31.01.2012, 09:35  Aktualisiert: 31.01.2012, 10:18 
Interview

Soap&Skin liefert mit „Narrow“ einen „Befreiungsschlag“

Das Zweitwerk der Steirerin Anja Plaschg erscheint am 10. Februar.
Anja Plaschg präsentiert ihr neues Album am 10. Februar in der Arena Wien. Weitere Auftritte: 15. Februar, Posthof Linz; 16. Februar, Orpheum Graz; 4. Mai, Spielboden Dornbirn.
Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER
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Anja Plaschg wuchs in Poppendorf in der Steiermark auf, wo ihre Eltern eine Schweinemast betrieben. Sie spielt seit ihrem sechsten Lebensjahr Klavier. Mit 14 Jahren begann sie mit Geige und wandte sich parallel der elektronischen Musik zu. Mit 16 Jahren brach sie die Schule ab, um nach Wien zu ziehen. Dort begann sie ein Kunststudium an der Akademie der bildenden Künste Wien, das sie mit 18 Jahren wieder abbrach.

Bereits nach einigen Konzertauftritten galt Plaschg als „Wunderkind“. Musikkritiker sahen in ihr frühzeitig die größte Hoffnungsträgerin der österreichischen Popmusik. Das erste vollständige Album von Soap&Skin ist unter dem Titel Lovetune for Vacuum im März 2009 erschienen. Das Album schaffte es in Österreich unter die Top 10 und konnte sich auch in Deutschland, Belgien und Frankreich in den Charts platzieren. Anja Plaschg wurde bereits mit dem European Border Breakers Award der Europäischen Kommission und mit dem Amadeus ausgezeichnet. 2011 spielte die Sängerin in Stillleben, dem Debütfilm des Regisseurs Sebastian Meise, erstmals in einem Kinofilm.

Wien – Anja Plaschg kann als speziell bezeichnet werden. Mit ihrem Debüt „Lovetune For Vaccum“ erzeugte die österreichische Musikerin 2009 als Soap&Skin einen Hype, der sich weit über die Landesgrenzen erstreckte und in der jüngeren heimischen Popgeschichte wohl beispiellos genannt werden darf. Am 10. Februar erscheint das neue Album „Narrow“ (Solfo), das die qualitative Latte gewohnt hoch hält, tendenziell Neuerungen im Klangkosmos von Plaschg serviert und ihren Ausnahmestatus weiter einzementieren dürfte.

Im Zentrum des neuen Werks steht der Opener „Vater“. Das auf Deutsch vorgetragene Stück, in dem Plaschg den Tod ihres Vaters verarbeitet, war auch im Entstehungsprozess das Schwierigste und mit ein Grund für die lange Pause, wie die Musikerin im APA-Gespräch erklärt. „Es hat ein Jahr gedauert, es zu produzieren. Erst dann wusste ich, dass ich so schnell wie möglich eine Veröffentlichung machen will, wo dieses Stück auch genügend Platz hat.“ Die Frage, was es bedeutet, ein so schmerzliches Erlebnis mit anderen zu teilen, habe sich für sie nie gestellt, meint Plaschg.

„Diese Platte ist auch ein Befreiungsschlag“

Dass „Narrow“ mit acht Songs in einer knappen halben Stunde recht kurz ausgefallen ist, mindert die Dringlichkeit der Platte in keiner Weise. „Prinzipiell gibt es ja Alben in dieser Länge“, hält auch Plaschg fest. „Für mich ist der Begriff Minialbum grotesk. Aber es war mir klar, dass ich es nicht Album nennen will, weil ich auch so geprägt bin von dem, was ‚Lovetune For Vaccum‘ für mich als Album bedeutet hat.“ Das Albumformat findet Plaschg auch „unzeitgemäß“, wobei sie sich für künftige Veröffentlichungen nicht festlegen möchte. „Ich habe nur eine sehr starke Ahnung, dass einfach alles anders sein wird, weil diese Platte auch ein Befreiungsschlag ist.“

Während die neuen Stücke sich für die Sängerin von älteren aufgrund der „für meine Verhältnisse so konkreten Themen“ unterscheiden, sticht besonders die reduzierte Adaption des Desireless-Klassikers „Voyage, Voyage“ hervor. Die Bearbeitung „ging einher mit der Anfrage von Sebastian Meise für seinen Debütfilm (‚Stillleben‘/Anm.)“, so die 21-Jährige, die damit 2011 auch ihr Kinodebüt vorlegte. „Über die Rolle war ich mir nicht gleich im Klaren, im Gegensatz zum Song, den ich natürlich kannte, aber nicht so konkret vor Augen hatte. Als ich ihn dann wieder gehört habe, begann ich sofort mit den Aufnahmen, als wäre es eine Vorlage für etwas gewesen, worauf ich gewartet habe.“ Und das, obwohl das Original auf den ersten Blick nicht unbedingt im Umfeld von Soap&Skin zu verorten ist. „Vor allem habe ich ganz einfach eine Vorliebe für guten Pop“, merkt Plaschg schmunzelnd an.

„Technische Gegebenheiten nehmen starken Einfluss auf mich“

Diese Vorliebe schimmert auch bei sehr dezent arrangierten Stücken wie „Wonder“ oder „Cradlesong“ durch, wenngleich die Steirerin ihre von Klavier und Gesang bestimmten Songperlen konsequent abseits von tradierten Pfaden ansiedelt. Am deutlichsten zeigt sich dies bei Live-Auftritten, wenngleich diese für Plaschg auch immer wieder eine Herausforderung darstellen. „Technische Gegebenheiten nehmen starken Einfluss auf mich in der Live-Situation. Viel mehr als das Publikum zum Beispiel.“

Nicht beeinflusst habe Plaschg der Medienzirkus um ihre Person in den vergangenen Jahren, der von einschlägigen Popmagazinen bis zum Feuilleton reichte. Ob ihr der Umgang damit mittlerweile leichter falle? „Auf jeden Fall. Aber das liegt auch ganz einfach am Alter und am entsprechend größeren Bewusstsein darüber, was ich da mache, was da passiert und was es bedeutet, beleuchtet zu sein auf einer Bühne.“ Letztlich hat die zierliche Sängerin gemerkt, dass sie sich mit dem „oberflächlichen Ausdruck der Angst - sei es in dieser Frisur oder in der Kleidung - auch selbst behindert habe. Da bin ich gerade in dem Prozess, dass ich mich damit konfrontiere und dass ich bestimmte Schranken auch abwerfe“. (APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Di, 31.01.2012  09:35
aktualisiert: Di, 31.01.2012  10:18
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