07.01.2012
Musik News

„Gangsta Nancy“ will in den Pophimmel

Mit Lana Del Rey hat die Musikbranche einen potenziellen neuen Star im Köcher. Im Radio läuft sich die Schöne schon warm.

Innsbruck – Das Debütalbum „Born To Die“ erscheint zwar erst Ende Jänner, die heimischen Radiostationen heißen Lana del Rey aber schon freudig willkommen: Sowohl im Alternativsender FM 4 als auch im Mainstream-Programm von Ö 3 läuft die Single „Video Games“ heiß, auf Youtube hat das zugehörige Video inzwischen 16 Millionen Klicks, die Fotos auf dem Universal-Presseserver sind schon hergerichtet. Und geben dem auditiven Erlebnis ein äußerst gut verkäufliches Gesicht: Elizabeth Grant, so der bürgerliche Name der US-Amerikanerin, tritt mit Brigitte-Bardot-Mähne und Schmollmund, Blütenkronen, kurzen Jeans, Hollywood-Shirts und schwerem Goldgehänge auf – kurz mit allem, was der Fundus für eine echte Retro-Diva hergibt.

Die 25-Jährige nennt sich selbst „Gangsta-Nancy-Sina-tra“, gibt an, in einem Trailer-Park gewohnt zu haben und hat schon eine breite öffentliche Diskussion darüber entfacht, ob sie ihre ersten Saläre fürs Lippenaufspritzen ausgegeben hat oder nicht. Das darf man durchaus als ausgeklügeltes Konzept ansehen, das – siehe Radiopräsenz und vorauseilender Medienhype von Spex über Spiegel bis zur Zeit – aufzugehen scheint. Und das ist, was das Erfinden von Kunstfiguren betrifft, ein Richtungswechsel vom schrillen Lady-Gaga-Stil hin zum lasziven Plastikpuppen-Image. Mit gepflegt unterkühlter Attitüde, wohlgemerkt: Das unterstreicht vor allem die Musik von Lana Del Rey, elegischer, leicht entrückter „Dark Pop“, unterfüttert mit selbst gemachten „Trash“- Videos wie bei „Video Games“ oder solchen, in denen sich die Sängerin als traurige Königin zwischen zwei Tigern inszeniert („Born To Die“).

Musikgrößen von Elvis Presley über Jeff Buckley bis Kurt Cobain nennt die inzwischen in London Lebende als ihre Vorbilder und bringt dazu auch noch eine Vorliebe für den Film „noir“ ins Gerede. Man darf gespannt sein, ob das Konzept auch über eine volle Albumlänge aufgeht. Die Stimme eines Stars hat „Gangsta Nancy“ jedenfalls. (jel)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 07.01.2012
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