Morgendämmerung für die Japaner
Von Markus Höscheler
Es war ein Trauerspiel, was sich im Herbst 2009 in der japanischen Hauptstadt offenbarte. Die einheimische Motor Show wirkte verlassen von den meisten internationalen Autoherstellern, die im Vorfeld aufgrund der gewaltigen Nachfrageflaute abgesagt hatten. Es war nahezu eine Heimveranstaltung der japanischen Anbieter – und die waren selbst von der Finanz- und Wirtschaftskrise so gebeutelt, dass sie nur wenige Neuheiten in die Messehalle stellten.
In diesem Jahr ist es anders, obwohl erneut das Krisengerede dominiert. Gerade der Fernoststaat hatte Pech ohne Ende, musste Tsunami, Erdbeben und die Fukushima-Reaktorkatastrophe verkraften. Die ohnehin mit Schwierigkeiten kämpfende Volkswirtschaft hat Sorgen mit staatlicher Überschuldung und einem starken Yen, der den Export japanischer Güter und Dienstleistungen erschwert. Besonders betroffen davon ist die Autoindustrie. Doch die scheint die Lehren aus der Tokio Motor Show vor zwei Jahren gezogen zu haben und enthüllt heuer wesentlich mehr Neuheiten. Dem förderlich ist auch die Anwesenheit von Mitbewerbern aus Europa, etwa Volkswagen, Audi und BMW.
Doch trotz deren Auftritts werden sich die Japaner nicht das Zepter aus der Hand nehmen lassen: Honda kündigte bereits im Vorfeld zahlreiche Elektrokonzepte an, darunter beispielsweise das Micro Commuter Concept. Von großem Interesse dürfte aber der Plug-in-Hybrid AC-X sein, der nicht von ungefähr an den schon am Markt befindlichen Insight erinnert und möglicherweise dessen Nachfolger skizziert.
Mazda, derzeit mit den Vorbereitungen für die Markteinführung des großen Hoffnungsträgers CX-5 beschäftigt, beweist wieder einmal sein Talent in Sachen Concept Car. Der modisch gezeichnete Takeri gilt als Vorbote des nächsten Mazda6 – die Mittelklasselimousine dürfte als Stufenheck und als Kombi Ende nächsten Jahres Serienreife erlangen.
Mirage heißt der Kleinwagen, den Mitsubishi ab 3. Dezember in Tokio dem Publikum allgemein zugänglich machen wird. Das Fahrzeug wird in gut einem Jahr bei uns den Colt beerben, die Übernahme der Bezeichnung ist allerdings noch ungewiss. Ein weiteres Concept Car, der PX-MiEV II, ein Hybridmodell, zeigt bereits wesentliche Details des nächsten Outlander.
Wieder einmal einen Pivo, dieses Mal mit der Nummerierung „3“ versehen, enthüllt Nissan. Der futuristische Kleinstwagen hat drei Sitze und setzt auf einen Radnabenantrieb, natürlich auf Elektrobasis.
In Serie geht endlich der FT-86, das Sportcoupé, das Toyota präsentiert. Im Wagen finden sich Frontmotor, Heckantrieb und ein Boxermotor, ausgeliehen von Subaru. Weiters kommen einige Konzeptfahrzeuge in den Genuss des Rampenlichts, darunter das Brennstoffzellenfahrzeug FCV-R.
Suzuki schließlich ließ im Vorfeld wissen, dass vier Welt- und drei Japanpremieren auf die Besucher der Tokio Motor Show 2011 warten, darunter ein neuer Swift mit Reichweitenverlängerer (Range Extender), der Kleinwagen Regina und das comichaft gezeichnete Q-Concept mit einer Gesamtlänge von 2,5 Metern.



