05.02.2012
Promi News

Kleine Chance für die große Liebe

Heidi Klum und ihren Seal hat es erwischt, Jennifer Lopez und ihren einst Liebsten, Marc Anthony, ebenfalls. Das verflixte siebte Jahr macht Paaren offenbar zu schaffen. Doch was steckt hinter dieser magischen Zahl?

Von Maria Reisigl

Nicht nur Heidi Klum und ihr jahrelang heiß geliebter Seal haben das siebte Jahr ihrer Ehe nicht überstanden. Die Liste der prominenten Paare, die sich im siebten Jahr trennten, ist lang. Ist tatsächlich etwas dran, dass Beziehungen oder Ehen genau im siebten Jahr in die Brüche gehen?

Wenn man der Statistik glauben schenken darf, dann können alle Paare getrost aufatmen. Im siebten Jahr werden nämlich nicht auffallend viele Ehen beendet. Die durchschnittliche Ehe wird laut Statistik Austria nach 10,5 Jahren geschieden. Und die meisten Scheidungen werden statistisch gesehen im Zeitraum zwischen zehn und 25 Jahren nach der Hochzeit eingereicht.

Auch der Innsbrucker Paartherapeut Herbert Madertoner beruhigt. „Am verflixten siebten Jahr ist nichts dran. Beziehungen scheitern aus den verschiedensten Gründen, aber nicht auffallend oft im siebten Jahr.“ Mit Trennungen ist es allerdings immer so ein Ding. Denn die meisten Beziehungen liegen schon länger in Trümmern, bevor der endgültige Schlussstrich gezogen wird und man tatsächlich vor dem Scheidungsrichter landet. Trotzdem gibt es eine gute Nachricht: „Fast jede Beziehung ist zu retten. Wenn es beide Partner wirklich wollen“, ist Madertoner überzeugt. Heidi Klum und ihr Seal wollen es offenbar nicht. Sie gehen künftig ja lieber getrennte Wege. Sie haben ihre Liebe zwar nach außen hin zelebriert, aber sich als Paar verloren. Damit es nicht so weit kommt, muss man seine Beziehung hegen und pflegen, erklärt Madertoner.

Denn die erste Verliebtheit klingt irgendwann ab. Dann ist auch die Phase der Werbung, in der sich jeder selbst in das beste Licht rückt und sich nur von seinen besten Seiten zeigt, vorbei. Die Phase der Desillusionierung folgt und der vermeintliche Prinz entpuppt sich im schlimmsten Fall doch als Frosch. Hier liegen laut Madertoner schon die ersten Hürden für ein Paar. Gelingt es beiden, die erste Verliebtheit in tragfähige Liebe umzuwandeln und die Stärken und Schwächen des anderen zu akzeptieren, ist man auf einem guten Weg. Viele versuchen aber, ihren Partner zu ändern, und das gelingt meist nur bedingt. Irgendwann schleichen sich dann auch noch Alltag und Routine ein. Man lebt nebeneinander her und schön langsam verabschiedet sich die Liebe. Ohne es richtig gemerkt zu haben, befindet man sich mitten in der Phase der Entfremdung. In einem schleichenden Prozess lebt man sich auseinander, bis man sich irgendwann beziehungstechnisch so zu sagen aus den Augen verloren hat. Steuert man dieser Entwicklung nicht bewusst entgegen, kann das zur Trennung führen.

Wer das verflixte 7. oder auch jedes andere kritische Jahr überstehen will, der sollte regelmäßig an seiner Beziehung arbeiten, rät der Paartherapeut. Damit kann man sich selbst nach etlichen gemeinsamen (Ehe-)Jahren noch wie frisch verliebt fühlen. Wer allerdings schon gar nicht mehr weiß, wie sich die Schmetterlinge im Bauch angefühlt haben, für den ist es höchste Zeit, sich einmal zurückzuerinnern. Wie war das damals, als man sich kennen lernte? Was hat man am Partner so toll gefunden und was gefällt einem noch immer an ihm. Alte Fotos oder Videos können einem dabei rasch auf die Sprünge helfen.

Sich Zeit füreinander zu nehmen, gilt wohl als Zauberformel für glückliche Beziehungen. Eltern sollten sich einmal eine Pause vom Elternsein gönnen und sich wieder einmal selbst zu zweit genießen. Ein schönes Essen, ein Date, wie in der Zeit des Kennenlernens, oder sich endlich wieder einmal tief in die Augen schauen und sich leidenschaftlich küssen. Oft reichen schon kleine Gesten aus. „Wenn sie von Herzen kommen, zeigen sie dem Partner, wie sehr man ihn – auch nach Jahren noch – mag“, versichert der Therapeut. Aber nicht nur die körperlichen und seelischen Streicheleinheiten sind essenziell. Besonders wichtig sind gegenseitiger Respekt und die Toleranz, den anderen in seinem Anderssein zu lieben. „Wer nur an seinem Partner herumnörgelt und ihn ständig verändern will, treibt den Partner von sich weg und irgendwann verzweifeln beide.“ Was noch lange nicht heißen soll, dass nicht gestritten werden darf. Im Gegenteil. Nur weil es in einer Beziehung Auseinandersetzungen gibt, muss das noch lange nicht heißen, dass die Beziehung zum Scheitern verurteilt ist. „Es geht nur darum, wie man mit den Konflikten umgeht und sie austrägt“, sagt Madertoner. Regelmäßig Beziehungsbilanz zu ziehen, helfe. Sich und seinen Partner zu fragen, ob man zufrieden ist, was einen stört oder was man verändern möchte. Übrigens verbinden gemeinsame Erlebnisse besonders stark. Ein Kletter- oder Tanzkurs etwa vertreibt die Langeweile und schweißt zusammen.

Sich und den Partner bewusst wahrnehmen, ist aber sicher das beste Rezept, damit einen nicht das gleiche Schicksal ereilt wie Heidi Klum und Seal. Am siebten Jahr liegt es ja offenbar nicht.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 05.02.2012
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