18.12.2011
Musik News

Unter die Oberfläche

Auf dem besten Weg, das nächste große Pop-Ding abseits des Mainstreams zu werden, ist der eigenwillige Australier Gotye.

Wien – Wer glaubt, dass Popmusik böse, weil oberflächlich, schnell produziert und eigentlich auch nicht künstlerisch wertvoll ist, irrt. Und wird vom Australier Gotye eines Besseren belehrt. Der wurde gerade für sein Album „Making Mirrors“ (Universal) von der australischen Schallplattenindustrie mit sechs ARIA-Awards überschüttet. Was umso erstaunlicher ist, weil es sich bei den zwölf Songs um schnörkellose, aber auch eigenwillige Kompositionen handelt.

Genau so ungewöhnlich wirkt deren Schöpfer: Die Klamotten zu wenig trendig, die Locken zu störrisch – alles in allem zu wenig Posterboy. Auch der Gesang des Australiers, dessen Eltern mit dem Zweijährigen aus Belgien auswanderten, wirkt wie aus der Zeit gefallen. Klingt er wie Sting, oder doch wie Peter Gabriel, und ist das alles nicht sonderbar unmodern? Durchaus gewollt.

Wie auch das Video zur ersten Single „Somebody That I Used To Know“, das auf YouTube schon über 22 Millionen Mal angeklickt wurde. Beachtlich für einen Künstler, der immer noch als Geheimtipp gilt. Doch schon die ersten Sekunden des ungewöhnlichen Videos machen klar: Gotye hat jeden Klick verdient. So intim der Song über eine große Liebe, die vergangen ist, so intim ist auch das Video: ein Klassiker, der mit dezenten Harmonien und zauberhafter Gefühlstiefe überwältigt.

Obwohl sich Gotye als Soundtüftler versteht, wirkt seine Musik nicht überladen. Er versuche immer, „mit Sounds zu experimentieren, die etwas anders als gewöhnlich sind“, erklärt Gotye in einem Interview seinen Anspruch. „Ich suche immer nach Sounds – ob Aufnahmen von mir gesammelter Instrumente oder meiner Stimme.“ Eine Basslinie fand er sogar mitten in der Natur des australischen Outbacks. Der Winton Musical Fence besteht aus fünf mit Zaunpfählen verbundenen Metallseilen und einer Echokammer – das resultierende Sound-Sample ist im Song „Eyes Wide Open“ zu hören. Gotye schafft es, Groove („Smoke and Mirrors“), ausgelassenen Soul („I Feel Better“) und Reggae („State Of The Art“) zu einem organischen Ganzen zu verbinden.

Bleibt noch der Künstlername zu erklären. Der 31-jährige Australier wurde als Wouter „Wally“ de Backer in Brügge geboren – die französische Version von Wouter ist Gauthier, daraus wurde die griffige Kurzform Gotye. Alles klar. (ritz, dpa)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 18.12.2011
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