03.12.2011
Auto Test

Großkatze für weite Sprünge

Auch Jaguar ist sich nicht zu fein für Downsizing. So schnurrt der XF nun auch mit einem Vierzylinder-Diesel unter der Haube. Die Katze mit den 190 Pferden ist damit der Traum jedes Langstreckenfahrers.
Infobox

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Diesel

Hubraum: 2179 ccm

Drehmoment: 450 Nm bei 2000 U/min

Leistung: 140 kW/190 PS

L/B/H: 4961/1877/1460 mm

Gewicht: 1745/2320 kg

Kofferraumvolumen: 500 l

Tankinhalt: 69,5 l

Höchstgeschwindigkeit: 225 km/h

0–100 km/h: 8,5 Sekunden

Verbrauch: 8,2 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Heckantrieb

Preis: 47.900 Euro

CO2-Emission: 149 g/km

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – In Zeiten des Umbruchs gibt es anscheinend keine Tabus mehr. Oder vielleicht war früher eben doch nicht alles besser.

Der Aufschrei war jedenfalls groß, als Luxusanbieter wie Porsche oder Jaguar vor nicht allzu langer Zeit auch „ordinäre“ Diesel unter die noblen Hauben verpflanzen wollten. Heute sind aber gerade diese Diesel die Renner im Programm und vereinen auf einzigartige Weise bullige Kraftentfaltung mit überraschend niedrigen Verbräuchen. Was sich im Acht- und Sechszylinderbereich mittlerweile etabliert hat, wird nun noch einmal heruntergebrochen. Schließlich kann in eher turbulenten Zeiten etwas Sparsamkeit nicht schaden. Nicht jeder will sich deshalb jedoch mit Mittelklasse zufrieden geben. Und so folgt Jaguar deutschen Premium-Konkurrenten und bietet seine soeben zart überarbeitete Fünf-Meter-Limousine XF auch mit einem Vierzylinder-Diesel an.

Schon die Eckdaten klingen dabei nicht gerade nach technischer Diätkur: So wuchtet das Aggregat bei 2000 Umdrehungen gewaltige 450 Newtonmeter auf die Kurbelwelle. 190 PS sorgen trotz 1745 Kilogramm Leergewicht für eine Beschleunigung von 8,5 Sekunden auf 100 km/h und 225 km/h Endgeschwindigkeit­.

Verwaltet wird das Kraftpaket­ durch die bekannt souverän agierende ZF-Achtgang-Automatik aus anderen Jaguar -Modellen. Erst in Fahrt, gleitet der Vierzylinder-XF ähnlich damit dahin, als wäre das kürzlich eingestellte Sechszylinder-Aggregat mit 211 PS unter seiner Haube. Auf der Autobahn verschwindet der Unterschied dann ins Unkenntliche – auch was den Klang betrifft. Anders in der Stadt, wo der Vierzylinder erst ein wenig durchschnaufen muss, bis die Katze zum Sprung ansetzt. Auch klingt der Motor beispielsweise in Parkgaragen oder im Stau eben nach Vierzylinder – egal, ob man in einem Jaguar oder in einem Mittelklassemodell sitzt. 8,2 Liter Verbrauch im TT-Schnitt und Langstreckenverbräuche unter sieben Liter dürften über profane Klänge aber schnell hinwegtrösten. Räkelt man sich doch in einem Vollblut-Jaguar, der sich dank direkter Lenkung und feinem Fahrwerk fantastisch fährt.

Innen eröffnet sich dann ohnehin die ganze Pracht des Briten, der mit seinem feinen Ambiente so manchen deutschen Konkurrenten in den Schatten stellt. Auf das Lederpaket und Rosenholz für nochmals insgesamt 3500 Euro darf man jedoch nicht verzichten. Ein Jaguar ohne feines Leder wäre ja wie edler Wein im Limonadenglas.

Ansonsten bietet die schöne­ Katze schon serienmäßig Wellness in Reinkultur.

Bekömmliches Fasten dafür beim Preis: 47.900 Euro.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 03.12.2011
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