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„Tomb Raider“

Vom Mädchen zum Rambo – Eine neue (alte) Heldin ist geboren

Mit der Neuauflage von „Tomb Raider“ liefert Crystal Dynamics ein Spiel mit dem Potenzial ab, auch bisherige Lara-Verweigerer in Croft-Fans zu verwandeln.

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Von Lukas Schwitzer

Innsbruck – „Ich hasse Gräber“, sagt Lara Croft einmal in der Neuausgabe von „Tomb Raider“. Und der Satz beschreibt das Verhältnis des Spiels zu seinen Vorgängern recht gut. Denn das serientypische Erkunden von Gruften und Höhlensystemen tritt klar in den Hintergrund eines relativ geradlinigen Deckungs-Shooters.

Insel mit geheimnisvollen Bewohnern? Nicht ganz neu

Lara Croft findet sich nach der Havarie ihres Expeditionsschiffs auf einer unbekannten Insel wieder – von mysteriösen Kultisten als vermeintliches Menschenopfer kopfüber aufgehängt. Mit letzter Kraft kann sich die junge Frau selbst befreien und findet sich völlig alleine und hungrig wieder. Die Prioritäten sind klar: Essen finden und sich danach auf die Suche nach dem Rest der Schiffscrew machen. Gut, dass in der Nähe zufällig ein Bogen und Pfeile herumliegen. Der Beginn erinnert durchaus etwas an den Anfang von „Far Cry 3“ – nur sind weniger Schusswaffen involviert.

Lara, anfangs noch als sehr scheu und verletzlich dargestellt, mutiert nun innerhalb kürzester Zeit vom süßen Mädchen zum Rambo-Verschnitt. Das erste getötete Tier und der erste Mensch machen noch großen Eindruck, sowohl auf Lara als auch den Spieler, die Emotionalität bleibt aber schon bald aus. Das Töten von Tieren, das anfangs noch als überlebensnotwendig suggeriert wird, bringt einfach nur Erfahrungspunkte, die menschlichen Gegner bleiben in weiterer Folge ebenso gesichts- wie konsequenzenlos.

Deckungssuche vom Feinsten

Ist das äußerst spannend inszenierte Einstiegsszenario geschafft, erinnert die Spielmechanik stark an Deckungs-Shooter wie die „Uncharted“- oder auch „Gears of War“-Reihen. Lara, plötzlich Schießerei-Expertin, geht automatisch hinter Kisten oder Felsen in Deckung und meistert jedes Schießeisen routiniert. Die wenig glaubwürdige Transformation stört aber nicht weiter. Die Action-Sequenzen sind spannend und teilweise sogar recht fordernd und Klettereinlagen sorgen für die nötige Abwechslung. Auch die deutsche Synchronisierung fällt äußerst gelungen aus, Schauspielerin Nora Tschirner als Heldin Lara kann durchaus überzeugen.

Die früher so wichtigen Tunnelsysteme tauchen in freier erkundbaren Gebieten auf und warten darauf, erkundet zu werden. Meist ist dies mit einem kleinen Plattformrätsel verbunden, das durchaus Nostalgie für die Vorgänger-Titel aufkommen lässt. Schade, dass diese Bereiche nicht zentraler in das Spielgeschehen eingebaut wurden. Gespeichert kann an Lagerfeuern werden, die sich in der Spielwelt verteilt finden und es teilweise auch erlauben, schnell an andere Schauplätze auf der Insel zu reisen. Oftmals findet man sich aber in Schlauchlevels wieder, die kaum Bewegungsfreiheit erlauben, was durch die gekonnte Inszenierung aber ebenfalls wenig stört.

Laras Verbesserungswut

Sowohl Laras Waffen als auch ihre eigenen Fähigkeiten können verbessert werden, einerseits durch das Sammeln von Trümmern und Treibgut, andererseits durch Erfahrungspunkte, die für verschiedenste Aktionen verliehen werden. Lara kann dadurch erlernen, besser mit dem Bogen zu zielen oder wilde Tiere vor dem immer gleichen grün-braunen Hintergrund besser zu erkennen. Bestimmte Gegenstände müssen auch erst gefunden werden, um manche Bereiche zu erreichen, so benötigt Lara z.B. eine Kletter-Axt oder Pfeile mit angebrachten Seilen.

Fazit

„Tomb Raider“ ist ein gelungener Relaunch für die altgediente Serie rund um die toughe Forscherin Lara Croft, die trotz ihrer schnellen Terminator-Transformation klar menschlicher wirkt als in früheren Ausgaben. Gepaart mit spannender Action, bei der das Erkunden von Gruften leider ins Hintertreffen gerät, bietet sich ein tolles Spiel, das auch zu motivieren weiß. Eine kleine Auflockerung der etwas eintönigen Farbgebung hätte der ansonsten wunderschön anzusehenden Grafik allerdings gutgetan. Ansonsten überzeugt Entwickler Crystal Dynamics klar, eine Fortsetzung der „neuen“ Reihe dürfte wohl schon in Planung sein.

Unsere Wertung: 8/10

Entwickler: Crystal Dynamics

Publisher: Square Enix

“Tomb Raider” ist seit 5. März für Windows (braucht Steam zur Aktivierung), Playstation 3 und Xbox 360 erhältlich.