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Mrs. Greenbird im Charthimmel: Ein buntes Duo startet durch

Platz eins in den Albumcharts, ausverkaufte Konzerte: Die ungewöhnlichen „X Factor“-Sieger Mrs. Greenbird starten durch. Der Erfolg ihrer Vorgänger war aber meist nur von kurzer Dauer.

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Von David Kluthe, dpa

Berlin – Als Mrs. Greenbird plötzlich vor der Wohnungstür liegt, ahnen Sarah Nücken und Steffen Brückner noch nicht, was auf sie zukommt. Die beiden Musiker spielen zu dieser Zeit auf kleineren Festivals oder in Bars, meistens in Köln. Sie träumen davon, irgendwann einmal von ihrer Musik leben zu können. Inzwischen sind sie diesem Traum ein großes Stück näher gekommen: Sie haben die TV-Castingshow „X Factor“ gewonnen, stehen auf Platz eins der Albumcharts und haben ab März eine fast ausverkaufte Deutschland-Tournee vor sich.

Band nach grellgrünem Sittich benannt

Der Bandname des erfolgreichen Duos ist immer noch der gleiche. In Köln fliegen seit Jahren grellgrüne Alexander-Sittiche durch die Stadt. Einer von ihnen landete eines Tages vor der gemeinsamen Wohnung. „Zuckersüß und traurig“, erinnert sich Nücken im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Den sterbenden Vogel taufen sie „Mrs. Greenbird“. Die Erfolgsgeschichte der Band stand zu diesem Zeitpunkt noch am Anfang.

Ihre Musik klingt heute noch wie früher: Akkustik-Gitarre, zweistimmiger Gesang, zwischendrin mal ein bisschen Percussion oder Schlagzeug. „Eigentlich machen wir genau das, was wir vor einem Jahr auch gemacht haben“, erzählt Nücken. Auch Brückner ist froh, „dass wir uns nach der Show nicht neu erfinden mussten“.

In ihren Songs geht es um Sternschnuppen, Märchen und jede Menge Liebe. In einem ihrer Videos fliegen bunte Fische durchs Bild. Brückner spielt auf einer hellgrünen Gitarre. Aufgezwungen wirkt dieses bunte Image aber nicht. „Das entspricht uns zu hundert Prozent“, sagt Nücken. Bei ihnen zu Hause sehe es bis auf die Fische genauso aus. Und überhaupt: „Ein bisschen Kitsch schadet nie.“

Das Leben nach „X Factor“: „Alles ist ein bisschen professioneller geworden“

Verändert hat sich ihr Leben seit dem Sieg bei der dritten Auflage von „X Factor“ trotzdem. „Alles ist ein bisschen professioneller geworden“, sagt Brückner. Videodreh, Studioaufnahmen, Radio-Interviews, Fernsehshows - mit kleinen Bühnen in Kölner Bars hatten Mrs. Greenbird im vergangenen halben Jahr weniger zu tun.

Ein Garant für langfristigen Erfolg ist das alles jedoch noch lange nicht. Von den Siegern der ersten beiden „X Factor“-Staffeln, Edita Abdieski und David Pfeffer, hört man fast gar nichts mehr. Und dann sind da ja noch die vielen Gewinner anderer Castingshows, die früher oder später wieder aus dem Rampenlicht traten.

„Innerhalb kürzester Zeit kann alles wieder vorbei sein“

„Wir sind uns dessen völlig bewusst, dass innerhalb kürzester Zeit alles wieder vorbei sein kann“, sagt der 36-Jährige. Seine Freundin sieht es ganz pragmatisch: Vor der Show habe die beiden fast keiner gekannt. „Wenn uns dann irgendwann wieder fast keiner mehr kennt, ist es wieder so wie vorher.“ Ihren größten Traum hat sich die 28-Jährige ohnehin schon erfüllt: Im Finale der TV-Show sang sie im Duett mit Alanis Morissette den Top-Hit „Ironic“.

Dass Nücken und Brückner, die auch privat ein Paar sind, überhaupt die Gelegenheit bekamen, sich gegen mehr als 24 000 Bewerber bei „X Factor“ durchzusetzen, haben sie einem Zufall zu verdanken. Beim „Gitarren-Bummeln“ in einem Kölner Musikgeschäft sei er auf die Casting-Bühne des „X Factor“-Teams aufmerksam geworden, erzählt Brückner. Kurz darauf sammelte er seine Freundin zum Vorspielen ein. „So was wie euch haben wir noch nicht“, habe die Redakteurin anschließend gesagt. (dpa)

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