17.09.2012
Musik News

Kraftlackel aus dem Wüstenstaat

The Killers wenden sich dem ganz großen Gestus zu. „Battle Born“ ist eine durch und durch amerikanische Rock-Platte, die richtig dick aufträgt.

Von Sabine Theiner

Innsbruck – Brandon Flowers liebt die große Pose. Der Frontmann der amerikanischen Glam-Band The Killers fühlt sich wohl auf der Bühne. Der gläubige Mormone und Vater dreier Kinder stand bei Kritikern schon im Verdacht, sich für den neuen Freddie Mercury zu halten. Eigentlich kein Wunder, denn The Killers machen Stadion- sound par excellence. Am 18. September 2012 treten sie in New York auf und der deutsche Kult-Regisseur Werner Herzog wird das Konzert filmen. Es ist Teil der Konzert­serie „Unstaged“, die live auf YouTube übertragen wird.

Am Anfang ihrer Karriere (2002) galten The Killers aus Las Vegas, Nevada, als die britischste aller amerikanischen Bands, weil ihre Musik handgemacht klang, ehrlich, ein bisschen sperrig, wie direkt von der Indie-Insel eben.

Jetzt, zehn Jahre später, sind The Killers amerikanischer denn je. Das geht schon mit dem Namen des neuen Albums los: „Battle Born“ heißt es und so lautet auch die Inschrift auf der Flagge Nevadas. Es ist quasi der Spitzname des Wüstenstaates. Das Album ist durch und durch bombastisch: das Thema, die Instrumentierung, die Attitüde. Auch die illustre Reihe an Mega-Produzenten, die sich am vierten Album der Band beteiligten, spricht nicht gerade von Bescheidenheit: Stuart Price (Madonna, No Doubt), Steve Lillywhite (U2, Travis, Rolling Stones), Damian Taylor (Kasabian, Metallica) und Brendan O’Brian (Pearl Jam, Korn, Billy Talent) haben ihre Finger im Spiel und lassen „Battle Born“ fetter als fett klingen.

So wundert es auch nicht, dass jeder neue Song gleich von mehreren Hooklines getragen wird, nicht von einer einzigen. Jeder Track steigert sich, bläst sich auf und droht gegen Ende hin gar zu bersten (z.B. „Flesh & Bone“, „Miss Atomic Bomb“ oder die Single „Runaway“). Der pathetische Gesang von Brandon Flowers treibt die ganze Geschichte zwar gefährlich nahe an die Schmalzgrenze, passt aber zum pompösen Sound aus wimmernden Synthies, heulenden Gitarren und prügelnden Drums. Man kann sich The Killers gut bei Barack Obama vorstellen, bei ihrem Gig zur Feier des Unabhängigkeitstages im letzten Juli.

In der Musikpresse kursiert für so eine Art Sound der Begriff „Maximalpop“, also dick auftragen und alles zusammen aufdrehen bis zum Anschlag: klotzen statt kleckern. The Killers haben’s zwar nicht erfunden, aber sie tun so.

The Killers. Battle Born. Universal.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mo, 17.09.2012
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