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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 16.11.2012

50 Jahre Rolling Stones

Superstars ohne Ablaufdatum

50 Jahre Rolling Stones: Die Altherren des Rock feiern ihr Jubiläum mit einer umfangreichen Retrospektive. „Grrr“ enthält auch zwei neue Songs.

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Von Sabine Theiner

Innsbruck – In den 50 Jahren ihres Bestehens hat sich nicht nur die Welt um sie herum verändert – die Rolling Stones haben sie mitgestaltet. 1962 standen sie zum ersten Mal auf der Bühne und ihre Musik sollte große gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen einläuten. In den 1960er-Jahren änderte sich die Art der Menschen zu reden, zu denken, zu sein. Die Rolling Stones gaben dabei den Ton an. Schon ihr Name symbolisiert die Durchschlagskraft der Band. Er entstand in der Situation, als Brian Jones bei einem der ersten Gigs der Band von einem Magazin nach dem Namen der Truppe gefragt wurde. Es lag eine Platte von Muddy Waters herum und der erste Song darauf hieß „Rollin’ Stone Blues“. Da antwortete er kurzerhand mit The Rolling Stones. Der Name traf den Nerv der Zeit, das Ziellose, Heimatlose, Entwurzelte einer Nachkriegsgeneration (die Bandmitglieder wurden alle Anfang der 1940er-Jahre geboren). Seit einem halben Jahrhundert ist die Musik der Rolling Stones nun in den Köpfen der Menschen und die vier Musiker haben eine Menge erlebt. Das aufregende Leben steht ihnen ins Gesicht geschrieben.

Heute sind die Stones eine Kategorie für sich. Sie blicken auf eine schier endlose Reihe an Hits und Klassikern zurück, von denen sich eine Auswahl auf der Jubiläumssammlung „Grrr“ findet. Es ist eine eindrucksvolle Werkschau, die es in unterschiedlichen „Größen“ gibt: Als Doppelalbum mit 40, als Dreifach-CD mit 50 oder als Box mit 4 CDs mit insgesamt 80 Songs (erschienen bei Universal). Die zwei neuen Stücke „One More Shot“ und „Doom And Gloom“ sind zwar nicht die besten der Stones, zeigen aber, wo die Band heute steht: felsenfest im Business.

Die Stones machen immer noch Musik und sie stehen immer noch auf der Bühne, wie kürzlich in einem kleinen Pariser Club vor 350 begeisterten Fans. Sie rocken wie eh und je, an Energie haben sie nichts eingebüßt, trotz fortgeschrittenen Alters. Seit 50 Jahren kommen Mick Jagger und Keith Richards ihrer wahren Bestimmung nach, nämlich zusammen Musik zu machen, am besten bei Live-Konzerten. Die beiden sind eines der großen Paare der Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts, sie verkörpern die Ära des Pop wie sonst keine andere Figur aus dem Musikgeschäft. Und zusammen, als Band, waren die Rolling Stones seit ihrer Gründung immer ganz nah am Puls der Zeit, so nah, dass aus der Musik der Band der Puls der Zeit zu schlagen scheint.

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