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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 10.10.2012

Jonny Hill und sein Teddybär 1-4

Es gibt sie noch, die Großen, die mit leisen Tönen Menschen erreichen. Jonny Hill gehört dazu – und er kommt nach Innsbruck.

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Von Hubert Trenkwalder

Innsbruck – Leicht hat er es nicht, der deutsche­ Country. Eine Hand voll Künstler reißt sich um diejenigen, die sich nach den endlosen Highways sehnen, aber denen Übersee zumindest musikalisch zu weit entfernt scheint.

Die Attitüde des American Country ist oftmals Pathos pur, es geht um Freiheit, Wildheit und Echtheit. Eine der erfolgreichsten Countrypop-Truppen der vergangenen Jahre, die Rascal Flats, hat ein Lied darüber geschrieben, was passieren würde, spielte man einen Countrysong rückwärts. Man bekäme alles wieder retour, Pferd, Auto, Geld, den besten Freund Jack und die Ex-Frau. Genau das macht den Erfolg dieses Genres in den Vereinigten Staaten aus, aber funktioniert so etwas auch in deutscher Sprache, fernab von Prärie­ und Line-Dance-Diskotheken?

Ja, das funktioniert. Und man kann sich Geschichtenerzählern wie Jonny Hill eigentlich nicht entziehen, weil ihre Geschichten – unabhängig von der musikalischen Stilrichtung – einfach gut erzählt sind. Seine Ballade­ vom kleinen Jungen, der zuhause am Funkgerät sitzt und als Teddybär 1-4 einen ganzen Konvoi von Fernfahrern zu Tränen rührt, ist schlichtweg genial­.

Auch wenn dieser Song den gebürtigen Steirer berühmt gemacht hat, verbirgt sich hinter Jonny­ Hill, der sich tatsächlich ohne „h“ nach dem „o“ schreibt, eine Menge­ mehr. Sein Charisma hat ihn auch nach vierzig Jahren auf der Bühne nicht verlassen: Wenn er lächelt, lachen ihm Menschen entgegen, wenn er erzählt, wird es ruhig im Publikum. Das gelingt nur den routinierten und glaubwürdigen Enter­tainern.

Und wenn er im Interview von sich und seinem Weg erzählt, spürt man ihn ein bisschen, den Wind, der dem einsamen Reiter auf der Suche nach Erkenntnis entgegenweht. 72 Jahre ist er mittlerweile alt, seine Stimme klingt jung wie eh und je. Glaubwürdigkeit ist Programm, seine Texte fließen, gesprochen wie gesungen, seine Melodiebögen erschrecken nicht, sie beruhigen.

Sein Gala-Konzert 2012 führt ihn in große und kleine Hallen im deutschsprachigen Europa, und am 2. Dezember auch wieder in den Innsbrucker­ Congress.

Nach dem grossen Erfolg im Vorjahr lag ein neuerlicher Besuch auf der Hand. „Noch nie war die Distanz zwischen dem Künstler und seinem Publikum so klein“, verspricht sein Management. Es wird für Jonny Hill ein Leichtes sein, dieses Versprechen zu halten. Ein Countryman hält Wort, egal, ob in Nashville oder Innsbruck.

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