07.01.2012
Auto Test

Lord Discovery reitet im Galopp

Nach gründlicher Überarbeitung fährt sich der Land Rover Discovery wie ein völlig neues Modell. Im Test der neue 256-PS-Sechszylinder-Diesel mit Achtgangautomatik. Er macht dem noblen Gelände-Briten Beine.
Infobox

Die Technik

Motor: Sechszylinder-Diesel

Hubraum: 2993 ccm

Drehmoment: 600 Nm bei 2000 U/min

Leistung: 188 kW/256 PS

L/B/H: 4829/2176/1887 mm

Gewicht: 2583/3240 kg

Kofferraumvolumen: 1260–2558 l

Tankinhalt: 82,3 l

Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h

0 – 100 km/h: 9,3 Sekunden

Verbrauch: 10,8 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: (SDV6 HSE) 73.910 Euro

CO2-Emission: 230 g/km

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Der Land Rover Discovery zählt zu den allerletzten wirklich ernst zu nehmenden Geländewagen. Mit bis zu 31 Zentimetern Bodenfreiheit, 70 Zentimetern Watttiefe und einem vorderen Böschungswinkel von 36,2 Prozent gibt es für diesen Briten eigentlich kein Halten mehr. Zur weiteren Robustheit der Discovery trägt bei, dass die Karosserie mit einem separaten Rahmen verbunden ist.

Eine Luftfederung sorgt zusätzlich für Höhen-, Niveau- und Wankausgleich, das von Land Rover patentierte elektronische „Terrain Response System“ für eine jeweils optimale Abstimmung auf die jeweilige Befindlichkeit des Untergrunds. So lassen sich Allradantrieb und Motorsteuerung auf Straße, Gras, Schotter, Schnee, Sand, Schlamm, Spurrillen sowie Felsen einstellen. So empfiehlt sich dieser Land Rover gleichsam für einen Ausflug in die Mongolei wie auch in die Lieblingsschottergrube.

Da der aktuelle Discovery mit fast 1,9 Metern Höhe und über 4,8 Metern Länge bei Bedarf jedoch ein überaus geräumiger Siebensitzer ist, sieht man diesen Briten auch gerne in der Hand von Familienvätern höheren Standes und anstandslosen Einkommensverhältnissen.

In der Tat bietet der Discovery eine Raumfülle, die nur noch als opulent bezeichnet werden kann. Einen Einstieg mit Zylinder stünde nichts im Wege, auch Passagiere in der dritten Reihe sitzen würdevoll.

Dies alles konnte der Discovery freilich auch schon bisher. Seine neueste technische Überarbeitung im Bereich der Motor- und Getriebeeinheit hat das Wesen des noblen Briten nun aber nachhaltig verändert. So war der etwas zu schwache Antrieb (190 PS) die bisherige Achillesferse des Modells. Dies hat sich mit den neuen Sechszylinderdieseln (211 und 256 PS) nun aber grundlegend geändert. In Zusammenspiel mit der ZF-Achtgangautomatik verströmt der Antrieb nun jene Souveränität, die zu einem herrschaftlichen Hochsitz passt.

Mehr noch: Der TT-Testwagen mit 256 PS fühlte sich in jeder Situation an wie ein kräftiger Hengst. Die fulminante Automatik schaltet dabei jeweils gekonnt auf und ab und bläst bei Gasorder dank 600 Newtonmeter 2583 Leergewicht zum Galopp. Eine optimierte Motorabstimmung sorgt jedoch gleichzeitig dafür, dass der Wagen mit niedrigsten Drehzahlen über die Autobahn rollt.

Die im Prinzip von der Konzernschwester Jaguar bekannte Antriebseinheit agiert im Discovery nicht nur nahezu perfekt, sondern katapultiert ihn auch ganz nahe in Richtung Range Rover. Zur souveränen Fortbewegung, die dank Luftfederung auch höheren Komfortansprüchen genügt, kommt nämlich eine Verarbeitung und Materialqualität, die in britischen Fahrzeugen lange nicht selbstverständlich war. Weniger die Harman-Kardon-825-Watt-Hi-Fi-Anlage als der stilvolle Mix aus metallischen Elementen und der schwarzen Robust-Lederausstattung begeisterten.

So zeigt Land Rover mit dem Discovery, wie wichtig für ein Modell nachhaltige Modellpflege ist. Auf dem jetzigen Niveau präsentiert sich das Fahrzeug als Charakterstück mit höchstem technischen Anspruch. 53.500 Euro beträgt die Einstiegsgebühr.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 07.01.2012
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