BBC macht gute Musik zum Trend
Von Cornelia Ritzer
Wien – Bereits seit 2003 spürt die BBC mit ihrer „Sound of“-Liste Pop-Sternchen und Rock-Hoffnungen auf – mit einer enormen Trefferquote. So wurden Musikexperten und Plattenfirmen durch die BBC-Liste auf Rap-Bad-Boy 50 Cent (2003), den knallbunten Mika (2007) oder die stimmgewaltige Adele (2008) aufmerksam. Auch die hinteren Plätze der Liste – 15 Artists stehen auf der Vorschlagsliste, die ersten fünf Plätze werden gereiht – bergen große Namen. Franz Ferdinand, Lady Gaga, James Blake wurden dank der BBC-Liste ins Rampenlicht katapultiert. Und sind dort immer noch zu finden.
Auch heuer hatten die Juroren die Qual der Wahl: Haben die hipster-trendigen Friends aus Brooklyn mit ihren synthielastigen 80er-Sounds das Zeug zu echten Stars? Oder doch die gut gelaunte Azealia Banks aus Harlem, die mit dem YouTube-Hit „212“ den Spagat zwischen Rap und Clubsounds schafft? Oder erobert gar der amerikanische Dubstep-DJ Skrillex mit seinen wilden Piercings und düsteren Beats die Charts?
Wie so häufig hat die Jury einen britischen Künstler zur Nummer eins gekürt. Überraschenderweise überzeugten heuer die leisen, zu Herzen gehenden Töne: Der Soulsänger Michael Kiwanuka schlägt die starke Konkurrenz und ist dank seiner ruhigen, folkigen, nur von ihm auf der Gitarre begleiteten Songs „Home Again“ und „I‘m Getting Ready“ für den Großteil der 184 Journalisten, Radio-DJs und Blogger der Musiker, der durchstarten wird.
„Ich glaube, es ist der Traum jedes Musikers, irgendeine Anerkennung für seine Kunst, für etwas so Persönliches, zu bekommen. Das ist etwas, das ich nicht als selbstverständlich betrachte“, bedankte sich der 25-jährige Soulsänger aus Nord-London für die Anerkennung. Und wirkt bei seinem Auftritt im BBC-Frühstücksfernsehen fast unbeholfen. Im Vorprogramm von Adele schnupperte der Musiker, der in jeder Stadt als Erstes einen Gitarrenshop besucht, die Luft der großen Bühne. Ende März erscheint sein erste Album, mit dem er hofft, „die Erwartungen zu erfüllen“. Die Zeichen dafür stehen gut.



