Der Partyschreck kehrt zurück
Von Markus Höscheler
Marbella – Verstört hat er schon mit seinem Erstauftritt vor fünf Jahren. Genehmes Design, passables Interieur, attraktiver Preis – mit diesen Attributen eroberte der Kia Cee‘d in Europa wertvolle Marktanteile. Bis jetzt verkauften sich die drei Karosserievarianten – Fünftürer, Dreitürer und Kombi – 633.000 Mal. Die Zahl lässt die Augenbrauen anheben, zumal sich im Kompaktwagensegment 39 Konkurrenzmarken bekämpfen, wie Kia-Europa-Marketingleiter Benny Oeyen bemerkt.
Der Kampf wird härter: Wenn der Cee‘d der zweiten Generation im Mai auf den Markt kommt, dann wissen die Marktbegleiter, dass er die Party wieder kräftig aufmischt. Zunächst schickt Kia den Fünftürer in den Ring, gewachsen um fünf Zentimeter in der Länge, erwachsen in der Formensprache. Erneut drückt Chefdesigner Peter Schreyer seinen Stil einem Kia-Produkt aufs Blech. Er formt einen eleganten Kühlergrill, montiert dynamisch geschwungene Frontleuchten mit optionalen LED-Tagfahrleuchten an die Flanken, bringt zweigeteilte, horizontal angeordnete Rücklichter am Heck an und versieht die Seitenansicht mit einer stark ansteigenden Gürtellinie. Als ob das nicht genug wäre, zaubert Schreyer eine Chromumrandung an den Fensterrand, als blase das koreanische Unternehmen zum Angriff auf das Premiumsegment.
Der Cee‘d ist aus wertigen Materialien geschnitzt, wie der Blick in den Innenraum bestätigt. Sorgfältig ausgewählte, grifffreundliche Stoffe zeigen sich hier, die Passungen stimmen. Selbst die Verkleidung der A-Säulen ist mustergültig, ein Aspekt, auf den manche im Wettbewerb stehende Partytiger oft vergessen. Geht es hier schon Richtung Premiumqualität, setzt Kia bei den Armaturen noch eins drauf. Mittig in der Instrumentenreihe finden wir (optional) ein hoch auflösendes TFT-Display mit Menüzeilen – etwas, was in dieser Klasse nicht einmal Minderheitenprogramm ist.
So gefällig die Ansicht ist, so unaufgeregt sind die Platzverhältnisse und der Sitzkomfort. Vorne genießen Erwachsene viele Freiheiten, hinten wird es ab einer Körpergröße von 1,8 Metern etwas beengter. Auf einen brauchbaren Laderaum haben die Südostasiaten nicht vergessen: 380 Liter netto, 1318 Liter brutto, dazu eine ebene Ladefläche – das Prädikat lautet: konkurrenztauglich.
Berechenbar bleibt das Motorenprogramm des neuen Cee‘d. Um die Publikumsgunst bewerben sich zwei Benziner und drei Diesel, allesamt mit vier Zylindern gewappnet. Den Einstieg markiert ein 1,4-Liter-Ottomotor. Der leistet 100 PS und benötigt im Mittel 5,6 Liter Treibstoff je 100 Kilometer (CO2-Emission: 130 g/km). Stärker und sparsamer ist der 1.6 GDI mit 135 PS. In Verbindung mit dem optionalen EcoDynamics-Paket benötigt er nur 5,2 l/100 km und stößt 119 g CO2/km aus.
Den Einstieg in die Dieselwelt ermöglicht der 90-PS-1,4-Liter-Selbstzünder mit einem Nenndrehmoment von 220 Nm. Vier Liter Normverbrauch und 109 g CO2/km sind attraktive Kennzahlen – aber noch mehr Party-Aufmerksamkeit verdient der 1,6-Liter-Turbodiesel mit zwei Leistungsvarianten: 110 und 128 PS. 260 Nm maximales Drehmoment gehören dazu, mit EcoDynamics liegt der Durchschnittsverbrauch bei 3,7 l/100 km (CO2-Ausstoß: 97 g/km).
Für gewöhnlich sind die Motoren mit einem Sechsgang-Handschalter kombiniert. Aber für den Topdiesel bietet Kia eine Sechsstufen-Wandlerautomatik an, für den Topbenziner eine Doppelkupplung mit sechs Gängen. Dieses Getriebe, so stellten wir bei der ersten Ausfahrt in dieser Woche fest, wechselt im Normalfall unbemerkt die Übersetzungen, lediglich bei forcierter Gangart lässt sich die Technik etwas länger als gewünscht Zeit.
Keine Wünsche offen lässt Kia, was die Ausstattung betrifft. Schon die Basis – Cool – hat CD-Radio, USB-Anschluss, Klimaanlage und elektrische Fensterheber an Bord. Ab 16.790 Euro (B) oder ab 18.290 Euro (D) ist der Cee‘d bereit für den Standortwechsel. Motion glänzt mit Bluetooth-Freisprecheinrichtung und Start&Stopp-System ISG; Motion Pro verfügt über Klimaautomatik und LED-Tagfahrlicht. Weitere Stufen sind Active und Active Pro. Und das ist erst der Anfang der Cee‘d-Offensive – im September folgt der Kombi Sportswagon, nach Jahreswechsel das Coupé Procee‘d. Das Trio könnte die Partygemeinschaft wieder einmal nachhaltig verschrecken.






