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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 24.10.2012

Gabalier im TT-Interview

„Ich hab‘ einfach ein bisserl mit der Hüfte gewackelt“

Warum Andreas Gabalier von Graz bis Salzburg alle Rosen aufgekauft hat, zuletzt wegen eines Mannes nervös war und wie seine Oma bei Konzerten rockt.

Kult. Dieses Wort beschreibt Sie wohl am besten. Ist dieser Status eine Belastung, weil Sie vielleicht teilweise nicht mehr authentisch sein können, oder das erklärte Ziel?

Andreas Gabalier: Authentisch bin ich im Grunde immer. Wenn ich in Graz zum Beispiel abends mit Freunden ins Kino gehe – was leider sehr selten vorkommt, im Winter vielleicht wieder mal. Hoffentlich. Jedenfalls mache ich mir dann auch keine „Inkognito-Frisur“. Höchstens wenn ich zu faul bin, mich zu frisieren, dann ziehe ich mir ein Kapperl auf. Ich freue mich nämlich, wenn meine Fans mich erkennen und wir dann ein bisserl plaudern können. Da bin ich ganz authentisch.

Dieser Authentizität wollte die Plattenfirma am Beginn Ihrer Karriere einen Riegel vorschieben, als man an Sie herantrat und Sie bat, den lasziven Hüftschwung auf der Bühne zu unterlassen.

Gabalier: Das stimmt, aber vieles an meinem Bühnenauftritt ist unkonventionell – wie die rot-weiß karierte Sonnenbrille, die Frisur, die Lederhose oder das Tücherl ums Handgelenk. Da gehört auch der Hüftschwung und die typische Pose, wo ich auf einem Bein stehe und mich vornüberbeuge, dazu. Ich habe das nicht geplant oder kreiert – das ist alles zufällig gekommen. Als wir die Fotos für ein CD-Cover gemacht haben, habe ich mich einfach so hingestellt, ein bisserl mit der Hüfte gewackelt, weil ich es für was witziges Neues gehalten habe, und heute gehört das zu mir.

Das angesprochene Tüchlein ums Handgelenk, das bei keinem Auftritt fehlt, und zu Ihren am besten verkauften Fanartikeln zählt, dient der Erinnerung an Ihren verstorbenen Opa. Was würde der heute wohl zu dem Gabalier-Hype sagen?

Gabalier: Dem würde es vermutlich gleich gehen wie meiner Oma. Mit 86 Jahren geht sie immer noch auf viele Konzerte von mir und sitzt nicht etwa irgendwo ruhig auf einer Bank. Nein. Sie steht vorne bei der Bühne und wackelt mit ihrem Stecken im Takt wild in der Luft herum. Ich muss dann bei diesen Auftritten auf der Bühne oft lachen, weil ich sehe, wie die Leute einen gehörigen Sicherheitsabstand zu ihr halten.

Ihre Familie scheint Ihnen sehr wichtig zu sein. Umso tragischer war es, als vor fünf Jahren ihr Vater, wenig später Ihre Schwester Suizid begangen haben. Inwiefern beeinflussen diese Erlebnisse Sie beim Schreiben Ihrer Lieder?

Gabalier: Das alles ist mein Leben und so versuche ich es auch zu einem Text zu formen – fröhliche und traurige Erlebnisse. Wenn ich das Lied „Amoi seg ma uns wieder“, das den beiden gilt, singe, ist die Reaktion im Publikum immer sehr ergreifend. Die Leute haben Tränen in den Augen und bedanken sich danach oft für diesen einen Song. Da sieht man erst, wie Musik bewegt.

Lieder entstehen bei mir aber auch aus vielen Eindrücken, die ich während des Tages aufschnappe, die singe oder schreibe ich dann gleich in mein stets griffbereites iPhone.

Kritisiert Sie heute noch jemand aus Ihrem Umfeld, beziehungsweise auf wessen Kritik würden Sie hören?

Gabalier: In meinem direkten Umfeld kritisiert mich niemand. Aber es gibt sicher genug andere, die ich nie erreichen werde. Und wenn jemand von ihnen mich kritisiert – ich bin alles andere als beratungsresistent. Ich glaube, man kann nur eine breite Masse erreichen, wenn man polarisiert. Wenn ich meiner Oma Metallica vorspiele, stellt sie alle Haare auf und sagt, ich soll den Mist abdrehen. Ich hör‘s aber für mein Leben gern.

Der nächste logische Schritt in Ihrer Karriere wäre es, im englischsprachigen Raum Fuß zu fassen. Wird es bald „Sweet little Roe Deer“, statt „Sweet litte Reh­lein“ heißen?

