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Weihnachten

Luther und Lennon statt „Stille Nacht, heilige Nacht“

Gibt es ein Weihnachts-Album, das sich nicht wie eine klassische Festtags-Platte anhört? Ja, nicht nur eines, sondern etliche spannende Alben klingen sowohl zum Fest als auch danach noch genüsslich in den Ohren.

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Bremen – Als John Lennon 1971 „Imagine there‘s no heaven“ sang, ahnte er nicht, dass dieser Protestsong 40 Jahre später als Weihnachtslied verstanden würde. Der Jazz-Posaunist Nils Landgren präsentiert nun die Lennon-Hymne gleichberechtigt neben Martin Luther und skandinavischen Volksweisen auf „Christmas With My Friends III“ (ACT 9527 / Edel). Landgren klingt trotz - oder gerade wegen - seiner begrenzten Sänger-Möglichkeiten sehr glaubwürdig, wenn er mit heiserer Stimme Lennons Botschaft verkündet: „Stell dir vor, es gibt keinen Himmel, keine Hölle und keine Religionen!“.

Ohne Religionen gäbe es aber auch keine CDs wie „Musica Sacra - Gregorianische & Buddhistische Gesänge“ (KuK 48 / Klassik Center). Der tschechische Chor Schola Gregoriana Pragensis und Mönche der japanischen Tendai-Schule führten diesen Dialog der Kulturen im baden-württembergischen Kloster Maulbronn.

Auf „Christmas Dreams On 13 Strings“ (BIS / Klassik Center) spielt Anders Miolin mit seiner 13-saitigen Gitarre weihnachtliche Musik aus aller Welt für Surround-Sound-Hörer, die genussvoll jeder einzelnen Gitarrensaite nachlauschen wollen. Noch zarter besaitet klingt das Quadriga Consort, wenn es Weihnachtslieder und Tänze des 17. Jahrhunderts aus Britannien und Irland interpretiert: „On A Cold Winter‘s Day“ (Carpe Diem / Naxos).

Klanglich ausgereifte Weihnachts-CDs liefert auch immer wieder die Musikproduktion Dabringhaus und Grimm - zum Beispiel „Machet die Tore weit“ (MD+G); die räumlich bestens gestaffelten Stuttgarter Hymnus-Chorknaben präsentieren zusammen mit Orgel und Schlaginstrumenten ein Weihnachts-Repertoire aus vier Jahrhunderten. Noch mehr auf die Pauke haut The Dallas Wind Symphony mit „Horns For The Holidays“ (RR / Sieveking Sound). Dieses Blasorchester aus Texas stellt jede Hifi-Anlage auf eine harte Probe.

In die englischen Wohnstuben des 19. Jahrhunderts führt „The Music Of Charles Dickens And His Time“ (Warner Classics): Das Hausmusikanten-Ensemble The Seven Dials Band versprüht jene karnevalistischen Heiterkeit, mit der im viktorianischen Zeitalter Weihnachten gefeiert wurde. Russische Weihnachtsgefühle weckte Peter Tschaikowski mit seinem „Nussknacker“ - das Holländische Nationalballett verlegt die Handlung auf den Sinterklaas-Abend (6.12.) und tanzt „Der Nussknacker und der Mäusekönig“ (DVD: Arthaus / Naxos) zur Tschaikowski-Musik.

Zwei weihnachtliche Geschenktipps für Jazz-Fans kommen aus New York. Für „A Dreamer‘s Christmas“ (Tzadik / Challenge) arrangierte der Radikal-Avantgardist John Zorn solche Christmas-Schlager wie „Let It Snow“ und „Santa Claus Is Coming To Town“ mit ständig überraschendem Wechsel der Stilmittel. Der Gitarrist Craig Brann verwendet bei seinem „Advent(ure)“ (SteepleChase SCCD 31747 / Fenn) lieber barocke Weihnachtsmelodien als Rohmaterial für seine Improvisationen. (dpa)

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