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Datenkrake Facebook bringt neue Funktionen – Keine Panik!

Die Onlinewelt redet heute vor allem über eines – die neue Suchfunktion von Facebook. Ein weiterer Sargnagel für die Privatsphäre?

Von Uwe Pfefferkorn

Manlo Park – Facebook erregt seit Dienstagabend wiedereinmal die Gemüter von abermillionen Internetnutzern. Jene, die am Netzwerk teilnehmen, aber auch – oder vielleicht vor allem – jene, die es nicht tun. Grund für die Aufregung ist die Präsentation der neuen Suchfunktion im globalen Netzwerk am Dienstagabend. Von „Menschen-Suche“ ist auf Nachrichtenseiten mit beinahe erhobenem Zeigefinger zu lesen. Und wie so oft sehen andere das Ende der Privatsphäre gekommen – wieder einmal.

Doch was hat Facebook nur wirklich gemacht? Ganz einfach: Zu den unglaublichen Mengen an Informationen, die es über seine Teilnehmer besitzt, bietet das Unternehmen nun die Möglichkeit, diese auch zu durchsuchen. Nämlich ähnlich einer Suchmaschine und unter dem neuen Namen Social Graph.

„Wir sehen Facebook als große soziale Datenbank“, sagte Facebook-Gründer Marc Zuckerberg am Dienstagabend in Manlo Park in Kalifornien und ergänzte: „Wie bei jeder Datenbank sollte es möglich sein, sie zu durchsuchen.“

Dass Facebook so viele Informationen über seine User besitzt, liegt vor allem in deren eigenem Verantwortungsbereich. Denn die unzähligen Bilder, Video-Clips und persönlichen Meinungen haben die User schließlich selbst online gestellt. Mit Open Graph lässt sich also nichts finden, was nicht ohnehin schon da war. Nur gestaltet sich die Suche künftig komfortabler, organisierter und effektiver.

Also was zeigt uns Facebook zukünftig? Nutzer sollen nur die Ergebnisse sehen, die sie bisher bereits an andere Stelle in ihrem Facebook-Netzwerk finden konnten. Die Ergebnisse müssen zudem vom Erzeuger als öffentlich gekennzeichnet oder bereits mit dem jeweils Suchenden geteilt worden sein. Also nichts, was derjenige nicht auch bisher sehen konnte.

Die größte Gefahr der neuen Funktion besteht darin, dass ungeliebte „Facebookleichen“ sehr einfach wieder gefunden können. Natürlich auch vom Erzeuger, der diese dann gleich komfortabel verschwinden lassen kann – zumindest für die einfache Facebook-Suche. Vielleicht erfüllt die neue Funktion damit auch eine pädagogische, indem Facebooker aus alten Fehlern lernen und neue später ungeliebte Einträge vermeiden.

An Social Graph tüftelt Facebook derzeit noch, was zur Folge hat, dass die Funktion vorerst nur wenigen englischsprachigen Nutzern in den USA zur Verfügung steht. Nach und nach sollen weitere Sprachen und Länder folgen. Bereits jetzt kann man sich aber auf eine Warteliste setzen lassen.

Unterm Strich ist die neue Funktion vor allem eines, nämlich komfortabel. Also keine Panik!