03.09.2012
Innovation

IFA 2012: Randlos glücklich und zweckoptimistisch

Die Internationale Funkausstellung (IFA) bietet viele Superlativen und Verbesserungen. Die Hersteller kämpfen gegen das Branchenschrumpfen.
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Die Highlights der Internationalen Funkausstellung

Fernseher: Das Motto aller Hersteller lautet: größer, mit dünnerem Rand und in höherer Auflösung. Sony, LG und Toshiba bringen noch heuer Modelle auf den Markt, die eine Bildschirmdiagonale von 84 Zoll (213 Zentimeter) aufweisen. Herausragend ist jedoch die Auflösung. Mit „4k“ (3840 x 2160 Bildpunkte) wird die Anzahl der Pixel im Vergleich zu Full-HD vervierfacht. Die Preise der Geräte werden noch geheim gehalten, sollten sich aber über 10.000 Euro belaufen. Praktisch alle Hersteller bieten in der Oberklasse TV-Geräte an, die quasi randlos sind. Ihre Displays sind lediglich von einem wenige Millimeter dünnen Rahmen eingefasst.

JBL PlayUp: In Zusammenarbeit mit Nokia entstanden diese kleinen Lautsprecher. Der Clou dahinter: Zur Konfiguration berührt man sie einfach mit dem NFC-fähige Smartphone und schon ist die Musikausgabe richtig eingestellt. Preis: 149 Euro.

Samsung Galaxy Camera: Anstatt eine Kamera in ein Handy einzubauen, integriert Samsung ein Android-Handy in seine neueste Kompaktkamera. Internetzugang und Apps sorgen für weit mehr Möglichkeiten. Preis: offen.

Loewe Soundbox: Mit AirPlay lässt sich Musik direkt vom iPhone oder iPad auf einem Musiksystem abspielen. Kein Hersteller kann darauf verzichten, die Auswahl an Streaming-Clients für Apple-Geräte ist deutlich größer als jene für Android. Preis dieser Loewe-Anlage: 500 Euro.

Alpine CDE 135 BT: Der Markt für Autoradios ist hart, denn alle Neuwägen kommen mit eingebauten Alles-Beschallern. Die jüngste Innovation ist Webradio: Das Internet kommt vom Smartphone, auch Apps können via Bluetooth oder USB Töne an die Passagiere abgeben. Preis: 249 Euro.

Sony HMZ-T2: Wer mit seiner Umwelt nichts zu tun haben will, setzt sich diesen Heimkinohelm auf. Er projiziert Bilder in HD-Auflösung (1280 x 720) auf das Auge, wiegt 330 Gramm und bietet 5.1 Raumklang. Das Display deckt einen Blickwinkel von 45 Grad ab und kostet 1000 Euro.

Philips HomeCooker: Zutaten in den Topf schütten und zurücklehnen – so ziemlich alles soll automatisch gelingen. Dass das Gerät seine 400 Euro wert ist, dafür bürgt Jamie Oliver persönlich. In Zusammenarbeit mit dem Kochstar will Philips weitere Geräte entwickeln.

Von Georg Holzer

Innsbruck – Was machen TV-Hersteller, wenn all ihre potenziellen Kunden bereits eine Full-HD-Mattscheibe mit Internet- und 3D-Fähigkeit haben? Sie erhöhen die Auflösung. Bei Fernsehern mit dem Etikett „4k“ wurde die Anzahl der Bildpunkte von 1920 x 1080 auf 3840 x 2160 Bildpunkte vervierfacht. Der praktische Nutzen ist eher bescheiden: Einerseits sieht man bei normalem Sitzabstand schon jetzt keine Pixel mehr. Andererseits wird es Jahre dauern, bis es TV-Bilder in dieser Auflösung geben wird. Bei Preisen jenseits der 10.000 Euro muss man von den Monsterbildschirmen derzeit dringend abraten.

Während sich der Internetzugang am Fernseher endgültig durchgesetzt hat, kochen derzeit noch alle Hersteller ihr eigenes Süppchen, wenn es um Programmierstandards geht. Hier könnte die Smart-TV-Allianz von TP-Vision (Philips), LG und anderen Firmen endlich dafür sorgen, dass es mehr Apps in besserer Qualität gibt. Allzu große Hoffnung darf man sich jedoch nicht machen – Ähnliches wurde bereits 2011 angekündigt.

Größere Innovationen gibt es auch bei Werkstoffen: Steifere Materialien sorgen bei Fernsehern für eine Bauweise, die Rahmen von wenigen Millimetern ermöglicht und Geräte in manchen Fällen ebenso dünn macht. Die neue Bauweise ist aber höherpreisigen Modellen vorbehalten.

Während 3D-Fernsehen heuer kaum noch eine Rolle zu spielen scheint, ist das Zusammenwachsen von Unterhaltungselektronik und Computertechnik weit fortgeschritten. Inhalte kommen immer öfter aus dem Heimnetzwerk, gesteuert wird alles sehr komfortabel per App am Smartphone oder Tablet.

Mit dem Siegeszug von PC und Netzwerktechnik kommen neue Spieler hinzu. Auf der IFA feiert Google TV seine Europapremiere. Eingebaut in Fernseher von Samsung, Sony oder LG bzw. als Settopbox daneben, bringt die TV-Software Inhalte aus dem Web direkt auf den Fernseher. Im Vordergrund stehen dabei natürlich die Websuche sowie Apps, die schön langsam den Weg vom Handy auf die Mattscheibe finden.

Das freie Betriebssystem Android kommt in immer mehr Geräten zum Einsatz, wo man es nicht vermuten würde. So steuert es Digitalkameras oder Waschmaschinen und verbindet diese Geräte mit dem Internet.

Die IFA hat der Technikmesse CeBit den Rang abgelaufen, wenn es um Computer geht. Vor dem Start von Windows 8 zeigen alle wichtigen Hersteller neue Laptops und Tablets. Viele davon sind „Convertibles“, also Notebook und Tablet in einem. Sie brauchen weniger Strom und bringen oft Akkus mit, die einen ganzen Arbeitstag durchhalten.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mo, 03.09.2012
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