Auf Weltraumexpedition
Von Sabine Theiner
Innsbruck – Von ihrer „Moon Safari“ (Debüt von 1998) sind Air schon lange wieder zurück. Seither haben sie die Musik zum Sofia-Coppola-Film „The Virgin Suicides“ geschrieben und diverse Alben veröffentlicht, von denen man am ehesten noch „Walkie Talkie“ in Erinnerung hat. Die Reise auf den Mond muss beeindruckend gewesen sein, denn jetzt geht’s wieder dorthin.
Dieses Mal heißt die musikalische Expedition „Le Voyage Dans la Lune“ (EMI). Das neue Album ist quasi der Soundtrack zu einem 100 Jahre alten, 16-minütigen Science-Fiction-Film gleichen Namens von Georges Méliès, dem wiederum Jules Vernes bekannter Roman, auch gleichen Namens, als Vorlage diente. 1902 war dieser Film ein großer Erfolg, nicht zuletzt deshalb, weil Méliès von jedem einzelnen Bild eine Farbversion schuf (das waren immerhin 16 Bilder pro Sekunde). Diese Version ging verloren, wurde aber 1993 in Barcelona wiedergefunden, in sehr schlechtem Zustand. Nach aufwändiger Restaurierung wurde der Film 2011 beim Filmfestival in Cannes gezeigt – dieses Mal mit Musik: von Air.
„Le Voyage Dans la Lune“ ist ein cineastisches Stück Musik, melancholisch, surreal und verspielt. Es evoziert Bilder einer alten Theaterkulisse und mit den warmen, psychedelisch anmutenden Klangkulissen ist es ein typisches Air-Album. Der erste Track „Astronomic Club“ ist sozusagen die Begrüßung der Passagiere an Bord: Alle Hörer sind Teil der Reise. Mit dem zweiten Titel „Cosmic Trip“ irrlichtert das Air’sche Weltraumschiff los und wackelt Richtung Mond davon. Danach wabert der Sound sehr sphärisch dahin, „Lava“ und „Moon Fever“ sind schlafwandlerische Etappen auf der Reise durchs Universum, die Sterne leuchten und blinken und ziehen am Raumschiff vorbei. „Parade“ legt dann etwas an Tempo zu – vielleicht gibt es gerade Turbulenzen. Aber keine Sorge, alles geht gut, die Rückkehr zur Erde glückt, und dort unten zwitschern die Vögel („Retour sur Terre“).
Der Höhepunkt des Albums ist ohne Zweifel „Seven Stars“, ein spaciger, träumerischer Track, zu dem Beach-House-Sängerin Victoria Legrand ätherische Vocals beisteuert. Der Film ist ein Klassiker. Ob das Album auch einer wird, steht in den Sternen.



