Das Milliardengeschäft mit dem täglichen Facebook-Kick
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„Gefällt mir“, wird sich Facebook-Gründer Mark Zuckerberg am Freitag denken, wenn durch die Aktienausgabe rund 16 Mrd. Dollar in die Kassen seines Konzerns gespült werden.
Foto: EPA
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Von Simon Hackspiel
Mit Hochspannung wird der Börsengang des Internetriesen Facebook am Freitag erwartet. Während der Ausgabekurs der Aktien in den letzten Tagen immer höher kletterte, ist der Hype um die endgültige Kommerzialisierung des größten sozialen Netzwerks durchaus kritisch zu sehen.
Durch den Gang an die Börse wird Facebook abhängig von Anteilseignern, denen das Unternehmen Rechenschaft in wirtschaftlicher Hinsicht schuldig sein wird. Der Aktienkurs wird künftig die Geschäftspolitik maßgeblich mitbestimmen, was bedeutet, dass der Druck steigt, möglichst viel Rendite zu erzielen.
Sozialer Druck zur Mitgliedschaft
900 Millionen Nutzer zählt Facebook mittlerweile, fast ein Sechstel der Weltbevölkerung hat bereits ein Profil auf der Plattform erstellt. In Österreich ist, mit 2,78 Mio. Usern, jeder Dritte dabei. Für viele Menschen ist die tägliche Anmeldung, die Pflege des eigenen Auftritts und der Blick auf die Aktivitäten von Freunden nicht mehr wegzudenken. Bei vielen kommt dabei auch ein Suchtfaktor ins Spiel. Laut einer US-Studie kann ein Eintrag in sozialen Netzwerken in derselben Hirnregion Befriedigung auslösen wie Sex oder gutes Essen. Auch deswegen werden die Facebook-Server jeden Tag mit Milliarden von privaten oder geteilten Einträgen in Text, Bild und Ton gespeist.
Nahezu jede Firma, die etwas auf sich hält, tritt über Facebook in Kontakt mit ihren Kunden. Nachrichtenportale verlinken dort ihre Artikel, Politiker pflegen ihr Image. Facebook ist zu einem Katalysator für die gesamte Internet-Welt aufgestiegen. Der soziale Druck, aktives Mitglied zu sein, wird stetig größer. Denn die virtuelle Parallelwelt verschmilzt zusehends mit dem täglichen Leben. Die Frage, „Bist du auf Facebook?“, gehört in der Internetgeneration bereits zum ganz normalen Kennenlernritual.
Datenschutz leidet unter Kommerzialisierung
Firmenchef Mark Zuckerberg und die künftigen Aktionäre sind sich des gewaltigen Potenzials, welches noch hinter dem „blauen f“ schlummert, natürlich bewusst. Doch die Veränderung des bestehenden Systems birgt immer auch Gefahren. So halten viele Nutzer beispielsweise die neu eingeführte Chronik für zu unübersichtlich. Kritiker, wie die Wiener Gruppe „Europe vs. Facebook“, klagen zudem über die neu gestaltete Datenschutzrichtlinie. Dadurch würden die Nutzer alle Rechte an ihren Daten verlieren. Bisher bleibt der Protest der Masse aus, denn für die meisten Mitglieder überlagern die Vorteile des Netzwerks offenbar jegliche datenschutzrechtlichen Bedenken.
Dabei ist das Geschäft mit den Daten für Facebook immens wichtig, um das Portal auch weiterhin gratis betreiben zu können. 85 Prozent der Einnahmen stammten im vergangenen Jahr aus Anzeigen, die aufgrund von Datenanalysen gezielt in den Profilen geschaltet wurden. Momentan gerät Facebook in diesem Bereich jedoch unter Druck. Der US-Autobauer General Motors will jetzt seine Werbung in dem sozialen Netzwerk stoppen, da sie nicht den gewünschten Effekt habe. Ein solcher Schritt könnte große Signalwirkung haben, schließlich ist GM der größte Werbetreibende in den USA. Skeptische Anleger bemängeln zudem, dass keine Strategie vorliege, um aus der wachsenden Zahl von Smartphone-Nutzern Kapital zu schlagen. Bisher werden in der Facebook-App keine Anzeigen geschalten.
Profitsteigerung oder Benutzerfreundlichkeit?
Bisher beteuerte Zuckerberg zwar immer, dass es ihm nicht in erster Linie ums Geldverdienen gehe. Doch durch den Schritt auf das Börsenparkett, erscheint dies recht unglaubwürdig. Zum einen werden ihn profitgierige Aktionäre unter Druck setzen, zum anderen verdient er selbst, als größter Teilhaber, am meisten an steigenden Kursen. Maßnahmen zur Ankurbelung des Profits – wie auffälliger platzierte Werbung oder Bezahldienste - könnten zum Leidwesen der Nutzer durchgesetzt werden. Dann bliebe die Frage, ob diese sich das gefallen lassen, oder in Richtung anderer Anbieter abwandern würden. Denn die Konkurrenz schläft nicht, vor allem Google investiert derzeit massiv in sein soziales Netzwerk Google+ und lauert auf strategische Fehler des erfolgsverwöhnten Konkurrenten.
Von solchen Szenarien will sich das Unternehmen den Börsengang aber nicht madig machen lassen. Schließlich ist die Nachfrage nach den Aktien kaum zu stoppen, bis zu 16 Mrd. Dollar (12,5 Mrd. Euro) sollen am Freitag in die Firmenkassa gespült werden. Ob Facebook die Erwartungen der Anleger auch langfristig erfüllen kann, liegt jedoch vorwiegend an jenen Menschen, deren Facebook-Account fixer Bestandteil ihres Lebens ist.
aktualisiert: Do, 17.05.2012 13:55

