11.12.2011
Kritik

Die Könner und die Blender

Grandiose, überraschende und überflüssige Barock-CDs rund um deutsche, britische und Salzburger Meister.

Von Ursula Strohal

Innsbruck – Zwei Höhepunkte in der barocken CD-Landschaft führen zum hierzulande bestens bekannten (und vermissten) Freiburger Barockorchester: Georg Philipp Telemanns komplette Tafelmusik (harmonia mundi), vier CDs als Fest barocker Stile und Gattungen, geschmackvoll und fulminant gespielt, auch technisch brillant. Italienisches Konzertieren und französische Galanterie, keineswegs nur zur Tafel.

Grandios auch die neue Veröffentlichung von Andreas Staier mit den Freiburgern, sechs Cembalokonzerte von Carl Philipp Emanuel Bach (2 CDs, harmonia mundi), mit Auszeichnungen überschüttet bis zum Gramophone Award 2011. Mit klugem, virtuosem Zugriff öffnet Staier den Reichtum und die zahllosen Überraschungen dieser genial widersprüchlichen Werke, manchmal überlegt man, ist das nun Bachs Exzentrik oder Staiers Improvisation. So viel perlender Esprit, Perfektion und Leichtigkeit, Freude am Aufspüren von Bachs Experimenten – so viel Lust am Spiel. Staier erreicht damit einen weiteren Zenit. Für das Booklet schrieb er einen bemerkenswerten Essay.

Eine schöne junge Frau hat es leicht, auf Plattencovers zu kommen, was dann in der Verpackung ist …, hat im Fall der Sopranistin Danielle de Niese wenig mit Geschmack und Niveau zu tun. „Beauty of the Baroque“ heißt de Nieses neue CD (Decca) recht eindeutig, und wirklich gelingt die Übereinstimmung von kitschiger Inszenierung der Sängerin im Booklet und ihrem manieristischen, kitschigen Gesang quer durch eine barocke Hitliste. Zwei Dowland-Lieder gelingen noch, Bach am Ende ist inferior, dazwischen Händel, Monteverdi („Pur ti miro“ mit Andreas Scholl), und Purcells Lamento der Dido werden auch verbraten. Warum sich kompetent, aber ein bisschen fad, The English Concert dafür hergibt, ist fraglich.

Keusch, schlicht, vibratolos, aber innig und gleichsam eine Schule barocken Stils dagegen Emma Kirkbys Gesang. Die große Dame der Alten Musik, die die Anfänge der Innsbrucker Festwoche mitprägte, versammelt mit dem Ensemble Bell’Arte Salzburg auf der CD „salzburg barock“ (Berlin classics) Musik vom fürsterzbischöflichen Hof des 17. Jahrhunderts: Hörenswerte und ebenso interpretierte Kompositionen von Biber, Muffat, Megerle, Bernardi, Biechteler, einem Anonymus und, der Kapellmeister hieß wirklich so, Andreas Hofer.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 11.12.2011
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