Träumen und sehnen
Von Cornelia Ritzer
Wien – Portland – das scheint so etwas wie der friedliche Mittelpunkt der Welt zu sein. Menschen, die ihre Träume verwirklichen, und dabei von ihrem Umfeld unterstützt werden. So zumindest wird die Hauptstadt des US-Bundesstaates Oregon überzeichnet dargestellt. Doch es scheint auch viel Wahrheit im Hippie-Klischee der Metropole zu stecken – zumindest wenn man sich die Arbeit von amerikanischen Singer-Songwritern ansieht. Jüngstes Beispiel ist die Musikerin Laura Gibson, die für ihr drittes Album „La Grande“ viel Unterstützung von ihren Musikerkollegen bekam. Joey Burns (Calexiko), Jenny Conlee (Decembrists) und Adam Selzer (M Ward) gingen mit der 32-Jährigen ins Studio, um die zehn Songs aufzunehmen.
Und die Unterstützung des Who‘s who der amerikanischen Folk-Rock-Szene hat eindeutig die Qualität des Albums – dessen Titel „La Grande“ der Kleinstadt entliehen ist, in der sich Gibson in einen von ihr eigenhändig zum Studio umgebauten Wohnwagen zurückzog, um über Song-Ideen zu brüten – geprägt. Auch die Stimmung hat sich gewandelt: Statt den sehr beschaulichen, meditativen Klängen des Vorgängeralbums „Beast of Seasons“ geht es auf „La Grande“ durchaus flott zur Sache. So überrascht der titelgebende Opener mit mitreißenden Drums, „Milk-Heavy, Pollen-Eyed“ schraubt das Tempo dann wieder runter und führt mit gedämpfter Stimmung, gezupfter Gitarre und den wegweisenden Blasinstrumenten direkt in den Folk-Himmel. Für den Song „Lion/Lamb“ schwebte der Songwriterin ein heruntergeschraubter Bossa vor, der mit beschwingtem Pfeifen und Flöten fröhlich untermalt ist.
Inhaltlich drehen sich die Stücke von Laura Gibson um Freiheit, Beziehungen und Mutterschaft, wie sie in einem Interview erzählt. „Zum einen handeln die Texte davon, seinen Träumen zu folgen, Sehnsüchte auszuleben. Zum anderen geht es um Beziehungen und Häuslichkeit. Und daraus ergibt sich natürlich die Frage: Kann man beides verbinden? Kann man seinen Sehnsüchten folgen und trotzdem in einer Beziehung stehen?“ Den Antworten versucht sich Laura Gibson musikalisch zu nähern. Und der Weg dazu ist – wenn man ihre etwas kehlige, oftmals aber arg verfremdet wirkende Stimme mag – durchaus hörenswert.



