21.01.2012
Auto Test

Auf noble Art wintertauglich

Der Schnitt ist sauber, der Antritt bombastisch, der Fortschritt gewaltig: Der BMW 650i xDrive erfüllt ästhetische und athletische Wünsche, vorausgesetzt, die Bank spielt mit.
Infobox

Die Technik

Motor: Achtzylinder-Turbobenziner

Hubraum: 4395 ccm

Drehmoment: 600 Nm bei 1750 U/min

Leistung: 300 kW/407 PS

L/B/H: 4894/1894/1369 mm

Gewicht: 1845/2350 kg

Kofferraumvolumen: 460 l

Tankinhalt: 70 l

Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h

0–100 km/h: 4,8 Sekunden

Verbrauch: 12,9 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: 155.691 Euro

CO2-Emission: 263 g/km

Von Markus Höscheler

Innsbruck – So ein Auto nicht zu mögen, fällt schwer, ist praktisch unmöglich: Schon die Designer vereiteln solche Ansätze, denn sie haben bei der dritten Generation des 6er-Coupés noch einmal nachgelegt. War schon der Vorgänger eine Augenweide – vom umstrittenen Heck abgesehen –, gilt das mit mehr Fug und Recht für den Nachfolger. Die Linienführung ist ansprechend, insbesondere der gelungene Dachschwung hat es uns angetan. Für stimmige Proportionen ist außerdem die lang gezogene, mehrfach konturierte Motorhaube verantwortlich. Der Kofferraumabschluss löst keine Diskussionen mehr aus und die Klarheit der Seitenlinie darf als BMW-typisch angesehen werden.

Es gibt im Übrigen viel Typisches, was BMW im neuen 6er-Coupé kombiniert hat: Als erstes Beispiel nennen wir den 4,4-Liter-V8-Motorblock, ein Aggregat mit zwei Turboladern, das 407 PS und 600 Newtonmeter Drehmomentmaximum anbietet. Es macht aus dem Edelcoupé einen stürmischen Sprinter, der mühelos seine Spur hält, selbst bei ungünstigen Fahrbedingungen. Das liegt am zweiten Beispiel: dem xDrive-Allradantrieb. Der ist zwar wirklich BMW-typisch, aber nicht in dieser Baureihe, denn der noble Zweitürer kam bisher ohne angetriebene Vorderräder aus. Mit der xDrive-Hereinnahme mausert sich der 650i allerdings zum Alpenkönig – Schnee und Eis pariert der Wagen gekonnt.

Angesichts des Eigengewichts von 1,8 Tonnen und der Fahrleistungen erschreckt uns der Testverbrauch von 12,9 Litern je 100 Kilometer nicht – zumal unsere Sinne ihre Aufmerksamkeit anderen Details des 6er-Coupés widmen: etwa der blitzschnell agierenden, zielsicher und komfortabel schaltenden Achtgangautomatik; oder der präzisen, direkten Lenkung – oder auch dem berechenbaren Verhalten des ausgesprochen gut austarierten Fahrwerks (Wankausgleich: Adaptive Drive).

Ein Luxuscoupé bedarf für das Wohlbehagen vieler Fahrerassistenzsysteme, die in Form von Sonderausstattung Eingang in den Testwagen finden: so die Sicherheit fördernde Spurverlassenswarnung (455 Euro netto) und die Spurwechselwarnung (545 Euro). Die aktive Geschwindigkeitsregelung (1690 Euro) und das Surround-View-Kamerasystem (610 Euro) gehören ebenso zu den Annehmlichkeiten wie das farbige Head-up-Display (1215 Euro). Dankbar sind wir für die Parksensoren (PDC) im Rahmen des Österreich-Pakets (3200 Euro), die die Unübersichtlichkeit des Coupés kaschieren – sie können aber nicht den Testwagenpreis von 155.691 Euro verbergen. Wobei: Ein heckgetriebenes 6er-Coupé gibt es günstiger, ab 82.950 Euro für den 640i mit 320 PS.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 21.01.2012
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