Verwandelte Heimat und ein virtuoses Sax
Von Ursula Strohal
Innsbruck – Barbara Romen (Hackbrett), Christof Dienz (Zither), Gunter Schneider (Gitarren) und Alexandra Dienz (Kontrabass) bilden das Ensemble Quadrat:sch und gehen mit der typischen Tiroler Stubenmusik-Besetzung den Weg vom Vertrauten ins Neuland und allmählich gänzlich fremd. Nun sind Eigenkompositionen des Ensembles auf der Doppel-CD „Stubenmusic“ (col legno) erschienen. Quadrat:sch lässt sich intensiv auf sein Instrumentarium ein, führt scheinbar Vertrautes allmählich weg vom Stuben-Hörbild und macht sich auf in ein neues Klangspektrum. Das bislang Unerhörte wird zum Sog, ist glatt und verkehrt, reduziert sich zum Geräusch und nähert sich andererseits der Welt der kosmischen Musik.
Im Naturlaut-Bereich knüpft die zweite CD an, wenn die Harfenistin Zeena Parkins zum Ensemble stößt und der Jazz-Perkussionist Herbert Pirker, der mit Holz, Stein und Wasser die Klangkörper des Tiroler Künstlers Kassian Erhardt zum Tönen bringt. Quadrat:sch reagiert hochsensibel darauf und nützt den improvisatorischen Freiraum.
Wie klingt ein Museum? Was im Tirol Panorama am Bergisel zu hören ist, kann man auf CD heimtragen (Tiroler Landesmuseen). Sie beginnt mit einer Art Hörspiel, Szenen vor der dritten Bergisel-Schlacht 1809. Dann verdichten und abstrahieren sich Gunter Schneiders Ideen in seinen Kompositionen, die durch die Räume begleiten bis zum Kaiserjägermuseum und Europaraum. Ein Zeitfluss aus liegenden Klängen, in deren Eigenart und Veränderung die Ereignisse liegen. Klänge, die sich verschränken und verschieben, die fliehen und fluktuieren, aus der Tiefe beunruhigen, aufstrahlen, Raum freigeben, ausdünnen. Das Kammerorchester InnStrumenti, Quadrat:sch, dann Maultrommel, Schwirrholz und Wassergong, Steinrohr und Steinschale geben ihre Geheimnisse preis und die Militärmusikkapelle Tirol schafft es, den Marsch „Hoch Tirol“ zu zerlegen.
Peter Girstmair ist ein grandioser Saxophonist und hat eine neue CD (pro cultura), auf der er solistisch und mit den Pianisten Isabella Kurz und Michael Schöch seine Vielseitigkeit virtuos ausspielt. Zum Einstieg Francois Bornes Carmen-Paraphrase, dann Florian Bramböcks spannende Sonate für Altsaxophon und Klavier: E-Musik mit jazzigen Einsprengseln, sanglich im Sax über oftmals leicht impressionistischem Klavierpart, beide Partner im Dialog oder auch einer trotzig dagegen. Wunderschöne Melismen im Adagio.
In Jacques Wildbergers „Porträt solo“ spielt Girstmair mit seinem herrlichen Ton und einem aufregenden Vibrato, bei Jules Demerssemans Fantasie aus dem 19. Jahrhundert wird sein Saxophon hochelegant. Krass dagegen die Erregung in aggressiven Sprachpartikeln aus Tondokumenten verurteilter Jugendlicher und ihre genaue, wie objektive Übersetzung ins Saxophon.



