Daimlers Maßanzug bleibt Vorbild
Die Technik
Motor: V6-Turbodiesel
Hubraum: 2987 ccm
Drehmoment: 620 Nm bei 1600 U/min
Leistung: 195 kW/265 PS
L/B/H: 4940/1881/1416 mm
Gewicht: 1815/2300 kg
Kofferraumvolumen: 520 l
Tankinhalt: 80 l
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
0 – 100 km/h: 6,2 Sekunden
Verbrauch (Test): 7,7 l/100 Kilometer
Kraftübertragung: Hinterradantrieb
Preis: ab 69.900 Euro
CO2-Emission (Norm): 159 g/km
Von Markus Höscheler
Innsbruck – Die Sache mit dem Schnitt ist im Augenblick eine Spezialität der Stuttgarter. Dort, wo der Daimler-Konzern seinen Sitz hat, greift die Designabteilung mit Vorliebe zur Schere und schnippelt vor allem im hinteren Fahrzeugbereich etwas weg. Und das mit Fortune. Der S-Klasse-Ableger CL ist ein luxuriöser Blickfang, das E-Klasse-Coupé umgarnt Feingeister und das noch sehr junge Coupé der C-Klasse begeisterte auf Anhieb. Ihre Gemeinsamkeit ist die Beschränkung auf zwei Türen. Da spielt jedoch der CLS nicht mit, er lässt sich auf keine Beschränkung ein, sondern auf eine Besonderheit: Fondtüren, coupé-untypisch, erleichtern den Zugang zu Reihe zwei.
Genau damit hat sich der CLS einen Ruf erworben – als erstes Trendsetter-Coupé mit vier Türen. Der Mitbewerb ist zum Teil schon aufgesprungen, doch fehlt ihm das, was Mercedes bereits vollbracht hat: die zweite Generation nachzureichen. Die wirkt noch reifer und muskulöser als der Vorgänger, erkennbar an den stark ausgestellten Radhäusern, den ansehnlichen Frontleuchten und den Karosserielinien. Geblieben ist der charakteristische Dachschwung, der dem CLS die edle Spannung verleiht, die ihn so begehrenswert macht.
Wobei das nicht nur am Äußeren liegt. Unter der Motorhaube finden wir einen 265 PS starken Dreiliter-V6-Turbodiesel, in puncto Akustik gezähmt, in Bezug auf die Längsbeschleunigung entfesselt. In 6,2 Sekunden stürmt der 4,94 m lange Wagen vom Stand auf Tempo 100 km/h, erst bei 250 km/h ist (empfohlen lediglich auf einigen deutschen Autobahnen) Schluss, dank eines elektronischen Regeleingriffs. Doch bis dahin entpuppt sich das Triebwerk als früh antrittsfreudig – das Nenndrehmoment von 620 Newtonmetern liegt bereits bei 1600 Umdrehungen/Minute an – und als ausdauernd. Zackig sortiert die Siebenstufenautomatik (7G-Tronic) die Gänge, im Sportmodus bei Berg- und Talfahrten mitunter etwas zu zackig.
Zufrieden gaben wir uns angesichts der Fahrleistungen mit dem Durchschnittsverbrauch von 7,7 Litern/100 km, der sich mit etwas mehr Zurückhaltung um einige Zehntelliter drücken ließe, ohne Einbußen bei souveränen Überholmanövern und zügigem Vorankommen auf Geraden in Kauf nehmen zu müssen.
Apropos Kauf: Fast 70.000 Euro sind für den CLS mit V6-Turbodiesel mindestens fällig – und natürlich gibt es zahlreiche Optionen, die den flotten Coupé-Liner Richtung 100.000 Euro manövrieren. Wir erwähnen in diesem Zusammenhang etwa den sicheren Abstandsregeltempomaten Distronic Plus, der uns nicht im Stich ließ, und die komfortable Linguatronic, die uns das Eingeben von Navigationsbefehlen mit Sprachbefehlen ermöglicht. Die funktionierte tadellos und trug ebenso das Ihrige zum Wohlgefühl im mit einem ordentlichen Fahrwerk und einer präzisen Lenkung versehenen CLS bei.
War der Testwagen noch mit einem bloßen Heckantrieb versehen, so können winterorientierte Fahrer aufhorchen. Den V6-Turbodiesel offeriert Mercedes neuerdings auch mit dem Allradsystem 4matic, und zwar ab 73.850 Euro. Etwas günstiger geht es gleichwohl für jene, die auf zwei Töpfe verzichten können: Der CLS 250 CDI ist ab 64.300 Euro bereit, in die Garage des Käufers zu fahren, bestückt mit einem 2,1-Vierzylinder-Ölbrenner, der durchaus Beachtliches zu leisten vermag: 204 PS, 500 Newtonmeter maximales Drehmoment und ab 5,1 l/100 km Normverbrauch. Auch hier machen die Stuttgarter einen bemerkenswerten Schnitt.



