03.12.2011
Autosalon

Japans Austritt aus der Zwickmühle

Von den deutschen Herstellern angegriffen, von den koreanischen Produzenten attackiert: Verzagt sind sie dennoch nicht, die ostasiatischen Autounternehmen, die sich auf der Tokyo Motor Show angriffslustig zeigen.

Von Markus Höscheler

Tokio – Problembeladen sind sie, aber Pessimismus ist ihnen fremd. Japans Autofirmen haben mit einer Reihe von Herausforderungen zu kämpfen, doch sie stecken deswegen nicht zurück. Der starke Yen erschwert die exportorientierte Industrie, Naturkatastrophen brachten die Logistik in die Bredouille. Die heimische Volkswirtschaft schwächelt seit zwei Jahrzehnten, die eigene Modellpolitik ist zum Teil umstritten. Abseits alternativer Antriebe gehören die japanischen Autohersteller derzeit nicht zu den Pionieren in Sachen Automobilbau, da geben die Deutschen den Ton an. Und wenn es um Produktivität geht, macht der koreanische Anbieter Hyundai/Kia zunehmend auf sich aufmerksam.

Die Rahmenbedingungen sind nicht die günstigsten, doch Japans Produzenten sind nach wie vor Global Player – und sie wollen es auch weiterhin sein. Und so ist die Vorstellung der Neuheiten im Rahmen der heurigen Tokyo Motor Show zu verstehen, die im Gegensatz zur Veranstaltung vor zwei Jahren mehr Optimismus ausstrahlt. Mit der geballten Demonstration warnen die Asiaten die Mitbewerber: Schreibt uns nicht vorzeitig ab, rechnet mit uns!

Wir rechnen mit ihnen, denn das Dargereichte in der Hauptstadt im Land der aufgehenden Sonne glänzt, etwa der lang erwartete Sportwagen aus dem Hause Toyota. Die Noch-Nummer-eins der Automobilwelt hat vergangene Automessen dazu verwendet, das Concept Car FT-86 zu zeigen, um das Interesse der Kunden auszuloten. Die Angesprochenen haben offenbar angebissen, denn nun steht der Hecktriebler mit Boxermotor in der Auslage und lenkt ab von Produktionsproblemen. Mit dem GT 86 füllt Toyota endlich wieder die Lücke, die der beliebte Celica hinterlassen hat und ermöglicht der Marke eine emotionale Aufladung, was zuletzt nicht der Fall war. Natürlich bleibt Toyota seiner Kernkompetenz Hybridantrieb treu und bietet mit dem Prius c (auch Aqua genannt) erstmals die Technik in einem Kleinwagen an. Hinzu gesellen sich Fahrzeugstudien mit Elektro- und Brennstoffzellenantrieb, die weit in die Zukunft reichen.

Das ist auch die Zeit, auf die der Pivo 3 von Nissan reicht. Die Kleinwagenstudie verfügt über Radnabenelektromotoren, bietet Platz für drei Insassen an und ist dabei keine drei Meter lang. Damit zeigt er sich – zumindest im laufenden Betrieb – emissionsfrei und überaus geeignet für Fahrten und Parken in Ballungsgebieten. Laut Hersteller kann das Vehikel sogar selbstständig Parkplätze orten und ansteuern, eine Funktion, die bei Nissan unter dem Label „Automated Valet Parking“ zu finden ist. Ebenfalls noch ein Concept ist de Juke Nismo, eine besonders sportlich gezeichnete Variante des beliebten Crossovers.

Ein weiterer Hybridpionier, Honda, nutzt die Tokyo Motor Show erneut, um alternative Antriebe zu forcieren. Der AC-X gilt als Plug-in-Hybridfahrzeug der nächsten Generation mit einem verlockenden Angebot an den Lenker: Er kann wählen zwischen einer sportlichen Fahrweise und einer entspannenden, automatischen Antriebsart. Während der AC-X den Verbrennungsmotor noch mitverwendet, fällt er im Concept Car Micro Commuter komplett aus. Der Cityfloh lässt sich nur mit Strom betreiben – wie auch eine Reihe weiterer Studien mit zwei, drei und vier Rädern. Insbesondere der vorgestellte Roadster verspricht Emotion.

Mit Elektroantrieben kennt sich Mitsubishi aus, immerhin gehört der japanische Hersteller zu den wenigen Anbietern, die mit dem i-MiEV schon ein E-Auto am Markt haben. Hybrid ist dagegen noch Fehlanzeige, was sich aber mit dem nächsten Outlander ändern könnte, der vermutlich 2013 auf den Markt kommen wird. Einen Vorgeschmack gibt die SUV-Studie PX-MiEV II, die Verbrennungs- und Elektromotoren kombiniert. Serienreif dagegen ist der Mirage, der im Kleinwagensegment den Colt beerbt, bei uns wahrscheinlich in gut einem Jahr.

Bis dahin müssen wir auch warten, bis der neue Mazda6 auf den Markt kommt. Wie der aussieht, lässt sich aus dem Konzeptfahrzeug Takeri ableiten, der einen Blickfang auf der Tokyo Motor Show darstellt. Wie der CX-5, ein kompaktes Sports Utility Vehicle, ist die dynamisch gezeichnete Limousine mit Skyactiv-Bausteinen bestückt, das heißt mit sehr sparsamen, gleichwohl leistungsfähigen Vierzylinder-Motoren. Außerdem brüstet sich der Takeri mit verbrauchsfreundlicher Leichtbauweise. Als gesichert gelten beim künftigen Mazda6 Stufenheck und Kombi, fraglich ist noch die Fließheckvariante.

Mindestens eine Nummer kleiner sind die Fahrzeuge, die Suzuki ausstellt: Der Anbieter, derzeit mit Noch-Koalitionär Volkswagen im Clinch, enthüllte den Swift Range Extender, ein E-Auto mit einem kleinen Dreizylinder-Verbrennungsmotor, der im Bedarfsfall Energie bereitstellt. Nur 730 Kilogramm wiegt Regina, ein weiterer Kleinwagen, der laut Suzuki im Durchschnitt nur 3,1 Liter Treibstoff je 100 Kilometer benötigt. Lässt sich dem Regina schon ein alltagstaugliches Design nachsagen, gilt das für das bunt gezeichnete, 2,5 m lange Q-Concept eher nicht. Es besticht dafür mit seiner ungewöhnlichen Wendigkeit und seiner Tandemsitz-Anordnung.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 03.12.2011
Vorteilszone
Partyfotos
Gewinnspiele
Parship
radio.at
Unterkunftssuche
Panoramabilder
Panoramabilder
"HEISZE TASTEN"
Panoramablick
AGB Kontakt Impressum