelofen und einer Solaranlage zur Warmwasseraufbereitung zu bestücken. Auch das ist bereits möglich.

Im vergangenen Frühling verlieh Umweltminister Niki Berlakovich dem Kachelofenverband das Umweltzeichen „UZ 37“ für Holzheizungen. Hafner, die dieses Gütesiegel anbieten, sind verpflichtet, unter anderem die strengen Emissions- und Wirkungsgradvorschriften einzuhalten. „Mit einem Wirkungsgrad von mindestens 80 Prozent und, vor allem im Feinstaubbereich, mit niedrigen Emissionen sind die zertifizierten Kachelöfen sogar schon ihrer Zeit voraus“, hält Thomas Schiffert fest. „Sie entsprechen damit sogar den erst ab 2015 geltenden Grenzwerten.“ Dazu ist es allerdings notwendig, „dass der Ofen optimal verbrennt und vorher genau berechnet wurde.“

Für Erich Moser ist es ganz wichtig, dass sich die Kunden frühzeitig an den Hafner wenden, damit eine wirklich individuelle Planung erfolgen kann. Für ihn ist der „Kachelofen schon längst nicht mehr Luxusgegenstand, sondern ein energieeffizienter Gebrauchsgegenstand“, für den es sogar Förderungen gibt.

Neben den so genannten Grundöfen, wie sie früher üblich waren und die eine langsame Wärmeabgabe über den gesamten Ofen haben, gibt es heute auch Einsatzöfen, bei denen die Luft als Wärmeträger fungiert, wodurch man einen schnelleren Wärmeeffekt erreicht, so Moser.

Um den Kachelofen aber schlussendlich auch korrekt und als wirklich nachhaltige Wärmequelle zu betreiben, genügt es nicht, einen verbrennungsoptimierten Ofen zu haben, der kaum mehr Feinstaub verursacht – man muss ihn auch richtig heizen, sprich nur Pellets oder Scheitholz im richtig gelagerten Zustand – und darf keinesfalls eine private Verbrennungsanlage daraus machen, um sich Mülltrennung und diesbezügliche Wege und Kosten zu ersparen.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 09.10.2011
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