05.01.2012
Musik News

Weltmusik ist nicht genug: Politik statt Popmusik

Grammy-Gewinner Youssou N‘Dour will Präsident von Senegal werden. Nicht der erste Musiker, der eine politische Zweitkarriere startet.
Infobox

Zweitkarriere auf dem politischen Parkett

Silvio Berlusconi: Der 2011 zurückgetretene italienische Premier verdiente sein erstes Geld in den 50er Jahren als Sänger auf Kreuzfahrtschiffen, ehe er zu einem der reichsten Männer Italiens wurde.

Michel Martelly: Der populäre Sänger ist seit Mai 2011 Präsident Haitis. Unter dem Namen „Sweet Micky“ wurde er zum bekanntesten Unterhaltungskünstler des Landes.

Ruben Blades: Der Salsastar war von 2004 bis 2009 Tourismusminister seines Heimatlandes Panama. Dort hatte er 1994 schon vergeblich für das Präsidentenamt kandidiert.

Gilberto Gil: Der brasilianische Grammy-Preisträger gilt als einer der erfolgreichsten Musiker Südamerikas. Von 2003 bis 2008 war er unter Präsident Lula da Silva in seiner Heimat Kulturminister.

Sonny Bono (1935 bis 1998): Als Duo mit seiner früheren Frau Cher verkaufte er in den 60er Jahren Millionen von Schallplatten. Zunächst Bürgermeister von Palm Springs, 1994 wurde er in den US-Kongress gewählt.

Ignacy Jan Paderewski (1860 bis 1941): Als Komponist und Pianist bezauberte er Millionen, als Politiker wurde er zum Nationalhelden und Symbol eines freien Polens. 1919 wurde Paderewski erster Ministerpräsident und Außenminister der Zweiten Polnischen Republik.

Dakar – Weltmusikstar Youssou N‘Dour will Präsident seiner Heimat Senegal werden. „Ich bin Kandidat. Ich werde in das Rennen um das Präsidentenamt eintreten“, sagte N‘Dour am späten Montagabend seinem eigenen Rundfunksender TFM – somit wird er am 26. Februar gegen Amtsinhaber Abdoulaye Wade­ antreten.

Der 85-jährige Wade ist seit dem Jahr 2000 Präsident des westafrikanischen Landes und wurde oft kritisiert, zu viel Zeit im Ausland zu verbringen. Im Sommer 2009, als sein Land mit Überschwemmungen und Stromausfällen zu kämpfen hatte, verbrachte Wade seinen Urlaub in einer Villa in Frankreich. Eines der zentralen Wahlkampfthemen ist die Frage, ob Wade überhaupt ein weiteres und damit drittes Mal antreten darf. Nach einer Verfassungsänderung sind nur noch zwei Amtszeiten erlaubt. Wade argumentiert, seine erste Amtszeit dürfe nicht mitgezählt werden, weil die Änderung erst später in Kraft trat.

In Europa ist N‘Dour einer der bekanntesten afrikanischen Musiker. Seinen international wohl erfolgreichsten Hit „Seven Seconds“ nahm er im Sommer 1994 mit Neneh Cherry auf. N‘Dour sang damals auf seiner Heimatsprache Wolof. „Viele Leute haben mich darum gebeten, Kandidat zu werden“, sagte N‘Dour. „Es ist der höchste patriotische Dienst, das beste Geschenk, das eine Person machen kann“, sagte der Musiker. Er habe zwar keine höhere Ausbildung, „aber die Präsidentschaft ist eine Rolle, kein Job.“

Sollte er Präsident werden, will N‘Dour einen Schwerpunkt in der Wirtschaftspolitik setzen. Er habe das Zeug, die Wirtschaft voranzubringen und die hohe Arbeitslosigkeit anzugehen, sagte der Künstler der Zeitung Walf Dadjri in Dakar. „Mein Leben besteht zu zehn Prozent aus Inspiration und zu 90 Prozent aus Schweiß.“ Bereits im November hatte der Künstler angekündigt, aus dem Musikgeschäft auszusteigen und sich auf die Politik zu konzentrieren. Zuletzt hatte er sich unter anderem im Kampf gegen Malaria engagiert.

Das Rolling Stone-Magazin hat N‘Dour zu „Afrikas berühmtesten lebenden Sänger“ gekürt. In Europa und Amerika wurde er in den 80er Jahren bekannt, vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Paul Simon und später mit Peter Gabriel. In seiner Heimat ist N‘Dour ein Grenzgänger zwischen afrikanischer Tradition und westlicher Popmusik, seit Langem ein gefeierter Star. (dpa, TT)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 05.01.2012
Vorteilszone
Partyfotos
Gewinnspiele
Parship
radio.at
Unterkunftssuche
Panoramabilder
Panoramabilder
"HEISZE TASTEN"
Panoramablick
AGB Kontakt Impressum