Archiv

Letztes Update am TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe

Far Cry 3

Gegen Tiger und Piraten – Jasons Höllenritt durchs Paradies

„Far Cry 3“ bietet dem Spieler eine wunderschöne tropische Insel als Spielplatz, eine große Auswahl an Waffen und noch dazu einiges an Charakter und Motivation.

Von Lukas Schwitzer

Innsbruck – Still und heimlich schleicht sich Neo-Rambo Jason Brody an einen Vorposten bösartiger Piraten heran. Das ganze Lager umrundend, markiert er die Positionen der einzelnen Gegner und legt sich einen Plan zurecht. Denn nicht nur müssen alle Piraten ausgeschaltet werden, sie müssen auch davon abgehalten werden, Verstärkung zu rufen. Den genauen Plan vor Augen und mit einem zufriedenen Lächeln sowohl auf den Lippen von Jason als auch auf jenen des Spielers, dreht man sich um – und sieht sich einem äußerst hungrigen Tiger gegenüber. Der Plan ist hin, Schüsse fallen. Die Piraten tun ihr Bestes, um dem Tiger bei der Beutebeschaffung zu helfen und der Adrenalinspiegel steigt ins Unermessliche.

Reiche Tierwelt, reiches Waffenarsenal

In „Far Cry 3“ findet sich der Spieler ständig in solchen oder ähnlichen Situationen wieder. Denn oft sind es nicht die unzähligen Piraten, die Hauptperson Jason das Leben auf der wunderschönen tropischen Insel schwer machen, sondern die Tiere. Denn neben einem nie enden wollenden Angebot an Waffen aller Art ist die Insel irgendwo im Pazifik auch mit einer sehr abwechslungsreichen Fauna gesegnet, die von Wildschweinen über Dingos bis hin zu Leoparden und Sumatra-Tigern reicht.

Auf der Insel findet sich der junge Nichtsnutz Jason nach einem Skydiving-Ausflug mit seinen beiden Brüdern und vier weiteren Freunden wieder. Die Gruppe landet auf der von Piraten besetzten Insel und wird von Psychopath Vaas gefangen genommen. Jason aber kann entkommen und wird von den unterdrückten Ureinwohnern, den Rakyat, aufgenommen, die ihm den Weg des Kriegers näherbringen. Der „neue“ Jason macht es sich daraufhin zum Ziel, seine Freunde zu befreien und sich an Vaas und dessen Chef, Menschenhändler Hoyt, zu rächen.

Dem Spieler bietet sich eine wunderschöne tropische Insel als offener Spielplatz, wobei, ähnlich wie in der „Assassin’s Creed“-Reihe, Türme erklettert werden müssen, um Teile der Karte aufzudecken. Verteilt auf der Insel finden sich wiederum die bereits erwähnten Vorposten, die befreit werden müssen. Dadurch entsteht nicht nur ein Stützpunkt, an dem Waffen gekauft und zu dem schnell gereist werden kann. Auch der Einfluss der Piraten mindert sich dadurch, so dass diese im befreiten Gebiet seltener anzutreffen sind. Oft halten sich die Piraten wilde Tiere in Käfigen, die durch mehr oder weniger gezielte Schüsse befreit werden und Jason einiges an Arbeit ersparen können.

Taschen und Halfter Marke Eigenbau

Die in Dörfern und Stützpunkten verkäuflichen Waffen können größtenteils mit Aufsätzen wie Schalldämpfern erweitert werden, auch etwas Farbe kann den Schießeisen spendiert werden. Einige Gegenstände können aber nicht erstanden werden, sondern müssen selbst hergestellt werden. So ist es anfangs nur möglich, eine einzige Waffe zu tragen, da Jason keinen Halfter hat, um eine zweite mit sich zu führen. Dieser muss erst händisch zusammengenäht werden, wobei der Aspekt der Jagd ins Spiel kommt. Denn erlegte Tiere können gehäutet werden und die Häute können dann zur Herstellung von Halftern, Rucksäcken oder Geldtaschen benutzt werden. Ein System, das ungemein mehr motiviert als z.B. die Jagd in „Assassin’s Creed 3“, die genauso gut vernachlässigt werden kann.

Kindskopf Jason entwickelt sich im Lauf des Spiels immer mehr zum fähigen Kämpfer. Der Spieler kann förmlich zusehen, wie die „Zivilisation“ verloren geht und der nette junge Mann zum von Wut getriebenen Super-Soldaten wird. Ein von den Eingeborenen verliehenes Tattoo, das sich mit dem Gewinn von Erfahrungspunkten immer weiterentwickelt, verstärkt Jasons Verbindung zu deren kriegerischer Kultur, eine attraktive Priesterin tut das ihre dazu. Letztlich stellt sich die Frage, ob Jason, der in der normalen Welt im Schatten seiner Brüder und Freunde stand, in der Insel eine neue Heimat gefunden hat.

Fazit

„Far Cry 3“, von Ubisoft selbst als „Skyrim mit Schusswaffen“ angepriesen, ist kein klassischer Shooter. Die offene Welt und deren Erforschung, die herzustellenden Gegenstände und die zu erlernenden Fähigkeiten machen es tatsächlich zu einem abgespeckten, vereinfachten Rollenspiel. Die Insel als Hintergrund mit versteckten Tempeln und Bunkern, kleinen Dörfern, nützlichen Pflanzen und gefährlichen Tieren hilft zusätzlich, den Spieler in die Welt hineinzuziehen. Kleinere Störfaktoren wie die nicht ganz ausgereifte Steuerung der Fahrzeuge oder die manchmal lästigen Quick-Time-Events (Drücken der richtigen Taste zum richtigen Zeitpunkt) können das positive Gesamtbild dabei nicht wirklich trüben. „Far Cry 3“ dürfte eines der motivierendsten Open-World-Spiele und überhaupt eines der atmosphärischsten Spiele der letzten Jahre sein. Es ist keine große Schwierigkeit, nachzuvollziehen, wie sich Jason in der Inselwelt verliert.

Unsere Bewertung: 9/10

Entwickler: Ubisoft Montreal

Publisher: Ubisoft

„Far Cry 3“ ist seit 30. November für PC (benötigt ein Uplay-Konto), PlayStation 3 und Xbox 360 erhältlich.