Was auch Frauen wieder wollen
Von Markus Höscheler
Cascais – Beide waren sie Blockbuster. Sowohl die 200er-Kleinwagen-Serie von Peugeot überzeugte das Publikum millionenfach als auch die Mel-Gibson-Filmkomödie „Was Frauen wollen“. In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts schlug der 205 ein, der 206 übertraf ihn zu Beginn des neuen Jahrtausends. Doch der 207 konnte dem breit getretenen Pfad ab 2006 nicht mehr ganz folgen, wenngleich innerhalb von sechs Jahren mehr als zwei Millionen Kunden zugriffen – allerdings hatte Peugeot mit mehr Abnehmern kalkuliert, vor allem mit mehr Abnehmerinnen. Die jedoch mochten sich nicht mehr der Zähmung des kleinen Löwen widmen. Das verloren gegangene Terrain zurückzuerobern, ist nun die Aufgabe des 208, der an diesem Wochenende seine Marktpremiere erlebt.
Zuvor mussten sich zahlreiche Peugeot-Beschäftigte intensiv Gedanken darüber machen, was Frauen anspricht. Am liebsten wären sie wohl in die Rolle von Mel Gibson im oben erwähnten Kinostreifen geschlüpft. Denn Gibson war nach einem Stromschlag in der Lage, die Gedanken der weiblichen Gegenüber zu hören und für seine Zwecke zu nutzen. Diese Möglichkeit blieb den Franzosen in der Realität verwehrt, sie verließen sich dafür auf ihre Erfahrung, auf Forschung und Entwicklung und auf ihre Intuition. Dabei herausgekommen ist ein Kleinwagen, der die Voraussetzungen hat, nicht nur, aber auch die Herzen und die Portmonees der Frauen zu stürmen – mit gefälligeren Formen, ansprechenden Proportionen, leichtfüßigem Auftritt und bekömmlicher Motorenvielfalt.
Geben wir der Optik den Vortritt, ehe Haptik, Motorik und Mathematik an der Reihe sind. Auf die Netzhaut des Betrachters und der Betrachterin sollte sich einbrennen, dass der 208 gegenüber dem 207 an Größe und folglich auch Gewicht verloren hat. Die Diät drückt den Kleinwagen unter die Vier-Meter-Marke, die der 207 zuvor überschritten hat.
Die neu gewonnene Kürze ist kräftig gewürzt. Die Front besticht mit dem auffälligen Kühlergrill, der wesentlich eleganter wirkt als das weit aufgerissene Löwenmaul früherer Peugeot-Modelle. Und Eleganz ist etwas, was wir bei den schlanken Frontleuchten und bei den Rücklichtern entdecken können. Die halbkreisförmigen Heckleuchten zitieren einerseits eine geöffnete Raubkatzenschnauze, andererseits Krallen. Die Anordnung symbolisiert: Der 208 ist auf Beutezug. Da passt es, dass es den Franzosen gelungen ist, dem 208 gegenüber dem Vorgänger durchschnittlich mehr als 100 kg abzutrotzen.
Leichter und kürzer – was aber nicht zwangsläufig weniger Platz bedeutet. Der Radstand ist gleich lang wie beim größeren 207, und somit lässt es sich insbesondere vorne gut aushalten. Gelungen ist das neu gestaltete Cockpit samt Materialauswahl. Insbesondere das auffällig klein gestaltete Lenkrad verdient Beachtung. Infolge seines kleinen Durchmessers sind die Instrumente jetzt oberhalb des Lenkradkranzes abzulesen. Der Clou der Franzosen ist geglückt, kleine wie große Fahrer haben mit der Neuanordnung kein Problem. Die Lenkung selbst ist gut bedienbar, sehr leichtgängig, jedoch nicht ganz exakt. Der Federungskomfort gewinnt Sympathiewerte, wenngleich portugiesische Hinterlandstraßen mit derben Verwerfungen die Dämpfer während der ersten Probefahrt arg belastet haben.
Keineswegs zur Last fällt Peugeot mit dem Aggregatemix: Fünf Benziner und drei Diesel decken ein Leistungsspektrum ab, das von 68 bis 155 PS reicht. Eine neue Spezialität sind die Dreizylinder-Benziner mit einem und 1,2 Litern Hubraum, die bei niedrigen und mittleren Tempi Freude bereiten und – bei sachter Fahrweise – Zurückhaltung beim Spritkonsum in Aussicht stellen. Der Einstiegsbenziner genehmigt sich 4,3 l Treibstoff je 100 Kilometer (CO2-Ausstoß: 99 g/km). Der 68 PS starke 1,4-Liter-Turbodiesel kommt auf 3,4 l/100 km und auf eine CO2-Emission von 87 g/km. Diese Werte dürften die Damenwelt erfreuen.
Der dreitürige 208 startet mit der Basisausstattung Access ab 12.200 Euro, zwei Türen mehr schlagen mit 550 Euro extra zu Buche. Ab der mittleren Stufe Active (ab 14.250 Euro) gehören Klimaanlage, CD-Radio (sechs Lautsprecher), Bluetooth-Freisprecheinrichtung, USB-Anschluss und zentraler Touchscreen zur Serienausführung. Da ist viel dabei, was auch Frauen wollen.





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