04.12.2011
Autosalon

Fernost-Phönix putzt seine Flügel

Die japanische Autoindustrie musste in der jüngeren Vergangenheit heftige Rückschläge einstecken, zum Teil selbst verschuldet, zum Teil war es höhere Gewalt. Doch die aktuelle Tokio Motor Show offenbart, dass die Produzenten den Kampf mit den erfolgreichen Wettbewerbern aufnehmen wollen.

Von Markus Höscheler

Aufgeben ist nicht, nicht bei den Japanern. Auch wenn die Rahmenbedingungen alles andere als zuversichtlich stimmen, auch wenn die eigenen Strategien nicht die aussichtsreichsten sind – sie bleiben dran und stecken nicht zurück. Exemplarisch dafür steht die Automobilindustrie Nippons. Seit zwei Jahrzehnten lahmt die heimische Volkswirtschaft, seit einiger Zeit belastet der starke Yen die exportorientierte Industrie. Heuer setz(t)en Natur- und technische Katastrophen den Produzenten heftig zu. Erdbeben, Tsunami und Reaktorunfall vermiesten die Fertigungsbilanz, zuletzt sorgten Überschwemmungen in Thailand, wo japanische Hersteller Produktionsniederlassungen haben, für dramatische Verzögerungen. Und nicht zu vergessen: Die Modellpolitik war zuletzt weitgehend mutlos, ausgerechnet Branchenprimus Toyota musste millionenfache Rückrufe durchführen, wenngleich der amerikanische Hauptvorwurf – von selbst beschleunigende, Tod bringende Fahrzeuge in den USA – sich als ausgesprochen haltlos erwies.

Die Chance in der Krise, das ist das, was die Japaner kennen, das ist das, was sie auch nach dem Zweiten Weltkrieg lernten. Das in Trümmern befindliche Land bauten sie mit so immenser Energie auf, dass sie den Westen Respekt lehrten. Und die Autobranche ist aktuell ein Exerzierfeld: Toyota, Nissan, Honda, Mitsubishi, Mazda und Suzuki zeigen auf der Tokio Motor Show vielversprechende Neuheiten – die Tiroler Tageszeitung berichtete online und im Motorteil der Samstagsausgabe –, die endlich wieder in der Lage sind, frischen Wind in die teilweise verstaubten Modellreihen zu bringen.

Dass das bitter nötig ist, zeigt allein die Marktentwicklung in Österreich. 2007 erzielten die japanischen Hersteller noch einen Marktanteil von 17,4 Prozent, lagen damit vor den französischen Anbietern (13,7 Prozent) und deutlich vor den koreanischen Konkurrenten (4,6 Prozent). Vier Jahre später sieht es wesentlich anders aus: In den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres kommen die Japaner auf nur noch 11,6 Prozent, die Franzosen bleiben stabil, die Koreaner sind auf 8,3 Prozent angewachsen. Die Zahlen Österreichs und Westeuropas signalisieren den japanischen Firmen eine Warnung: Die Produktion trifft nicht mehr die Nachfrage.

Doch dass sie lernfähig sind, haben die Ostasiaten immer wieder bewiesen – und sie belegen es in der japanischen Hauptstadt erneut: Toyota kehrt zurück zur sportlichen Historie und bringt im nächsten Frühjahr mit dem GT 86 ein leistbares Sportcoupé auf den Markt – mit Heckantrieb und einem 200 PS starken Zweiliter-Vierzylinder-Boxermotor, entlehnt von Subaru. Honda verweist mit dem Elektro-Roadster ebenso auf dynamische Ambitionen, wenngleich es sich hier noch um ein Concept Car handelt. Seriennäheres dürfen wir im kommenden Jahr erwarten.

An dynamischen Linien lässt es auch Mazda nicht fehlen, zu sehen beim coupéhaften Showcar Takeri, dem Vorläufer des nächsten Mazda6. Und Nissan verfolgt mit Nismo-Konzepten ebenso eine athletischere Ausrichtung.

Dass die Japaner dabei auf ein gepflegtes Steckenpferd der vergangenen Jahre – alternative Antriebe, allen voran Hybridtechnik – nicht vergessen, ist in Tokio ebenfalls zu spüren. Zwei Beispiele: Suzuki spielt mit dem Gedanken, den Kleinwagen Swift mit einem Elektroantrieb zu versehen (inklusive Verbrennungsmotor als Range Extender), Mitsubishi zeigt eine Outlander-Studie (PX-MiEV) mit Plug-in-Hybridantrieb.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 04.12.2011
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