06.02.2012
Web

Wenn dies, dann das: Das Web wird automatisch

Ein neuer Webdienst verbindet viele andere Online-Angebote. Die Programmierung von „if this then that“ ist trivial und bringt jedem was.
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Beispiele – Was kann man mit ifttt.com anstellen?

Aktien-Mail: Wird bei einem Wertpapier eine Ober- oder Untergrenze durchstoßen, kann man davon per E-Mail informiert werden.

Artikel kindeln: Es gibt mehrere Möglichkeiten, lange Artikel im Web automatisch zum Kindle zu schicken. Dies wird etwa über neue Lesezeichen bei Delicious oder Instapaper bzw. eine Markierung in Google Reader anstoßen.

Foto-Backup: Wenn man ein Foto schießt und es mit der App Instagram online stellt, kann man es automatisch in seinen Onlinespeicher bei Dropbox sichern.

Foto-Mail: Wenn von irgendwem Bilder mit einem Schlagwort (z. B. Innsbruck) bei der Foto-Website Flickr veröffentlicht werden, kann man sich diese per E-Mail schicken oder in die Dropbox legen lassen.

Wetter-Alarm: Wenn es über Nacht geschneit hat, kann man sich davon benachrichtigen lassen. Ein Wetterdienst ist bei ifttt dabei, als Erinnerungs-App am iPhone ist boxcar.io hilfreich.

Facebook-Fotos: Wenn man auf einem Bild in Facebook markiert wird, soll es gleich in die eigene Dropbox heruntergeladen werden. Auch wäre es möglich das Profilfoto bei anderen Diensten wie Twitter automatisch mit zu ändern. So braucht man das nur einmal einrichten und spart Zeit.

Von Georg Holzer

Innsbruck – Das Web bietet viele großartige Dienste, die zwar einzeln sehr sinnvoll sind, aber in der Kombination ungleich wertvoller sein können. Es ist das Wesen vieler Online-Dienste, dass sie Daten auch für Drittanwendungen bereitstellen. Erst so kann beispielsweise eine Handy-App das Wetter schön darstellen. Bislang war es nur mit viel Aufwand möglich, diese Daten miteinander zu verknüpfen und darauf aufbauend automatische Aktionen anzustoßen. Ein relativ neuer Webdienst namens ifttt.com macht dieses Potenzial nun für alle nutzbar.

Die komplizierte Buchstabenkette ifttt steht für „if this then that“ – auf Deutsch: „Wenn dies, dann das.“ Dahinter steckt eine simple Logik: Bei einem Ereignis A wird automatisch eine Aktion B ausgelöst. So könnte man frühmorgens eine automatische Handy-Benachrichtigung erhalten, wenn es über Nacht geschneit hat.

Die Website ifttt.com ist auf das Wesentliche reduziert und sorgt so dafür, dass alles einfach von der Hand geht. Im Normalfall sind nur fünf Klicks nötig und schon steht die Verbindung zwischen zwei Webdiensten. ifttt.com stellt selbst keine Daten bereit, sondern schafft nur die Brücke zwischen zwei Diensten. Zur Auswahl stehen derzeit 41 Ereignisse (Wetter, Zeit, Börse etc.) und Online-Dienste (Gmail, Dropbox, Twitter, Face­book etc.) und es werden laufend weitere hinzugefügt. Einziger Haken: Leider fehlt in Österreich die Möglichkeit, Anrufe und SMS-Nachrichten auszulösen.

Mit den ersten Klicks legt man fest, welches Ereignis etwas auslösen soll (if this), mit ein paar weiteren Klicks wird die durchzuführende Aktion (then that) festgelegt. Unter jedem Webdienst (hier „Channel“ genannt) findet sich eine Liste an Möglichkeiten, die genutzt werden können. Während des Vorgangs muss man den Zugriff auf die jeweiligen Dienste noch durch Eingabe der Zugangsdaten erlauben. Keine Angst, dies ist sicher: ifttt bekommt die Passwörter nie zu sehen.

Es gibt zwar einige Einschränkungen (man kann nun einmal keine Texte an die Foto-Website Flickr schicken) aber im Grunde ist sonst alles möglich. Grenzen des Machbaren werden lediglich durch Vorstellungskraft des Benutzers eingeengt. Einige Ideen finden Sie unten im Kasten und auch die Website bietet jede Menge Vorschläge. Nach der Registrierung kann man in den Rezepten anderer Nutzer („Receipes“ genannt) stöbern.

ifttt spart vor allem bei Routine-Aufgaben viel Zeit. So braucht man nicht mehr händisch Webartikel sammeln, sondern kann diesen Vorgang über eine dritte Webanwendung automatisieren. Das Ergebnis ist in diesem Fall eine Artikelliste, die vollautomatisch auch auf jeden beliebigen E-Reader übertragen wird. Solchermaßen kann man auch Evernote-Notizbücher mit einem Mausklick (statt sonst dreien) befüllen. Falls man alle Aktionen abschalten will, so geschieht dies über einen On/Off-Knopf.

Die Benutzung ist kostenlos, der (leider nur englischsprachige) Dienst finanziert sich künftig durch Werbung.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mo, 06.02.2012
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