13.05.2012
Musik News

Ganes – Elfengesang aus einem vergessenen Tal

Sie sind unvergleichlich, die drei singenden Mädchen aus dem Gadertal. „Ganes“ nennen sie sich – nach den dort hausenden Waldhexen.

Von Hubert Trenkwalder

Gadertal – Schwer einzuordnen ist die Stilistik der Musik zweier Schwestern, die sich mit ihrer Cousine drauf und dran machen, Europa zu erobern. Doch das ist nicht ihr Problem, denn was die Mädchen zu bieten haben, ist betörend schön und wohlklingend zugleich!

Elisabeth und Marlene Schuen und ihre Cousine Maria Molling bieten ein Oberstimmenerlebnis in absoluter Reinheit, das muss natürlich einem latent heißeren Popstar wie Hubert von Goisern auf Anhieb gefallen haben. Auf sein Schiff, seine große musikalische Expedition entlang der Donau, hatte er sie vor einigen Jahren mitgenommen, als Percussionistinnen, Geigerinnen, Sängerinnen.

Die Mädchen sagen heute über den Querdenker aus dem Salzkammergut: „Hubert ist ein Künstler, der auch den Mut hat, gegen den Strom zu schwimmen, um seine Ideen durchzusetzen, und das bewundern wir sehr.“

Ohne Frage, die „Linz-Tour“ von Goisern im Jahr 2007 hat den Mädchen aus dem Gadertal Horizonte geöffnet, der allerwichtigste war zweifellos jener: der Wunsch, ein gemeinsames musikalisches Projekt zu verwirklichen. Dass dieses so schnell so erfolgreich werden würde, war kaum zu erahnen.

Die Songs schreiben sie selbst, zum großen Teil, die Sprache ist und bleibt „ladinisch“. Marlene: „Es liegt auch nahe, Gefühle in der eigenen Muttersprache, besonders wenn sie so klingend ist, auszudrücken. Dass wir dadurch dazu beitragen, die Sprache zu beleben und zu erhalten, finden wir sehr schön.“

Das Publikum hört, staunt und versteht kein Wort! „Wenn man sich auf den Klang einlässt, erfasst man, worum es geht, auch ohne des Ladinischen mächtig zu sein. Wenn das Publikum die Sprache nicht versteht, bleibt mehr Raum für die Phantasie“, meint Maria, die Jüngste der drei, die in Klagenfurt Jazz studierte.

Der Vater und Onkel der drei war, wen wundert‘s, Kapellmeister der örtlichen Blasmusik, der frühkindliche Volksmusikbezug war prägend und weckt schöne Kindheitserinnerungen, doch nun sind die musikalischen Botschafterinnen des Gadertals erwachsen geworden.

Nach ihrem Debutalbum „Rai de Soredl“ (Sonnenstrahl) und dem vielbeachteten Nachfolger „Mai Guai“ (Nie in Schwierigkeiten) haben die Sonnenkinder gerade ihre Frühlingskonzerte erfolgreich abgeschlossen und ziehen sich ins Tonstudio zurück, um neue musikalische Geschichten entstehen zu lassen.

Der Name ist Programm, na ja, nicht ganz: Die Ganes, die Waldhexen, die laut der ladinischen Sagenwelt entlang des kleinen Baches im Heimatdorf von Maria, Marlene und Elisabeth La Val hausen sollen, sind Namensgeber, aber nicht wirklich der mystische Auftrag der Heimat, den man vielleicht dahinter vermuten könnte. „Wir lieben die alten Geschichten aus unserem Tal, es gibt deren Hunderte, aber schlussendlich war es einfach der wohlklingende Name, der uns auf unserem künstlerischen Weg zu den Ganes machte“, erzählt Marlene.

Wenn man die drei Musikerinnen auf der Bühne sieht, wenn man ihre Energie spürt, aber auch, wenn man sie getrennt über die singende „Verwandtschaft“ befragt, um Liebe geht es ständig. Maria liebt die Stimme ihrer Cousine Elisabeth und umgekehrt, Marlene liebt ihre Cousine, Elisabeth wiederum beide! So viel Harmonie, da ist es wohl kein Wunder, dass den erfrischend natürlichen und hübschen Südtirolerinnen schon halb Europa zu Füßen liegt.

Derzeit werken die Mädchen also an ihrem dritten Album: „Es wird unser bisher bestes“, verkünden die Ganes aus dem Tonstudio in Berlin schmunzelnd. „Lasst euch überraschen!“ Es wird uns nichts anderes übrig bleiben, als freudig darauf zu warten.

Der Weg der Ganes, er wird sein wie der kleine Bach in ihrem Heimattal, an dem sie als Kinder spielten und dessen Waldgeister ihnen den Namen gaben. Frisch, sprudelnd, klar und voller Lust am Leben! Wir werden ihn wohl gerne mitgehen.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 13.05.2012
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