24.09.2012
Kritik

Spaß haben, Krallen einziehen

P!nk, eine der frechsten Gören des Pop, meldet sich wieder zu Wort. Auf „The Truth About Love“ bleibt sie aber hinter den Erwartungen zurück.

Von Sabine Theiner

Innsbruck – P!nk ist eine Klasse für sich. Die aufmüpfige und kumpelhafte Alecia Moore hat etwas, was nur wenige weibliche Figuren im Pop-Biz haben: Humor und einen gesunden Hang zur Selbstironie. Nicht viele schaffen es, sich selbst mit so viel Authentizität auf die Schippe zu nehmen. So etwas macht sympathisch.

Auch jetzt noch, nachdem sie ihrem ausschweifenden Rockstar-Leben abgeschworen hat und häuslich geworden ist, scheint P!nk immer noch die Gleiche zu sein. Sie posiert vor der Presse auf dieselbe Art, nur trägt sie jetzt Töchterchen Willow auf dem Arm. Ihr sechstes Studioalbum „The Truth About Love“ ist das erste Album, das sie als Mutter veröffentlicht. Es geht darauf um die Liebe und sonst (fast) gar nichts, weshalb die Stücke durchwegs positiver und optimistischer sind als die sarkastischen Songs auf dem Vorgänger „Funhouse“ (2010). Dennoch ist es ein typisches P!nk-Album, voll mit lustvoll interpretierten, temporeichen Pop-Rock-Songs („Try“, „Are We All We Are“) und guten Songs wie „Just Give Me A Reason“ feat. Nate Ruess oder dem stampfenden Kracher „Here Comes The Weekend“, bei dem Über-Rapper Eminem mit einstimmt. Es gibt auch Patzer, „True Love“ zum Beispiel: zu simpel, zu fad und das Ohohohohoh zu doof. Obwohl sie immer noch ihre Krallen ausfährt, sich rabiat und rebellisch gibt und immer noch auf die gleiche Art schreit, kreischt und mault – ein bisschen Biss hat P!nk eingebüßt. Irgendwas fehlt auf ihrem neuen Longplayer.

Es sind die P!nk-Momente. Diese großartigen, feurigen, leidenschaftlichen Songs à la „Get The Party Started“, „Don’t Let Me Get Me“ („Miss­undaztood, 2001), „So What“ („Funhouse“, 2008) oder „Raise Your Glass“ („Grea­test Hits ... So Far“, 2010). Da zeigen sich P!nks Qualitäten: Mit diesen feurigen Up-Tempo-Nummern, die vor Energie, Spaß und Hedonismus nur so strotzen, hat sie die Herzen ihrer Fans erobert. „I’m having more fun“ war die Quintessenz ihres ganz persönlichen Star-Seins und dieser Funke ist übergesprungen. Sie hat sich nie ein Blatt vor den Mund genommen und was bei anderen oft derb wirkt oder ins Lächerliche kippt, ist bei ihr erfrischend und witzig.

Und so ist P!nk wahrscheinlich auch die einzige Rockstar-Mutter, die bestimmt cool aussieht, wenn sie ihr Baby mit dem Chopper durch die Gegend kutschieren würde. Und deswegen ist es auch ganz egal, ob das Album nun toll ist oder nicht – P!nk ist toll! Das reicht.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mo, 24.09.2012
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