04.12.2011
Kritik

Happy End für Antihelden

The Black Keys wühlen sich auf ihrem 7. Album „El Camino“ durch die Tiefen des straighten Rock. Und klingen grandios unmodisch.

Wien – Dan Auerbach und Patrick Carney sehen­ in ihren abgewetzten Jeansjacken und mit Nerdbrille­ zwar aus wie trendige Hipster, sind‘s aber glücklicherweise nicht. Die Sandkastenfreunde aus Ohio erforschen seit knapp zehn Jahren gemeinsam als The Black Keys die Untiefen der Rockmusik der wenig glamourösen Spielart: Blues, Country und Soul werden zusammen mit Rock durch den Fleischwolf gedreht. Zutaten, die Led Zeppelin in den 70ern an die Spitze hievten, aber heute weder in Indiediscos noch Clubs interessieren. Umso erfreulicher, dass Drummer Carney und Sänger/Gitarrist Auerbach mit kantigem Sound aus Vintage-Instrumenten große Konzerthallen füllen.

Angeschoben wurde der Erfolg, auf den das sympathische Duo eigentlich nie hingearbeitet­ hat, durch die drei Grammy Awards, die sie Anfang des Jahres für das Vorgängeralbum „Brothers“ einheimsen konnten. Produziert wurde es von Danger Mouse, dem Kopf von Gnarls Barkley, der das Faible des Duos für Ins­trumente mit Geschichte teilt und den Sound betont unmodisch ließ, aber ästhetischer und satter machte.

Ein schweres Riff leitet das Album ein: „Lonely Boy“ ist die erste Single­, ein gut gelaunter und trotzdem erdiger Party­song. Jaulende Gitarren und Händeklatschen („Gold on the Ceiling“), gezupfte Gitarren und schwere Herzen („Little Black Submarines“) oder melodiöse Riffe („Nova Baby“) machen aus den Stücken rockige Ohrwürmer. Die klingen vielleicht nicht mehr ganz so roh und reduziert wie zu Band-Anfängen, aber immer noch unangepasst. Schön, wenn Dagegensein Erfolg hat. (ritz)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 04.12.2011
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