14.01.2012
Auto Test

Keckes Heck und genug Zug am Bug

Auftakt nach Übermaß: Der Range Rover Evoque wartet als Coupé mit einer gelungenen Fülle von technischen und formensprachlichen Überraschungen auf – und generiert am Schluss einen unerwarteten Schockmoment.
Infobox

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Turbodiesel

Hubraum: 2179 ccm

Drehmoment: 420 Nm bei 1750 U/min

Leistung: 140 kW/190 PS

L/B/H: 4355/1965/1605 mm

Gewicht: 1905/2350 kg

Kofferraumvolumen: 550–1350 l

Tankinhalt: 60 l

Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h

0–100 km/h: 8,5 Sekunden

Verbrauch: 8,9 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: 68.235 Euro

CO2-Emission: 169 g/km

Von Markus Höscheler

Innsbruck – Einen Hermann Hesse zu korrigieren, hat etwas Ungeheuerliches an sich. Seinem Gedichts­partikel „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ lässt sich hinzufügen: nicht nur jedem Anfang. Das belegt der Range Rover Evoque. Zwar verfügt das kompakte Sports Utility Vehicle­ über keinerlei Zauberkräfte, dafür aber über eine magische Anziehung. Zu verdanken ist dies dem kompromisslos arbeitendem Design­team.

Wuchtig baut sich die Front auf, für ein Fahrzeug von Land Rover ein typisches Merkmal. Angriffslustig verjüngen sich die Frontleuchten seitlich nach hinten, um die ohnehin deutlich ausgestellten Radhäuser noch einmal extra zu betonen. Den kantigen Auftritt unterstützen die mehrfach gefaltete Motorhaube, das gerade, hinten nach unten neigende Dach, das die Fond-Fenster der Coupé-Variante zu schmalen Ausgucklöchern macht.

Im Zusammenhang mit dem schrägen und schlanken Heckfenster wird klar: Der Evoque-Entwurf ist pfiffig, doch für einen Rundumblick unpraktisch. Der Lenker, der nach hinten blickt, hat das Nachsehen. Er braucht Hilfe – und die hat der Testwagen dank der Dynamic-Ausstattungslinie und einigen Optionen an Bord, gleich mehrfach. Etwa in Form einer Rückfahrkamera, Teil des 4176-Euro-Dynamic-Technikpakets, in Form des Rundum-Kamerasystems (1088 Euro) und in Form eines Einparkassistenten um 753 Euro.

Somit lässt sich jedes Park­abenteuer bequem meistern, ebenso Ausflüge ins Gelände. Denn dafür ist der Allradler bestens gewappnet, da er wie andere Land-Rover-Fahrzeuge auf das Terrain-Response-System zurückgreift. Dieses hält vier Programme parat, die die 4WD-Technik elektronisch ans jeweilige Gelände, etwa Schnee oder Schotter, anpasst.

Terrain Response ist einfach zu bedienen über eine Schaltereinheit am Mitteltunnel, in direkter Nachbarschaft finden wir einen versenkbaren Drehknopf, der die Sechsstufenautomatik repräsentiert. Sie lässt sich bei Bedarf auf eine sportlichere Gangart trimmen, kann aber ein leicht verzögertes Ansprechen von Gasbefehlen nicht ganz kaschieren. Was aber nicht wirklich ins Gewicht fällt, denn der 190 PS starke 2,2-Liter-Turbodiesel (Testverbrauch­: 8,9 l/100 km) legt sich mit 420 Newtonmetern Drehmomentmaximum frühzeitig und ausdauernd ins Zeug. Das Fahrwerk empfinden wir als ausreichend komfortabel und sehr berechenbar, die Lenkung als leichtgängig.

Ein besonderer Überraschungseffekt gelang dem Hersteller mit der Verbindung von Lifestyle-Design und Nutzwert. Trotz seiner extremen Formensprache haben die beiden hinteren Insassen keinen Grund, sich über Platzmangel zu beschweren. Auch der Laderaum empfiehlt sich mit 550 Litern Volumen. Für einen bekömmlichen Aufenthalt sorgen die Panorama-Glasscheibe (714 Euro) und die in Oxford-Leder ausgeschlagenen Sportledersitze, Teil des Dynamic-Plus-Technikpakets (4947 Euro). Allrad, Automatik, Dynamic-Linie und Sonderausstattung bergen allerdings die Gefahr eines Schocks. 68.235 Euro verlangt der Händler für das Testauto. Doch das Evoque-Verzaubern startet schon früher, mit weniger PS, ohne 4WD, ohne Auto­matik, aber mit zwei Türen mehr: ab 35.000 Euro.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 14.01.2012
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