Gabalier: (lacht) Ich habe jetzt mal drei englische Lieder geschrieben, die auf meiner vierten CD im Sommer 2013 erscheinen werden. Ob es „Roe Deer“ heißen wird, müssen wir erst besprechen.

Und für 2014 soll ein Film mit Ihnen in der Hauptrolle geplant sein ...

Gabalier: Eine Anfrage dazu gab es, ja. Außerdem gab es einige Anfragen wegen Moderationsrollen und Auftritten in TV-Shows. Die Shows habe ich aber erst mal alle abgelehnt. Jetzt steht die Musik im Vordergrund.

Ist der berühmte Gaba­lier heute noch nervös, wenn er mit einer Frau flirtet?

Gabalier: Kommt drauf an, wer vor mir steht (lacht). Früher war ich eher noch die starke Schulter für enttäuschte Mädchen, heute bin ich nicht mehr nervös. Obwohl, als ich bei der „Echo“-Verleihung in Berlin am roten Teppich Katy Perry getroffen habe, war ich nervös. Und richtig nervös war ich neulich wegen eines Manns (lacht). Als meine CD herausgekommen ist, habe ich Arnold Schwarzenegger im Landhauskeller in Graz abgepasst – dort hat er gegessen. Ich habe ihm total nervös meine CD in die Hand gedrückt – ich war aufgeregter als vor einem meiner Konzerte. Es war Winter, er hat einen schweren Mantel angehabt und ich hab‘ mir gedacht: „Der schaut wirklich aus wie der Terminator.“

Was war das Romantischste, das Sie jemals für eine Frau getan haben?

Gabalier: Das Romantischste wüsste ich gerade nicht, aber das Verrückteste: Ich war einmal richtig verliebt in ein Mädel. Es hat damals in Salzburg studiert. Ich hab‘ von Graz bis Salzburg alle Rosen aufgekauft, die ich gefunden habe, in den Kofferraum gelegt und als ich endlich bei ihr angekommen bin, war sie nicht da. Das war‘s. Und als Student hat man eh kein Geld.

Finanzielle Engpässe dürften Ihnen heute keine Sorgen mehr bereiten. Was war das erste Materielle, das Sie sich besorgt haben, nachdem der erste Scheck der Musikindustrie bei Ihnen hereingeflattert ist?

Gabalier: Eigentlich nichts Aufregendes. Ich wollte mir, nachdem meine CD in Deutschland zum ersten Mal Gold geholt hat, eine Uhr kaufen. Dazu bin ich dann aber so bald nicht gekommen und kurz darauf hat mir mein Manager eine dezente Omega geschenkt. Das ist der einzige Schmuck, den ein Mann tragen kann, finde ich. Sonst brauche ich im Grunde nichts Materielles.

Kein rasantes Auto zum Beispiel?

Gabalier: Nein! Ich bin froh, wenn ich in meiner Freizeit kein Auto sehe. Ich bin letztes Jahr mehr als 60.000 Kilometer gefahren. Außerdem habe ich ein solides Dienstauto – das reicht völlig.

Sehr bodenständig. Und leben Sie noch in der kleinen Studentenwohnung in Graz, die schon Ihr Zuhause war, als Sie vor drei Jahren noch Jus studiert haben?

Gabalier: Ja, weil ich höchstens eine Nacht die Woche zuhause schlafen kann, ist die kleine Wohnung perfekt für mich. Dort verbringe ich meinen freien Abend dann meistens mit Bügeln (lacht).

Wie erleben Sie dieses von Terminen gespickte Leben?

Gabalier: Heute am Weg zu einem Konzert habe ich im Auto geballt Interviews gegeben: Drei Stunden durchgehend mit allen möglichen Medien. Manchmal muss ich zu Themen Stellung beziehen oder in medialen Formaten sprechen, die mir nicht besonders liegen. Aber das ist Teil des Ganzen und wichtig, um breit gestreut bekannt zu werden. Ansonsten komme ich gar nicht großartig dazu, mir Gedanken um den Rummel zu machen.

Noch eine letzte Frage: Gibt es einen Gabalier-Slogan, Ihren Leitsatz sozusagen?

Gabalier: Mein Marketingprofessor in der Schule hat einmal gesagt: „Besser Erster als besser.“ Das ist mir in Erinnerung geblieben.

Was darf der Laie darunter verstehen?

Gabalier: Das ist die Marketinggrundsatzregel. Sie besagt, es ist besser, etwas Neues zu erfinden, als etwas bereits Bestehendes zu verändern und besser zu machen.