„Seat fehlt ganz sicher ein SUV“
Steckbrief
Geboren wurde Wolfgang Wurm 1960 in Gmunden am Traunsee in Oberösterreich. Er besuchte die HTL Chemie in Wels, anschließend studierte er Soziologie, Betriebswirtschaft und Psychologie an den Universitäten in Linz und Salzburg.
Für die Porsche Holding war Wurm erstmals 1989 im Einsatz, anschließend war er an verschiedenen Positionen im Unternehmen tätig, seit Ende 2007 ist er Allmobil-Geschäftsführer.
In Österreich schneidet das Volkswagen-Tochterunternehmen Seat beim Marktanteil deutlich besser ab als im Europa-Durchschnitt – was hat es damit auf sich?
Wolfgang Wurm: Es gibt zwei Komponenten: Wir haben zum einen eine sehr gut aufgestellte Vertriebsorganisation, zum anderen eine sehr attraktive Modellpalette.
Das haben manche Ihrer Konkurrenten auch ...
Wurm: ... als ich 2008 Geschäftsführer von Allmobil, dem Generalimporteur von Seat in Österreich, geworden bin, habe ich einige Forderungen gestellt. Darunter befand sich die Auflösung des Missverhältnisses unserer Ausgaben – wenn zehn Euro in Incentives, also Kaufanreize, flossen, dann gaben wir nur einen Euro für die Kommunikation aus. Das haben wir geändert, um besser auf uns und vor allem auf unsere Modelle aufmerksam zu machen. Und die beteiligten Händler haben hier mitgemacht, nichts wurde über ihre Köpfe hinweg entschieden.
Was macht die Seat-Modellreihen attraktiv? Ist es der Preis, liegt es am Design oder ist die Qualität dafür verantwortlich?
Wurm: Eines ist klar: Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist besser geworden. Hier hat uns das Werk in Martorell/Spanien unterstützt, einerseits mit guten Modellen, andererseits mit einer ansehnlichen Preisgestaltung. In Spanien haben sie erkannt, dass wir zwar weniger Deckungsbeitrag pro verkauftem Fahrzeug, dafür aber insgesamt mehr Volumen erzielen. Das gleicht sich mehr als aus. Und das, so finde ich, unterscheidet uns von anderen Märkten in Europa.
Kommt Ihnen auch die Gesamtmarktentwicklung Österreichs entgegen, die sich vom westeuropäischen Trend seit einiger Zeit abhebt?
Wurm: Auch das ist offensichtlich. Nehmen wir Spanien her, den Heimatmarkt von Seat. Dort haben die Leute aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation kein Geld. Und wer kein Geld hat, kauft logischerweise kein Auto. Umso verständlicher ist es, wenn dort der Automarkt eingebrochen ist.
Der Höhenflug dürfte aber auch in Österreich zu Ende sein. Mit welcher Entwicklung rechnen Sie für das heurige Jahr?
Wurm: Wenn ich ehrlich bin, dann gehe ich auch von einem Rückgang aus, der aber moderat ausfallen dürfte. Den Österreichern geht es nicht so schlecht.
Geht es ihnen gut genug, um sich vom Seat-Modell-angebot angezogen zu fühlen?
Wurm: Heuer stehen zahlreiche Neuheiten am Programm, die sehr interessant sind. Soeben haben wir den geschätzten Bestseller Ibiza überarbeitet. In Kürze startet der Kleinstwagen Mii in zwei Karosserievarianten (drei- und fünftürig), sozusagen als Nachfolger des früher produzierten Arosa. Im Herbst kommt der neue León, und dann folgt noch der Toledo, eine Stufenhecklimousine in der Mittelklasse.
Das Toledo Concept, das auf dem Genfer Autosalon zu sehen war, sieht nach solider Hausmannskost aus, aber nicht mehr. Ist er zu langweilig geraten?
Wurm: Es gibt Märkte, wo sich Stufenhecklimousinen sehr gut verkaufen und von Hausmannskost ist der Toledo weit entfernt. Der Toledo bietet zudem sehr großzügige Platzverhältnisse für Insassen und das Gepäck, außerdem eine große Heckklappe. Funktional ist der neue Toledo stimmig, im Gegensatz zum letzten Toledo, der zu avantgardistisch war und die Käufer polarisiert hat.
Setzt der Toledo, der Anfang 2013 am Markt startet, dem größeren Exeo zu?
Wurm: Sicher wird die Exeo-Limousine unter Druck geraten, nicht aber die Kombivariante ST. Vom Preis her bleibt der Exeo weiterhin interessant, wenn bedacht wird, welche Qualität das Auto bietet.
Schlägt sich der Kompaktwagen León derzeit unter Wert?
Wurm: Nein, wir haben im vergangenen Jahr 2900 Exemplare verkauft. Er ist das einzige Auto in seiner Klasse, das aussieht wie ein Coupé, aber keines ist. Und der Nachfolger wird so ausschauen, dass die León-Gene sofort erkannt werden. Übrigens: Weitere León-Karosserievarianten sind angedacht.
Was fehlt Ihnen an Modellreihen im Seat-Programm?
Wurm: Das ist sicher ein Sports Utility Vehicle (SUV), denn es zeichnet sich schon länger bei den Kunden Folgendes ab: Wer einmal hoch oben gesessen ist, der kauft sich kein Auto mehr mit einer niedrigeren Sitzposition. Insofern ist die Einführung eines SUV schon angedacht.
Das allerdings schon länger, denn das entsprechende Concept, der Tribu, ist schon ein paar Jahre alt. Warum verzögert sich die Umsetzung?
Wurm: Die Prioritäten in der jüngeren Vergangenheit waren eben andere, aber nun folgt eine Neuheit nach der anderen. Ein Cabrio wäre natürlich auch wünschenswert, aber wichtiger ist erst einmal, das wir unser Werk in Martorell auslasten.
Wie sieht es mit der Händlerdichte aus?
Wurm: Mit 70 Händlern sind wir gut abgedeckt, es gibt ein paar kleine weiße Flecken, in Tirol etwa im Nordwesten. Aber daran arbeite ich schon intensiv.
Das Interview führte Markus Höscheler





